Neue Leitlinie für Kinder: Fieber senken oft nicht notwendig
Nicht immer braucht es bei Kindern mit Fieber Medikamente, die das Fieber senken.
Eine neue Leitlinie empfiehlt, Fieber nicht mehr reflexartig zu senken. Entscheidend sei das Befinden des Kindes, nicht die gemessene Temperatur. Die Leitlinie zielt auf ein Umdenken im Umgang mit Fieber bei Kindern ab.
Erarbeitet wurde die Leitlinie „Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen“ unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Neu ist vor allem der Perspektivenwechsel: Fieber wird nicht länger primär als Gefahr gesehen, sondern als häufig sinnvolle Reaktion des Körpers. „Fieber ist in den meisten Fällen eine sinnvolle Reaktion des Körpers – wir sollten es nicht reflexhaft bekämpfen, sondern das Kind in den Blick nehmen“, sagt David Martin von der Universität Witten/Herdecke, der an der Ausarbeitung beteiligt war.
Klare Empfehlungen für die Praxis
Erstmals liegen damit von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) evidenzbasierte, verbindliche Handlungsempfehlungen zum Fiebermanagement bei Kindern vor. Sie raten dazu, fiebersenkende Medikamente gezielt und zurückhaltend einzusetzen – und nur dann, wenn das Kind tatsächlich leidet.
Auch beim Einsatz von Antibiotika setzt die Leitlinie neue Grenzen: Fieber allein ist demnach kein Grund für eine Antibiotikaverschreibung. Damit soll nicht nur unnötige Behandlung vermieden, sondern auch der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen entgegengewirkt werden.
Orientierung auch für Eltern
Die Empfehlungen richten sich nicht nur an medizinisches Personal, sondern sollen auch Eltern eine Orientierungshilfe mitgeben. Während des Fieberanstiegs frieren Kinder oft – etwa durch Schüttelfrost oder kalte Hände und Füße. In dieser Phase sei es sinnvoll, dem Wärmebedürfnis des Kindes nachzukommen, statt das Fieber sofort zu senken.
Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen sollen laut Leitlinie nur dann eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen – und nur über einen begrenzten Zeitraum. Das könnte auch dazu beitragen, unnötige Arztbesuche zu reduzieren.
An der Ausarbeitung der sogenannten S3-Leitlinie waren 13 Fachgesellschaften und ein Patientenverband beteiligt.
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