Herzrasen durch Energydrinks: Gefahr für Jugendliche und Kinder
Energydrinks, koffeinhaltige Tabletten oder Pulver können bei Kindern und Jugendlichen das Herz aus dem Takt bringen. Darauf weisen Kinderkardiologen der MedUni Graz hin, die die wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ausgewertet haben. In ihrer Übersichtsarbeit fanden sie 39 dokumentierte Fälle, teils mit schweren Verläufen.
„Der Koffeinkonsum bei Kindern und Jugendlichen hat in den vergangenen Jahren zugenommen, vor allem durch Energydrinks“, schreiben Stefan Kurath-Koller von der Pädiatrischen Kardiologie der MedUni Graz und seine Co-Autoren in der Fachzeitschrift Pediatric Cardiology. Zwar gelte Koffein in niedrigen Dosen im Allgemeinen als sicher. Aktuelle Erkenntnisse deuteten jedoch darauf hin, dass hoher Konsum bei jungen Menschen Herzrhythmusstörungen und Veränderungen im EKG hervorrufen kann.
39 Fälle dokumentiert
Für ihre Übersicht suchten die Grazer Kinder- und Jugendkardiologen in der Fachliteratur nach Fallberichten und Studien zu koffeinbedingten Herzrhythmusstörungen bei Heranwachsenden. Insgesamt wurden 39 Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren beschrieben, bei denen nach Koffeinkonsum Herzrhythmusstörungen oder EKG-Veränderungen auftraten. Als Koffeinquellen wurden Energydrinks, koffeinhaltige Tabletten und Pulver genannt.
Berichtet wurde von unterschiedlichen Störungen des Herzrhythmus, darunter verschiedene Formen von Tachykardien, also Herzrasen, QTc-Verlängerungen sowie Veränderungen der ST-Strecke im EKG. Bestimmte ST-Strecken-Veränderungen sind etwa typisch für Herzinfarkte.
Keine Panik, aber Vorsicht
Es geht nicht darum, jeden Koffeinkonsum zu problematisieren. Koffein zählt weltweit zu den am häufigsten konsumierten psychoaktiven Substanzen und wird über Kaffee, Tee, Erfrischungsgetränke und Energydrinks aufgenommen. In moderaten Mengen wird Koffein mit gesteigerter Aufmerksamkeit, verbesserter kognitiver Leistungsfähigkeit und geringerer Müdigkeit in Verbindung gebracht.
Problematisch kann es aber bei hohem Konsum werden. Die Wissenschafter verweisen auf mögliche Herz-Kreislauf-Komplikationen sowie neuropsychologische, Leber- und Nierenprobleme, die in der Fachliteratur beschrieben wurden. Auch andere Inhaltsstoffe koffeinhaltiger Getränke, etwa Taurin, Guarana oder Ginseng, könnten zu unerwünschten Wirkungen beitragen.
Hohe Dosen sind besonders riskant
Jugendliche sind hohe Koffeinmengen oft nicht gewohnt, das kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme erhöhen. Zudem werden koffeinhaltige Getränke mitunter gemeinsam mit Alkohol konsumiert. Dadurch kann die Wirkung von Koffein verstärkt werden; mögliche arrhythmiefördernde Nebenwirkungen können sich verschlimmern.
In den ausgewerteten Studien wurde auch ein Todesfall beschrieben: Ein Patient starb nach dem Konsum mehrerer Dosen Energydrinks an Kammerflimmern, das medizinisch nicht beherrschbar war. Wie häufig solche Komplikationen tatsächlich auftreten, lässt sich aus der vorhandenen Literatur aber nicht ableiten.
Das Alter der beschriebenen Patientinnen und Patienten lag zwischen 13 und 18 Jahren. 69 Prozent waren männlich. Vergiftungssymptome können nach bisherigen Erkenntnissen etwa bei einem Konsum von ein bis zwei Gramm Koffein auftreten. Koffeinmengen von mehr als 100 bis 200 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gelten als potenziell tödlich. Da Herzrhythmusstörungen in einzelnen Fällen aber auch bei moderateren Mengen auftraten, könnten empfindliche oder vorbelastete Jugendliche besonders gefährdet sein.
Warnung vor Energydrinks, Pulver und Tabletten
Die Schlussfolgerung der Grazer Experten: Hoher Koffeinkonsum, etwa durch Energydrinks, Pulver oder Tabletten, kann bei Kindern und Jugendlichen verschiedene Herzrhythmusstörungen auslösen. Schwere Ereignisse treten vor allem bei übermäßigem Konsum auf. Bei empfindlichen Personen, insbesondere bei bestehenden Herzerkrankungen, können aber auch moderate Mengen negative Auswirkungen haben.
Die Wissenschafter fordern deshalb mehr Bewusstseinsbildung und präventive Maßnahmen, um koffeinbedingte Herz-Kreislauf-Risiken bei Kindern und Jugendlichen zu reduzieren. In Polen wurde der Verkauf von Energydrinks an Minderjährige verboten. Bisher blieb diese Maßnahme offenbar wegen Umgehungskäufen weitgehend wirkungslos
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