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01/25/2021

Corona: US-Konzern Merck stoppt Entwicklung von Covid-Impfstoffen

Weil erste Tests eine geringe Wirksamkeit zeigten, wurde die Entwicklung gestoppt. Stattdessen forscht Merck an einem Medikament gegen Corona.

Der US-Pharmakonzern Merck & Co ist bei der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs gescheitert. Das Unternehmen wird sein Entwicklungsprogramm mit zwei Impfstoffkandidaten nach eigenen Angaben vom Montag beenden. In fr√ľhen klinischen Studien der Phase-1 h√§tten die beiden Vakzine eine unzureichende Immunreaktion erzeugt. Diese sei niedriger als die bei ehemaligen Covid-19-Patienten und auch schw√§cher als die Ergebnisse anderer Covid-19-Impfstoffe in klinischen Studien.

Merck will sich bei Covid-19 nun nur noch auf Medikamente zur Behandlung der Lungenkrankheit konzentrieren. Die Merck-Aktie drehte nach Bekanntgabe der Nachricht vorbörslich ins Minus. Auch die US-Aktienfutures gerieten leicht unter Druck.

Spät eingestiegen

Der US-Pharmakonzern war erst vergleichsweise sp√§t ins Rennen um einen Corona-Impfstoff eingestiegen. Daf√ľr hatte Merck & Co im Mai 2020 die √úbernahme des √∂sterreichischen Impfstoffherstellers Themis Bioscience angek√ľndigt. Der Impfstoff von Themis, der in Zusammenarbeit mit dem Institut Pasteur in Paris entwickelt wurde, basiert auf einem modifizierten Masernvirus, das Teile des Coronavirus in den K√∂rper abgibt. Das Projekt wurde durch die internationale Impfinitiative CEPI finanziell unterst√ľtzt.

Merck & Co wollte zudem in einer Zusammenarbeit mit der Internationalen Aids-Impfstoffinitiative IAVI einen weiteren Impfstoff entwickeln, der auf der gleichen Technologie wie der Ebola-Impfstoff Ervebo des US-Konzerns basiert. Wegen des Fehlschlags in der Impfstoffentwicklung werde im vierten Quartal eine Sonderbelastung vor Steuern anfallen, k√ľndigte Merck & Co an, ohne eine genaue Summe zu nennen.

Zwei neue Medikamente

Die Entwicklung von zwei Medikamenten zur Behandlung von Covid-19 will das Unternehmen dagegen weiter vorantreiben. Ergebnisse aus den klinischen Studien mit den beiden Mitteln sollen noch im ersten Quartal ver√∂ffentlicht werden. F√ľr eines der beiden Mittel hatte Merck & Co im Dezember eine Liefervereinbarung im Wert von bis zu 356 Millionen Dollar (292,81 Mio. Euro) mit der US-Regierung getroffen.

Weltweit befinden sich nach Sch√§tzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO derzeit 64 Impfstoffprojekte in der klinischen Entwicklung, davon 16 in der entscheidenden dritten Phase. W√§hrend Firmen wie die Partner Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca schon Zulassungen erhielten, mussten andere auch schon R√ľckschl√§ge verkraften. So muss der franz√∂sische Pharmakonzern Sanofi wegen unbefriedigender erster Studienergebnisse eine weitere Studie starten, weshalb es bis zu einer m√∂glichen Zulassung des Vakzins deutlich l√§nger dauern wird als gedacht.

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