Schimpfwörter bei Kindern: Expertin rät zu dieser Strategie

Bereits im Vorschulalter schimpfen Kinder mitunter heftig. Was oft zum Schmunzeln anregt, kann später im Jugendalter verletzend wirken. Wie Eltern reagieren können.
Ein Symbolbild eines Kindes, das flucht - mit einer Sprechblase mit Schimpfsymbolen.

Meist geschieht es aus Ärger, Frust oder um Aufmerksamkeit zu erregen: Schon Kleinkinder können mitunter heftig schimpfen. Während im Vorschulalter manche Ausdrücke noch für Schmunzeln sorgen und oft  aus der verniedlichten Fäkalsprache stammen, kommen im Schul- und Jugendalter durchaus auch derbe Kraftausdrücke zum Einsatz, die  verletzen können. 

Wie sehr Eltern  Schimpfen und Fluchen tolerieren, ist sehr unterschiedlich und hängt  auch davon ab, wie sehr sie selbst zu Kraftausdrücken neigen, sagt die Wiener Psychotherapeutin Vivien Kain. „Schimpfen kann ein nützliches Tool sein, um Emotionen abzuleiten, aber man muss Grenzen wahren, vor allem anderen gegenüber. Eltern sollten ehrlich und authentisch mit eigenen Fehlleistungen umgehen, aber auch verantwortungsvoll im Hinblick auf ihre Vorbildfunktion“, betont Kain. 

Je emotionaler wir reagieren, desto spannender ist das Wort

Kleinkinder würden viele Ausdrücke aufschnappen,  könnten aber die Bedeutung oft noch nicht einordnen. „Sie spüren, dass manche Worte bei anderen Emotionen auslösen und bringen sie mit nachhause, auch weil sie sie verstehen möchten. Je emotionaler wir darauf reagieren und es als etwas Verbotenes titulieren, desto spannender wird ein Wort im Kleinkind- und Volksschulalter und desto größer wird auch seine Wirkung“, betont Kain. 

Eltern sollten versuchen  die Bedeutung von Ausdrücken kindgerecht zu erklären und  vermitteln, welche Wirkung sie auf andere haben können. „Das sollte wert- und möglichst emotionsfrei passieren, wobei man die kindliche Neugier dafür nutzen, kann, darüber zu sprechen,, dass Sprache auch mit gegenseitigem Respekt zu tun hat und es dafür klare Regeln geben muss.“ 

Rauslassen von Gefühlen nicht unterbinden

Neben Vorgaben dürfe es  auch Ausnahmen geben. Das erleichtere das Einhalten der Regeln. In der Familie sollte aber klar kommuniziert sein, dass alles, wo jemand Kränkung erfährt,, eine Grenze überschreitet. Kain: „Man sollte das Rauslassen von Gefühlen nicht unterbinden, aber begleiten und vielleicht Alternativen anbieten. Das können alternative Ausdrücke sein, aber auch  eine Polsterschlacht oder ein Boxsack, auf den man draufhauen kann.“ 

Nicht vergessen werden dürfe, dass Kinder mit Schimpfwörtern zugrunde liegende Emotionen zum Ausdruck bringen, auf die geachtet werden sollte. Oft werden Kraftausdrücke auch als Lückenfüller genutzt, wenn andere Worte fehlen. Hier sei förderlich, bereits früh im Kindesalter einen breiten Wortschatz zu unterstützen, mit dem Emotionen beschrieben werden können. Je größer der Wortschatz, desto besser könne das Kind Emotionen kommunizieren ohne regelmäßig auf Schimpfwörter zurückgreifen zu müssen.

Freunde und Medienkonsum als Einfluss

Im Jugendalter haben vor allem  Freunde und Medienkonsum Einfluss auf verwendete Worte. „Vollständig verhindern lässt sich nicht, dass gewisse Ausdrücke in die Alltagssprache einfließen. Wir können als Eltern vorbeugen, indem wir möglichst von klein auf unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten mitgeben. Man darf auch  ansprechen, wenn man merkt, dass der Ton des Kindes auffällt, wenn es mit bestimmten Freunden mehr Zeit verbringt“, rät Kain. 

Nicht hilfreich sei, Schimpfen zu verbieten. Auch Erwachsene können dies nicht einhalten. „Man darf aber Jugendliche in die Verantwortung nehmen und mitteilen, was bestimmte Wörter im Anderen auslösen. Gerade in der Pubertät sind Kinder oft emotional überfordert und zeigen auch auf diese Art vielleicht, dass sie mehr Aufmerksamkeit brauchen bzw. dass eventuell gerade genauer hingeschaut werden darf“, sagt Kain.

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