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Ebola-Ausbruch: Was man über den Bundibugyo‑Stamm wissen sollte

Ebola zählt zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten und tritt in verschiedenen Erregern auf. Während es für den Zaire‑Ebolavirus bereits Therapien und Impfstoffe gibt, fehlen diese für den Bundibugyo‑Stamm bislang. Ein Überblick zu Übertragung, Symptome und Schutzmaßnahmen.
Zwei längliche, violette Strukturen mit gebogenen Enden auf rosafarbenem Hintergrund.

Am 15. Mai 2026 bestätigte die Demokratische Republik Kongo einen Ausbruch der Ebola‑Viruskrankheit in der Provinz Ituri. Laboranalysen des Nationalen Instituts für Biomedizinische Forschung (INRB) identifizierten das Bundibugyo‑Ebolavirus als Ursache. Bei 13 von 20 untersuchten Proben wurde das Virus nachgewiesen. Mittlerweile spricht man von 336 Verdachtsfällen und 88 mutmaßlichen Todesfällen. Uganda bestätigte zudem einen importierten Fall des Bundibugyo-Erregers. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat  in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen, Pandemie-Alarm sei es keiner, versichert die Organisation. Indes soll ein infizierter US-Arzt zur Behandlung nach Deutschland transportiert worden sein. 

17. Ebola Ausbruch

Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo seit 1976. Nur zweimal zuvor hat es laut Africa CDC (Africa Centres for Disease Control and Prevention) Ausbrüche der Bundibugyo-Art gegeben: im Jahr 2007 sowie 2012. Eine spezifische Therapie, wie etwa beim Zaire-Ebolastamm existiert nicht. 

Besorgniserregend sei, dass der aktuelle Ausbruch offenbar über einen längeren Zeitraum unentdeckt blieb, berichtet das Wissenschaftsportal Science Media Center (SMC). Der früheste vermutete Krankheitsfall betrifft nach Angaben der WHO einen Mann, der bereits am 24. April Symptome entwickelte und kurz darauf verstarb. Die WHO wurde jedoch erst am 5. Mai alarmiert. Zusätzlich erschwert wurde die Lage dadurch, dass erste Laboruntersuchungen negativ ausfielen: Die eingesetzten Tests waren ausschließlich auf den Zaire‑Ebolavirusstamm ausgelegt und erfassten nicht das tatsächlich zirkulierende Bundibugyo‑Ebolavirus, das erst am 14. Mai eindeutig bestätigt wurde.

Der KURIER hat die wichtigsten Fakten zu Ebola und zum aktuellen Ausbruch zusammengefasst. 

Was ist Ebola? 

Ebola ist eine seltene und lebens­bedrohliche Infektions­krankheit. Sie gehört zu den viralen hämorrha­gischen Fieber­erkran­kungen (VHF) und wird durch das Ebola­virus (EV) verursacht. Je nach Virus-Typ verläuft die Erkrankung in 30-90 Prozent der Fälle tödlich.

Die Gattung Ebolavirus gehört zur Familie der Filoviren und wird in fünf Spezies unterteilt: 

  • Zaire-Ebolavirus (EBOV)
  • Sudan-Ebolavirus (SUDV)
  • Taï Forest
  • Bundibugyo
  • Reston, das als einzige Spezies für Menschen in der Regel nicht gefährlich ist.

Seit wann gibt es Ebola?

Epidemiologisch handelt es sich um den 17. registrierten Ebola‑Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo seit der erstmaligen Identifizierung des Virus im Jahr 1976. Der bislang größte Ausbruch 2014/2015 in Westafrika mit mehr als 11.000 Todesopfern wurde durch das Zaire-Ebolavirus verursacht. 2022/2023 und 2025 kam es in Uganda zu Ebola-Ausbrüchen durch SUDV.

Wann wurde Bundibugyo entdeckt und wie unterscheidet er sich von anderen Ebola-Stämmen?

Das Bundibugyo-Ebolavirus ist das erste Mal 2007/2008 in Uganda in der Provinz Bundibugyo ausgebrochen und ist somit auch der Namensgeber dieses Virenstammes. Insgesamt gab es dazumal 149 bestätigte Fälle und 37 Todesfälle. Der nächste Ausbruch erfolgte 2012 in der Demokratischen Republik Kongo in Isiro, es gab 77 bestätigte Fälle und 36 Todesfälle. Beim aktuellen Ausbruch spricht die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC von 336 Verdachtsfällen und 88 mutmaßlichen Todesfällen – mindestens einer davon im nahen Uganda.

Das Bundibugyo-Virus gehört zu der Familie der Filoviren und hat viele Gemeinsamkeiten mit den anderen Ebolaviren, die auch die vorherigen Ausbrüche in Afrika verursacht haben. Genetisch ist das Bundibugyo‑Ebolavirus (BDBV) klar von anderen Ebola‑Viren unterscheidbar. Vergleiche der Erbinformation zeigen, dass es sich nicht nur um eine Variante, sondern um eine eigene „Familienlinie“ innerhalb der Ebola‑Viren handelt.

Wie erfolgt die Übertragung?

Das Ebola-Virus wird nach Angaben des Gesundheitsministeriums durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten infizierter lebender oder verstorbener Menschen übertragen. Ein hohes Ansteckungsrisiko besteht auch beim Umgang mit infizierten Wildtieren, insbesondere mit Flughunden und Menschenaffen. Nach Einschätzung des deutschen Robert Koch-Instituts (RKI) gelten Flughunde beziehungsweise Fledermäuse als wahrscheinliches Reservoir des Ebolavirus – also als natürliche Wirte, in denen der Erreger dauerhaft vorkommen kann, ohne dass die Tiere selbst schwer erkranken. Abschließend geklärt ist diese Frage jedoch nicht. Eine Übertragung ist zudem beim Zubereiten oder Verzehr von rohem Buschfleisch (Fleisch von wild lebenden Tiere aus tropischen Regionen, Anm.) möglich. In Österreich vorkommende Wild- und Haustiere gelten hingegen nicht als Träger des Virus.

Wie lange ist die Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit bei einer Ebola-Infektion liegt zwischen 2 und 21 Tagen, meist treten die ersten Symptome nach 8 bis 10 Tagen auf. Ansteckend sind Erkrankte ab Beginn der Symptome und solange Fieber besteht. 

Welche Symptome treten auf und wie verläuft die Erkrankung?

Ebola beginnt zunächst oft ähnlich wie eine Grippe oder auch eine Durchfallerkrankung, sagt Fabian Leendertz vom Helmholtz Institut in Deutschland. Dann werde die Erkrankung allerdings schwerwiegender, unter anderem mit Blut im Stuhl. Letzteres trete bei Bundibugyo allerdings nicht immer auf, was es schwieriger mache, die Krankheit zu erkennen.

Letztlich sterben die meisten Menschen Leendertz zufolge an einem Multiorganversagen. Eine unbehandelte Ebolafieber-Erkrankung verläuft laut RKI in 30  bis 90 Prozent  der Fälle tödlich, bei Sudan-Ebolavirus-Ausbrüchen in ca. 50 Prozent. Je früher und qualitativ besser die Betroffenen medizinisch versorgt werden, desto höher sind die Überlebenschancen.

Wie wird Bundibugyo behandelt?

Für Infektionen mit dem Bundibugyo‑Ebolavirus gibt es bislang keine zugelassene spezifische Therapie. Entsprechende Behandlungen und Impfstoffe stehen derzeit nur für das Zaire‑Ebolavirus zur Verfügung, heißt es seitens des österreichischen Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG). Die Behandlung der durch das Zaire-Ebolavirus ausgelösten Erkrankung basiert auf zwei Säulen: spezifischen monoklonalen Antikörpern und intensivmedizinischer Unterstützung. In Österreich sind zwei Impfstoffe zugelassen, EU-weit sogar drei. Für das Bundibugyo‑Virus gibt es keine Impfung. 

Sowohl Impfungen als auch Therapieansätze seien in Entwicklung, die Evidenz beschränkt sich jedoch überwiegend auf präklinische Daten", sagt  Torsten Feldt, Bereichsleiter Tropenmedizin, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, gegenüber dem Portal Science Media Center. "Die WHO prüft derzeit die einsetzbaren Optionen, um die Wirksamkeit in klinischen Studien zu untersuchen. Hier könnte auch das Medikament Remdesivir eine Rolle spielen, das als unspezifische Therapie bei vorherigen Ausbrüchen zum Einsatz kam.“

Die medizinische Versorgung beschränkt sich deshalb auf unterstützende Maßnahmen. Dazu zählen der Ausgleich von Flüssigkeits- und Salzverlusten durch Infusionen, die Behandlung innerer und äußerer Blutungen sowie die Linderung von Schmerzen und hohem Fieber. Um eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern, werden Erkrankte strikt isoliert, medizinisches Personal arbeitet unter hohen Schutzvorkehrungen.

Wie lange besteht Ansteckungsgefahr?

Wie lange Ebola-Erkrankte ansteckend sind, wird im Einzelfall beurteilt und hängt vom Abklingen der Symptome sowie von wiederholt negativen Testergebnissen ab. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) kann das Virus jedoch noch Monate nach der Genesung über Sperma beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, in seltenen Fällen sogar bis zu 18 Monate. Zudem können Ebolaviren nach überstandener Erkrankung in einzelnen Körperflüssigkeiten wie Muttermilch, Fruchtwasser, Augenflüssigkeit oder Hirnwasser noch wochen- oder vereinzelt jahrelang nachweisbar bleiben.

Sind Menschen nach einer Infektion geschützt?

Studien deuten darauf hin, dass eine überstandene Ebolafieber-Erkrankung eine vermutlich jahrelange Immunität verleiht. Diese schützt jedoch wahrscheinlich nur vor der jeweils verursachenden Ebolavirus‑Spezies, etwa dem Zaire‑Ebolavirus. Ein Schutz vor anderen Ebolavirus‑Arten ist nicht gesichert. Aufgrund der begrenzten Datenlage sind abschließende Aussagen nicht möglich, betont das Robert Koch-Institut (RKI). Überlebende müssen bei erneutem Kontakt mit Erkrankten weiterhin Schutzmaßnahmen einhalten, um eine Weiterverbreitung der Erreger zu vermeiden (RKI).

Wie wahrscheinlich ist eine Ausbreitung nach Europa?

Leendertz schätzt das Risiko für eine großflächige Ausbreitung des Ebola-Virus in Europa als gering ein. Zwar seien Einzelfälle durch Reiserückkehrer nicht völlig auszuschließen, doch weitere Ausbrüche in Ländern mit guten Gesundheitssystemen halte er für „extrem unwahrscheinlich“.

Krankheiten, die schwere Symptome hervorrufen und eine hohe Sterblichkeit aufweisen, seien laut Leendertz grundsätzlich weniger dafür geeignet, eine Pandemie auszulösen als Krankheiten wie Covid. Denn Krankheiten mit schwereren Verläufen seien leichter zurückzuverfolgen, während beispielsweise bei Covid häufiger die leichteren Verläufe unentdeckt blieben.

In einem funktionierenden Gesundheitssystem mit guten Überwachungsmöglichkeiten wie in Deutschland könne man Infektionsketten durch gezielte Rückverfolgung und Beobachtung von Kontaktpersonen schnell unterbrechen. Auch schon in einigen Nachbarländern der Demokratischen Republik Kongo seien die Gesundheitssysteme besser und ein Ausbruch damit unwahrscheinlicher.

Welche Rolle spielt die Auflösung von USAID?

Die US-Entwicklungshilfebehörde (USAID) spielte in der Vergangenheit bei der Eindämmung von Ebola-Ausbrüchen im Kongo eine zentrale Rolle. Mitarbeiter waren im Land stationiert, um Informationen über Krankheiten zu sammeln. Unter US-Präsident Donald Trump wurde die Agentur jedoch aufgelöst. Weiters wurde bei der nationalen Gesundheitsbehörde CDC stark gekürzt. CDC-Mitarbeiter (im Kongo und in den USA) waren am Transport und bei der Analyse von Proben beteiligt.

Experten warnen, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr über die notwendigen Kapazitäten verfügen, auf solche Krankheitsausbrüche entsprechend zu reagieren. "Der Großteil der internationalen Infrastruktur, auf die wir uns bei früheren Ausbrüchen verlassen haben … ist von DOGE (der von Elon Musk geleiteten Behörde, Anm.) zunichte gemacht worden“, schreibt etwa Jeremy Konyndyk, ehemaliger Leiter der Covid-19-Maßnahmen bei USAID auf der Plattform X. Und: "Der Abbau der von den USA finanzierten Gesundheitsprogramme in der DR Kongo durch DOGE ist wahrscheinlich ein wesentlicher Grund dafür, dass dieser Ausbruch erst so spät entdeckt wurde."

Das US-Außenministerium bestreitet das. "Es ist falsch zu behaupten, dass die Reform der USAID unsere Fähigkeit, auf Ebola zu reagieren, beeinträchtigt habe“, so ein Sprecher. Die Finanzierung und Unterstützung zur Bekämpfung von Ebola würden fortgesetzt.

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