Südkoreanische Forscher entwickeln Alternative zu Brustimplantaten ohne OP

Unter einer weiblichen Brust sind Linien angezeichnet.
Statt Kunststoffimplantaten wird eine Paste aus menschlichen Hautzellen injiziert.

Ein Team von südkoreanischen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern hat eine innovative Alternative zu herkömmlichen Kunststoff-Brustimplantaten entwickelt. 

Eine injizierbare Paste aus menschlichen Hautzellen könnte künftig die Rekonstruktion der Brust nach Krebsoperationen revolutionieren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift ACS Applied Bio Materials veröffentlicht.

In der Brustrekonstruktion werden bislang Implantate aus Kunststoff verwendet, deren Einsatz einen zweiten chirurgischen Eingriff erfordert. Dieser hinterlässt Narben, die durch Kontrakturen das ästhetische Ergebnis beeinträchtigen können. 

Für die neue Methode, entwickelt von einem Team um Chan-Yeong Heo von der Universität Seoul, wird Material aus menschlichen oder tierischen Hautzellen gewonnen, die anschließend chemisch entfernt werden. Diese Methode bezeichnet man als azelluläre dermale Matrix (ADM). Sie wird bereits seit Jahren in der plastischen Chirurgie zur Geweberegeneration genutzt, jedoch bisher in Form von Matten.

Paste wird direkt injiziert

Die Innovation der südkoreanischen Forschenden liegt in der Anwendung der ADM als Paste, die direkt injiziert werden kann. Dadurch würde ein zweiter Eingriff - nach einer Brustkrebs-OP - mit den damit verbundenen Risiken und Narben überflüssig. Die neue Paste "SC Fill" wurde an Ratten getestet und erwies sich als biokompatibel. Über einen Zeitraum von sechs Monaten wurden keine gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen beobachtet.

Nach der Injektion bildeten sich dünnere Gewebeschichten um das Material als bei herkömmlichen Implantaten. Entzündungsreaktionen waren minimal und aufgrund der fehlenden zellulären Antigene traten keine Abstoßungsreaktionen auf.

Anders als bei künstlichen Implantaten, die von einer Narbenkapsel umgeben werden, wanderten körpereigene Zellen in die Paste und füllten sie mit Bindegewebe, das durch Blutgefäße versorgt wird. Dies könnte Probleme wie die bei Kunstimplantaten häufigen Kapselkontrakturen - die Kapsel verhärtet und schrumpft übermäßig, das Implantat wird zusammengedrückt - verhindern.

Chan-Yeong Heo betont, dass die Paste ein vielseitiger Füllstoff sein könnte, der zur Rekonstruktion der Brustdrüse eingesetzt wird. Bevor die Paste in der klinischen Praxis verwendet werden kann, sind jedoch noch umfassende Sicherheitsstudien erforderlich.

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