Abnehmspritzen: Wie groß ist die Gefahr für die Muskeln?

Abnehmmedikamente helfen vielen Menschen, deutlich Gewicht zu verlieren. Doch verlieren sie dabei auch Muskelmasse? Was eine neue Metaanalyse zeigt.
Close-up of a woman grabbing skin on her upper arm with excess fat isolated on a beige background. Pinching the loose and saggy muscles. Overweight concept

Zusammenfassung

  • GLP-1-Medikamente führen vor allem zu Fett- und besonders Bauchfettverlust, Muskelmasse nimmt nur moderat ab.
  • Die Sorge um Muskelverlust ist berechtigt, aber der Fettabbau überwiegt deutlich laut aktueller Metaanalyse.
  • Für nachhaltigen Gewichtsverlust sollten Ernährung, Eiweißzufuhr und Krafttraining beachtet werden.

GLP-1-Medikamente - also moderne Abnehmmedikamente wie Semaglutid oder Liraglutid - haben die Behandlung von Adipositas stark verändert. Sie können helfen, deutlich an Gewicht zu verlieren, indem sie den Appetit dämpfen und das Sättigungsgefühl verlängern. 

Doch mit dem Erfolg wächst auch eine Sorge: Geht unter diesen Medikamenten nicht nur Fett verloren, sondern auch Muskelmasse?

Eine neue systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse im International Journal of Obesity liefert dazu eine differenzierte Antwort. Die Sorge ist nicht aus der Luft gegriffen – aber sie sollte auch nicht übertrieben werden. 

Nach den ausgewerteten Daten verlieren Menschen unter GLP-1-Therapie vor allem Fettmasse. Die magere Körpermasse nimmt zwar teilweise ebenfalls ab, aber deutlich weniger stark.

Für die Analyse wurden 36 Studien ausgewertet, 24 davon gingen in die statistische Berechnung ein. Untersucht wurden Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas, teils mit, teils ohne Typ-2-Diabetes. Im Fokus standen nicht nur Gewicht und BMI, sondern auch Taillenumfang, Fettmasse, Bauchfett und magere Körpermasse.

Abnahme besonders beim Bauchfett

Das wichtigste Ergebnis: Der Gewichtsverlust unter GLP-1-Medikamenten ist überwiegend ein Fettverlust. Besonders deutlich nahm das sogenannte viszerale Fett ab – also jenes Fett im Bauchraum, das mit einem erhöhten Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Auch der Taillenumfang ging zurück.

Die Zahlen zeigen: Der deutlichste Rückgang betraf Fettmasse und Bauchfett. Die magere Körpermasse nahm ebenfalls ab, aber deutlich moderater.

Ganz erledigt ist die Muskel-Frage damit nicht. Denn wer stark abnimmt, verliert fast immer auch einen Teil fettfreier Masse. Besonders bei älteren Menschen, gebrechlichen Personen oder Menschen, die schon vor der Behandlung wenig Muskelmasse haben, kann das relevant werden.

Nach sechs Monaten lag die durchschnittliche Gewichtsabnahme in den ausgewerteten Studien bei etwa fünf Prozent, nach zwölf Monaten bei rund vier Prozent. Auch zu diesen Zeitpunkten zeigte sich: Fettverlust überwog. Bei der mageren Körpermasse fanden die Forschenden nur moderate Rückgänge. Allerdings waren die Studien sehr unterschiedlich – etwa in Bezug auf Wirkstoff, Dosis, Dauer der Behandlung, Begleiterkrankungen und Messmethoden.

Entscheidend ist zudem: Viele Studien messen zwar die Körperzusammensetzung, aber nicht ausreichend, was im Alltag besonders wichtig wäre – nämlich Muskelkraft und körperliche Leistungsfähigkeit. Ein kleiner Rückgang der mageren Masse ist anders zu bewerten, wenn Kraft und Beweglichkeit erhalten bleiben, als wenn jemand tatsächlich schwächer wird.

Die Autorinnen und Autoren der Metaanalyse sprechen deshalb von einer eher „qualitativen“ Gewichtsabnahme: Es geht nicht nur darum, dass sich die Zahl auf der Waage verändert, sondern darum, was der Körper verliert. Nach den vorliegenden Daten sind GLP-1-Medikamente eher mit einem Fettverlust verbunden als mit einem massiven Muskelabbau.

Für Patientinnen und Patienten heißt das dennoch: Wer abnimmt, sollte auch auf ausreichend Eiweißzufuhr achten und Krafttraining einbauen – angepasst an Alter, Gesundheitszustand und Fitness. Gerade Krafttraining ist wichtig, um Muskeln und körperliche Funktion zu erhalten.

Fazit: Die Sorge vor Muskelverlust ist berechtigt, aber kein Grund für Panik. GLP-1-Medikamente lassen nach den bisherigen Daten vor allem Fettmasse schrumpfen. Damit der Gewichtsverlust langfristig gesund bleibt, sollten Ärztinnen und Ärzte aber nicht nur Gewicht und BMI kontrollieren, sondern auch die Ernährung, Bewegung, Muskelkraft und Alltagstauglichkeit im Blick behalten.

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