Muss die Katze weg, wenn das Kind Asthma hat?
Zusammenfassung
- Eine große schwedische Studie fand keinen Zusammenhang zwischen Katzenhaltung und schlechteren Asthmawerten bei Kindern mit Asthma und Allergien.
- Katzenallergene sind weit verbreitet, sodass auch Kinder ohne Katze zu Hause diesen ausgesetzt sein können.
- Die Studie entlastet Katzen im Allgemeinen, ersetzt aber nicht die individuelle ärztliche Abklärung bei Beschwerden.
Sie schläft am Fußende des Betts, liegt auf dem Sofa, streicht um die Beine und gehört zur Familie. Und dann bekommt das Kind Asthma. Für viele Eltern beginnt damit eine belastende Abwägung: Darf die Katze bleiben? Oder verschlechtert sie die Erkrankung?
Katzen gelten seit Langem als mögliche Auslöser allergischer Beschwerden. Ihr wichtigstes Allergen, Fel d 1, findet sich unter anderem in Speichel, Hautschuppen und Fell. Es verteilt sich leicht in Innenräumen und wird auch über Kleidung weitergetragen. Deshalb können Katzenallergene nicht nur in Haushalten mit Katze vorkommen, sondern auch in Schulen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Wohnungen, in denen gar keine Katze lebt.
Gerade bei Kindern mit Asthma und Allergien liegt der Verdacht trotzdem nahe: mehr Katze, mehr Beschwerden. Doch eine neue große Registerstudie des Karolinska Instituts in Schweden, veröffentlicht in Frontiers in Allergy, kommt zu einem weniger eindeutigen Ergebnis. Die Forschenden fanden bei Kindern mit bereits bestehendem Asthma und Allergien keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Katzenexposition und schlechteren Asthmawerten.
Mehr als 30.000 Kinder mit Asthma untersucht
Für die Studie wertete das Forschungsteam schwedische Gesundheits-, Sozial- und Qualitätsregister aus. Eingeschlossen wurden 30.277 Kinder im Alter von 4 bis 17 Jahren, die eine gesicherte Asthmadiagnose und eine Allergie hatten. Alle Kinder waren in den zwei Jahren vor der Untersuchung wegen Asthma medizinisch erfasst worden.
Ob ein Kind im Haushalt einer Katze ausgesetzt war, wurde über den Eintrag der Eltern im schwedischen nationalen Katzenregister bestimmt. Insgesamt lebten 2.862 Kinder, also 9,4 Prozent der Studiengruppe, in einem Haushalt mit Katze.
Die Forschenden untersuchten anschließend, ob sich im Zeitraum 2023 bis 2024 Unterschiede zeigten: bei Asthmaanfällen, bei mittelschwerem bis schwerem Asthma, bei der Lungenfunktion und bei der Asthmakontrolle.
Kein Hinweis auf mehr Asthmaanfälle
Das zentrale Ergebnis: Kinder mit Katze schnitten nicht schlechter ab als Kinder ohne Katze.
Eine deutliche Asthma-Verschlechterung trat bei 3,3 Prozent der Kinder mit Katzenexposition auf. In der Gruppe ohne Katze waren es 3,5 Prozent. Auch bei mittelschwerem bis schwerem Asthma zeigte sich kein relevanter Unterschied: 9,6 Prozent der Kinder mit Katze waren betroffen, verglichen mit 10,1 Prozent der Kinder ohne Katze.
Die Forschenden rechneten mehrere mögliche Einflussfaktoren heraus, darunter Alter, Geschlecht, ursprüngliche Asthmaschwere, Schwere der allergischen Rhinitis, elterliches Asthma, elterliche Allergien, Wohnumfeld und sozioökonomische Faktoren. Auch danach blieb das Ergebnis bestehen: Katzenhaltung war nicht mit schlechteren Asthmawerten verbunden.
Warum Katzen nicht immer der entscheidende Auslöser sind
Die Studienautorinnen und -autoren diskutieren mehrere mögliche Erklärungen. Eine davon: Katzenallergene sind sehr weit verbreitet. Ein Kind ohne Katze zu Hause ist daher nicht automatisch frei von Katzenallergenen. Sie können auch in Klassenzimmern, öffentlichen Räumen oder Wohnungen ohne Katze nachweisbar sein.
Zudem könnte dauerhafte Exposition anders wirken als plötzlicher, intensiver Kontakt. Frühere Studien hatten ein gemischtes Bild gezeigt. Manche fanden vor allem bei sensibilisierten Kindern oder in Kombination mit Virusinfekten ein höheres Risiko für Beschwerden. Andere fanden keinen eigenständigen Effekt der Katzenhaltung.
Die neue Studie spricht also gegen eine einfache Gleichung: Katze im Haushalt gleich schlechteres Asthma. Sie beweist aber nicht, dass Katzen für jedes einzelne Kind unproblematisch sind.
Was die Studie nicht sagen kann
Wichtig ist eine Einschränkung: Alle Kinder in der Studie hatten Asthma und Allergien. Es lagen aber keine genauen Daten dazu vor, ob sie spezifisch gegen Katzen sensibilisiert waren. Das ist medizinisch entscheidend. Ein Kind mit Pollenallergie und Asthma ist nicht dasselbe wie ein Kind mit nachgewiesener Katzenallergie.
Auch wurde Katzenhaltung über Registerdaten erfasst. Das schwedische Katzenregister wurde erst 2023 eingeführt, weshalb nicht jede Katze vollständig erfasst sein muss.
Außerdem lassen sich die Ergebnisse nicht automatisch auf Hunde oder andere Haustiere übertragen. Die Studie bezieht sich ausdrücklich auf Katzen, sie ist eine Entlastung, aber keine pauschale Freigabe. Wenn ein Kind nach Katzenkontakt hustet, pfeifend atmet, nachts schlechter Luft bekommt oder häufiger Notfallmedikamente braucht, sollte das ärztlich abgeklärt werden.
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