Ein Patient an einer künstlichen Lunge in Paris.

© APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT

Wissen Gesundheit
04/16/2021

Covid-19: Hohe Überlebenschance an der künstlichen Lunge

Untersuchung zeigt: Rund drei Viertel der Patienten mit schwerem Lungenversagen können durch aufwendige Therapie gerettet werden.

Covid-19-Patienten, die trotz künstlicher Beatmung über einen Beatmungsschlauch nicht mehr ausreichend Sauerstoff aufnehmen können, werden vorübergehend über eine Beatmungsmaschine ("künstliche Lunge") versorgt. Jetzt zeigen Auswertungen des Universitätsklinikums AKH Wien, dass diese Patientinnen und Patienten eine hohe Überlebenschance haben.

Rund drei Viertel der so versorgten Covid-19-Erkrankten, die zwischen Jänner 2020 und April 2021 eine derartige Therapie erhalten haben, konnten am Leben erhalten werden. Konkret wurde im Zeitraum von Jänner 2020 bis April 2021 im AKH Wien bei 87 Covid-19-Patientinnen und Patienten eine ECMO-Behandlung durchgeführt, großteils an der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin und an der Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien. Die PatientInnen waren im Durchschnitt 57 Jahre alt und 16,5 Tage an die ECMO angeschlossen. Die 28-Tage-Mortalität betrug 25,4 %, insgesamt überlebten 61 PatientInnen.

Im Oktober 2020 wurden im Top-Journal „The Lancet“ Studienergebnisse über die Erfahrungen mit ECMO-Behandlungen eines weltweiten Patientenregisters veröffentlicht, wonach die Langzeit-Mortalität bei unter 40 Prozent liegt. Damit liegt das AKH Wien im internationalen Spitzenfeld. Dass die intensivmedizinischen Stationen von AKH Wien und MedUni Wien bereits vor der Covid-19-Pandemie auf die Behandlung von akutem Lungenversagen spezialisiert waren, wirkt sich nun positiv auf die Versorgung von schwer an Covid-19 erkrankten PatientInnen aus.

Maschine übernimmt Atemfunktionsleistungen

Konkret handelt es sich um eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO). Bei dieser anspruchsvollen intensivmedizinischen Technik übernimmt eine Maschine teilweise oder vollständig die Atemfunktionsleistungen für Patienten außerhalb ihres Körpers.  Die ECMO ist eine „künstliche Lunge“ und wurde zur Behandlung von PatientInnen mit einem akuten Lungenversagen entwickelt, bei denen die Chance besteht, dass die Lunge sich mit der Zeit wieder erholt. Die ECMO versorgt das Blut außerhalb des Körpers über einen Membran-Oxygenator mit Sauerstoff und befreit das Blut von Kohlendioxid.

Vorübergehend kann mit dieser Behandlung die Lungenfunktion, und bei entsprechendem Einsatz zusätzlich auch die Herzfunktion, ersetzt werden. Dadurch wird dem Körper Zeit gegeben, damit sich entweder die Organe erholen und ihre Funktion wiederaufnehmen können oder um die Zeit bis zu einer Lungentransplantation zu überbrücken.

Nur mit spezialisiertem Team möglich

Als invasives Verfahren erfordert die ECMO-Behandlung ein spezialisiertes und entsprechend geschultes Team aus Kardiotechnikerinnen und Technikern, Ärztinnen und Ärzten und aus der Intensivkrankenpflege. Die Patientinnen und Patienten werden mittels Katheter, der in die Hals- oder Leistenvene implantiert wird, angeschlossen. Der Umgang mit den Kanülen, das Gerinnungsmanagement und das Bestimmen des richtigen Zeitpunktes, wann mit der Therapie begonnen und wann diese beendet wird, sind Beispiele für das vielseitige Know-how, das das Behandlungsteam bei der ECMO-Therapie braucht.

Die Zahl der spezialisierten und entsprechend geschulten Fachkräfte, die eine ECMO durchführen können, ist begrenzt. An den intensivmedizinischen Stationen von AKH Wien und MedUni Wien werden aktuell 25 Behandlungen parallel durchgeführt, womit die Kapazitäten weitestgehend ausgeschöpft sind.

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