Fitness-Effekt: Wie viele Minuten Sport das Gehirn braucht
Schon 15 Minuten Training können die Freisetzung von Proteinen erhöhen, die das Nervensystem im Gehirn unterstützen.
Eine Steigerung der körperlichen Fitness führt zu einer größeren Freisetzung von Proteinen, die die Hirnfunktion verbessern. Das zeigt eine aktuelle britische Studie des University College London (UCL). Untersucht wurde eine Gruppe zunächst untrainierter Teilnehmender, die für die Untersuchung bei einem zwölfwöchigen Trainingsprogramm mitmachten. Sie absolvierten dreimal pro Woche ein Radfahrprogramm und steigerten so ihre Fitness.
Die Forschenden stellten fest, dass mit zunehmender Fitness auch die Menge eines nach dem Training freigesetzten Proteins, dem Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF), im Gehirn anstieg.
Hauptautorin Flaminia Ronca: „Wir wissen schon länger, dass Bewegung gut für unser Gehirn ist, aber die zugrundeliegenden Mechanismen werden noch immer erforscht. Das spannendste Ergebnis unserer Studie ist, dass unser Gehirn umso mehr von einer einzigen Trainingseinheit profitiert, je fitter wir sind, und dass sich dies bereits innerhalb von sechs Wochen ändern kann.“
BDNF ist ein Protein im Gehirn, das für das Wachstum, das Überleben und die Funktionsfähigkeit von Nervenzellen wichtig ist. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Anpassungsfähigkeit des Nervensystems und stärkt neuronale Verbindungen.
Das Protein ist an Lernprozessen und dem Gedächtnis beteiligt und wird mit psychischer Gesundheit in Verbindung gebracht. Niedrige BDNF-Spiegel wurden bei verschiedenen Erkrankungen beobachtet, etwa bei Depression oder neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit. Deshalb gehen Forschende davon aus, dass BDNF eine wichtige Rolle beim Schutz von Nervenzellen und bei der Aufrechterhaltung einer gesunden Gehirnfunktion spielt.
15 Minuten Training erhöhten BDNF-Spiegel
Bereits nach 15 Minuten moderatem bis intensivem Ausdauertraining stiegen bei den Teilnehmenden die BDNF-Spiegel.
Die kleine Studie umfasste 30 Teilnehmende. Um den Fitnesszustand während des Programms zu beurteilen, absolvierten die Teilnehmer alle sechs Wochen VO₂max-Tests. Das sind sportmedizinische Untersuchungen, mit denen die maximale Sauerstoffaufnahme des Körpers während intensiver körperlicher Belastung gemessen wird.
Die BDNF-Werte wurden vor und nach den VO₂max-Tests sowie einer Reihe von kognitiven und Gedächtnistests gemessen. Gleichzeitig wurden Veränderungen der Hirnaktivität im präfrontalen Kortex erfasst, wo Funktionen wie Entscheidungsfindung, Emotionsregulation, Aufmerksamkeit und Impulsivität gesteuert werden.
Gehirn profitiert von jeder einzigen Trainingseinheit
In der letzten Woche der Studie zeigte sich, dass sich die BDNF-Ausgangswerte nicht verändert hatten. Die Teilnehmenden wiesen jedoch nach intensiver Belastung einen deutlicheren BDNF-Anstieg auf als vor dem zwölfwöchigen Programm. Hier zeigte sich ein Zusammenhang mit einer Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO₂max).
Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass eine Steigerung der körperlichen Fitness die Fähigkeit des Gehirns BDNF zu produzieren verbessern kann. Das kann einen starken positiven Einfluss auf die neuronale Aktivität haben.
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