Wechseljahre: Anstieg von psychischen Erkrankungen bei Frauen

Vor allem Angst- und Depressionssymptome sowie Schlafprobleme sind häufig, wie Daten von rund 125.000 Frauen zeigen.
Eine Frau greift sich an den Kopf.

Die Menopause geht mit einer Zunahme von Angst- und Depressionssymptomen, Schlafproblemen sowie mit Volumenverlusten der grauen Substanz in mehreren Hirnregionen einher. Eine Hormonersatztherapie (HRT) scheint diese Veränderungen jedoch nicht abzufedern. Darauf deutet eine Studie hin, die in der Fachzeitschrift Psychological Medicine veröffentlicht wurde.

Für die Untersuchung analysierte das Forschungsteam um Katharina Zühlsdorff von der University of Cambridge Daten von 124.780 Frauen aus der UK Biobank. Die Teilnehmerinnen wurden drei Gruppen zugeordnet: prämenopausale Frauen, postmenopausale Frauen ohne HRT sowie postmenopausale Frauen mit HRT.

Die Forscherinnen und Forscher berücksichtigten Selbstauskünfte zur psychischen Gesundheit, zu Schlaf und Erschöpfung. Reaktionszeit und Gedächtnisleistung wurden mithilfe standardisierter Tests erfasst. Zusätzlich standen bei rund 10.900 Frauen Magnetresonanztomografien (MRT) des Gehirns zur Verfügung.

Psychische Belastungen häufiger

Das Ergebnis: Insgesamt berichteten postmenopausale Frauen häufiger über Angst- und Depressionssymptome als prämenopausale Frauen. Sie suchten zudem öfter ärztliche oder psychiatrische Hilfe auf und nahmen häufiger Antidepressiva oder Anxiolytika ein. Zunächst zeigten sich stärkere psychische Belastungen bei postmenopausalen Frauen mit HRT im Vergleich zu jenen ohne HRT. Post-hoc-Analysen deuteten jedoch darauf hin, dass diese Unterschiede bereits vor Beginn der Menopause bestanden hatten. Die Autorinnen und Autoren schließen daraus, dass Frauen mit bestehenden psychischen Beschwerden eher eine HRT erhielten und nicht, dass die HRT die Symptome verstärkte.

Auch Schlafprobleme traten nach der Menopause häufiger auf. Postmenopausale Frauen berichteten vermehrt über Schlaflosigkeit, kürzere Schlafdauer und stärkere Tagesmüdigkeit als prämenopausale Frauen. Die stärkste Erschöpfung zeigte sich in der HRT-Gruppe, wobei sich hinsichtlich der Schlafdauer keine Unterschiede zwischen postmenopausalen Frauen mit und ohne HRT fanden.

Signifikante Veärnderungen von Hirnarealen

In den kognitiven Tests waren die Effekte gering. Postmenopausale Frauen ohne HRT wiesen längere Reaktionszeiten auf als prämenopausale Frauen, während sich zwischen prämenopausalen Frauen und postmenopausalen Frauen mit HRT keine Unterschiede zeigten. Bei den Gedächtnistests ergaben sich zwischen den drei Gruppen keine signifikanten Abweichungen.

Deutlichere Unterschiede zeigten sich hingegen in den MRT-Daten. In beiden postmenopausalen Gruppen fanden sich signifikante Volumenreduktionen der grauen Substanz im Hippocampus, im entorhinalen Kortex und im anterioren cingulären Kortex – Regionen, die unter anderem für Gedächtnis, Emotionsverarbeitung und kognitive Kontrolle wichtig sind. Die geringsten Volumina wurden bei Frauen mit HRT gemessen.

Zühlsdorff und ihr Team weisen darauf hin, dass aufgrund des Querschnittdesigns keine kausalen Aussagen möglich sind. Zwar seien psychische Belastungen und strukturelle Hirnveränderungen nach der Menopause ausgeprägter, doch bleibe offen, ob und wie eine HRT diese Entwicklungen beeinflusst oder ob Frauen mit höherer Symptomlast häufiger eine HRT erhalten. Zudem fehlten Angaben zur Art der Hormonersatztherapie, und die UK-Biobank-Kohorte sei insgesamt gesünder und weniger vielfältig als die Allgemeinbevölkerung.

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