Hoher Blutdruck: 15 Dinge, die viele unterschätzen
Zusammenfassung
- Bluthochdruck ist ein häufiger, oft unbemerkter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sollte regelmäßig kontrolliert werden.
- Korrektes und regelmäßiges Blutdruckmessen sowie ein gesunder Lebensstil (Bewegung, salzarme Ernährung, wenig Alkohol, Rauchstopp) sind entscheidend zur Vorbeugung und Behandlung.
- Einzelmessungen sind wenig aussagekräftig; Durchschnittswerte und ärztliche Kontrolle bei wiederholt erhöhten Werten sind wichtig.
Bluthochdruck (Hypertonie) gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Vorhofflimmern und Nierenschäden. Das Tückische daran: Viele Betroffene spüren lange nichts. Man kann sich leistungsfähig fühlen – obwohl Gefäße, Herz, Gehirn oder Nieren bereits belastet werden.
Der Welt-Hypertonietag am 17. Mai macht diesmal auf die Bedeutung von regelmäßigem und korrektem Blutdruckmessen aufmerksam, sein Motto: „Lass dich checken: Warum regelmäßiges Blutdruckmessen so wichtig ist!“.
Die Weltgesundheitsorganisation betont in ihrem aktuellen Hypertonie-Bericht, dass bessere Früherkennung, Behandlung und Kontrolle von Bluthochdruck zentrale Maßnahmen gegen vermeidbare Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind.
1. Bluthochdruck ist häufig – und oft unentdeckt
Nach aktuellen Angaben der Statistik Austria leidet in Österreich jeder Vierte an zu hohem Blutdruck, im höheren Lebensalter sogar jeder Zweite; viele wissen nichts davon. Ähnliche Muster zeigen sich international: Hoher Blutdruck bleibt oft lange unerkannt oder wird nicht ausreichend behandelt. Darin liegt das Risiko: Wer seine Werte nicht kennt, kann auch nicht gegensteuern.
2. Beschwerden sind kein zuverlässiges Warnsystem
Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen oder Druckgefühl können vorkommen – müssen aber nicht. Viele Menschen haben dauerhaft erhöhte Werte, ohne etwas zu merken. Das heißt: Auf Symptome zu warten, ist keine gute Strategie.
3. Spätestens ab 140/90 mmHg muss gehandelt werden
Die europäischen Leitlinien von 2024 unterscheiden strenger als früher: Werte unter 120/70 mmHg gelten als optimal, Werte von 120–139/70–89 mmHg bereits als „erhöht“, Bluthochdruck beginnt in der Praxis ab 140/90 mmHg.
4. Auch „nur leicht erhöht“ ist nicht egal
Werte zwischen 120 und 139 systolisch beziehungsweise 70 und 89 diastolisch sind noch kein klassischer Bluthochdruck. Sie zeigen aber: Der Körper bewegt sich in eine Richtung, die beobachtet werden sollte – besonders bei weiteren Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes, erhöhtem LDL-Cholesterin, Rauchen oder familiärer Belastung.
Der heurige Welt-Hypertonitag widmet sich dem Thema "Blutdruckmessen"
Geprüftes Gerät verwenden
Am besten ein validiertes Blutdruckmessgerät nutzen. Empfohlen wird meist die Messung am Oberarm, weil dabei weniger Fehler passieren als am Handgelenk.
Manschette richtig anlegen
Die Manschette muss zur Armgröße passen, fest sitzen und direkt auf der Haut liegen – nicht über der Kleidung. Der untere Rand liegt etwa zwei bis drei Zentimeter oberhalb der Ellenbeuge. Gemessen wird möglichst immer am selben Arm, idealerweise an jenem mit den höheren Werten.
Fünf Minuten Ruhe einhalten
Vor der Messung ruhig sitzen, Rücken anlehnen, Beine nicht überschlagen. Nicht sprechen, nicht herumgehen, nicht nebenbei telefonieren oder fernsehen.
Arm abstützen
Der Messarm soll entspannt auf einer Unterlage liegen, die Manschette auf Herzhöhe. Während der Messung nicht bewegen.
Zweimal messen
Nicht auf einen Einzelwert verlassen. Besser zwei Messungen mit kurzem Abstand durchführen und den Durchschnitt notieren. Blutdruck schwankt natürlicherweise.
Werte dokumentieren
Datum, Uhrzeit, Blutdruck und Puls in einen Blutdruckpass oder eine App eintragen. Zu Beginn einer Messphase oder bei neuer Therapie misst man am besten morgens und abends.
Bei Medikamenten morgens vor der Einnahme messen
Wer Blutdrucksenker nimmt, sollte die Morgenmessung vor der Tabletteneinnahme durchführen. Sind die Morgenwerte regelmäßig erhöht, sollte das ärztlich besprochen werden.
Nicht wegen eines Ausreißers in Panik geraten
Angst kann den Blutdruck weiter erhöhen. Bei einem auffällig hohen Wert: ruhig bleiben, hinsetzen oder hinlegen und nach 15 bis 30 Minuten erneut messen.
Ärztlich abklären lassen
Wenn die selbst gemessenen Durchschnittswerte wiederholt über 135/85 mmHg liegen, sollte man die Werte mit Ärztin oder Arzt besprechen. Das gilt auch, wenn die Werte dauerhaft sehr niedrig sind oder Beschwerden auftreten.
Bei Älteren auch im Stehen messen
Bei älteren Menschen oder bei Schwindel nach dem Aufstehen kann gelegentlich eine Messung im Stehen sinnvoll sein, um Kreislaufprobleme zu erkennen.
Einteilung der Blutdruckwerte, laut europäischen Gesellschaft für Kardiologie
- optimal: 110 mmHg
- isolierter systolischer Blutdruck: >140/
5. Einzelwerte sagen weniger als Durchschnittswerte
Blutdruck schwankt. Stress, Bewegung, Ärger, Kaffee, Schmerzen, Aufregung oder eine Arztpraxis können die Werte verändern. Aussagekräftiger ist deshalb nicht eine einzelne Messung, sondern ein Muster: morgens und abends messen, jeweils zweimal, über mehrere Tage – und Durchschnittswerte notieren.
6. Zu Hause gelten etwas andere Orientierungswerte
Bei der Selbstmessung zu Hause gilt: Liegt der Durchschnitt wiederholt über 135/85 mmHg, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob ein Bluthochdruck vorliegt oder eine bestehende Therapie nicht ausreichend wirkt. Wichtig ist: Nicht wegen eines einzelnen Ausreißers in Panik geraten, sondern korrekt nachmessen.
7. Auf mediterrane Kost setzen
Günstig für den Blutdruck ist eine überwiegend pflanzliche, frisch zubereitete Ernährung: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, hochwertige Pflanzenöle und regelmäßig Fisch. Sie hilft nicht nur beim Blutdruck, sondern auch bei anderen Risikofaktoren wie Gewicht, Blutzucker und Cholesterin. Entscheidend ist das Ernährungsmuster – nicht ein einzelnes „Wundermittel“.
8. Bewegung wirkt wie ein Blutdruckmedikament – nur anders
Regelmäßige Ausdauerbewegung kann den Blutdruck messbar senken. Genannt werden je nach Ausgangswert etwa 5 bis 9 mmHg systolisch. Besonders geeignet sind zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen, Wandern oder moderates Joggen. Entscheidend ist nicht sportliche Heldentat, sondern Wiederholung: mindestens dreimal, besser fünfmal pro Woche rund 30 Minuten.
9. Es ist nicht zu spät, damit anzufangen
Früher galt hoher Blutdruck im Alter oft als „normal“. Das ist überholt. Auch ältere Menschen profitieren von Bewegung und Blutdrucksenkung. Häufig ist im Alter vor allem der obere Wert erhöht – die sogenannte isolierte systolische Hypertonie. Auch hier kann regelmäßige Bewegung helfen, vorausgesetzt, sie passt zur Belastbarkeit.
10. Salz ist bei vielen ein unterschätzter Faktor
Nicht alle Menschen reagieren gleich stark auf Salz. Aber etwa die Hälfte der Bluthochdruckpatientinnen und -patienten gilt als salzsensitiv. Wer täglich rund fünf Gramm Salz einspart – ungefähr ein gestrichener Teelöffel –, kann seine Werte deutlich senken. Besonders salzreich sind nicht nur Chips und Fertiggerichte, sondern auch Brot, Wurst, Käse, Pökelwaren, Fischmarinaden und viele Convenience-Produkte.
11. Kaliumreiche Lebensmittel können günstig sein – aber nicht für alle
Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse liefern Kalium. Eine natriumärmere, kaliumreichere Ernährung kann für den Blutdruck vorteilhaft sein. Aber: Menschen mit Nierenerkrankungen oder bestimmten Medikamenten sollten Kalium nicht eigenmächtig erhöhen, sondern ärztlich abklären. Kalium ist nützlich – aber nicht harmlos in jeder Situation.
12. Alkohol treibt den Blutdruck mit nach oben
Weniger Alkohol kann den Blutdruck senken. Als grobe Orientierung gelten maximal zehn Gramm Alkohol pro Tag für Frauen und maximal 20 Gramm für Männer – wobei aus Herz-Kreislauf-Sicht zunehmend klar ist: weniger ist besser. Wer bisher regelmäßig viel getrunken hat, kann durch Reduktion messbare Effekte erzielen.
13. Rauchen bleibt einer der größten Gefäßfeinde
Ein Rauchstopp entlastet Herz und Gefäße rasch. Bereits nach kurzer Zeit sinkt das Herz-Kreislauf-Risiko, langfristig nähert es sich deutlich dem Risiko von Nichtraucherinnen und Nichtrauchern an. E-Zigaretten sind keine gesundheitlich sinnvolle „Herzschutz“-Alternative.
14. Rote Rübe, Ingwer und dunkle Schokolade sind Ergänzung – keine Therapie
Rote-Rübensaft kann kurzfristig geringfügig blutdrucksenkend wirken, vermutlich durch Nitrat. Auch sehr dunkle Schokolade und Ingwer werden mit kleinen Effekten in Verbindung gebracht. Entscheidend ist aber die Einordnung: Solche Lebensmittel ersetzen weder Blutdruckmedikamente noch ärztliche Kontrolle. Sie können Teil einer insgesamt herzfreundlichen Ernährung sein – mehr nicht.
15. Es gibt Situationen, in denen hoher Blutdruck ein Notfall ist
Sehr hohe Werte allein bedeuten nicht automatisch Lebensgefahr. Entscheidend sind Begleitsymptome. Bei Brustschmerzen, Atemnot, neuen Seh- oder Sprechstörungen, Lähmungen, starker Benommenheit, Krampfanfällen, heftigem Schwindel, Erbrechen oder neurologischen Ausfällen sollte sofort der Notruf gewählt werden. Dann kann ein hypertensiver Notfall vorliegen. Ohne solche Warnzeichen gilt: ruhig bleiben, hinsetzen oder hinlegen, nach 15 bis 30 Minuten erneut messen – und bei anhaltend sehr hohen Werten ärztliche Hilfe suchen.
Die sechs wichtigsten Hebel bleiben:
- regelmäßig bewegen
- Übergewicht reduzieren
- salzärmer essen
- Alkohol begrenzen
- Stress abbauen
- nicht rauchen.
Bei manchen Menschen reicht das aus, besonders bei leicht erhöhten Werten. Bei anderen braucht es zusätzlich Medikamente. Das ist kein Scheitern, sondern Risikoreduktion. Wichtig ist nur: Blutdrucksenker sollten nicht eigenmächtig abgesetzt oder nach Gefühl dosiert werden.
Schwankende Werte entstehen oft gerade dadurch, dass Medikamente unregelmäßig eingenommen werden. Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac, Kortisonpräparate, manche Antidepressiva, hormonelle Faktoren, Schlafapnoe, Nierenerkrankungen oder Lakritze können Blutdruckwerte beeinflussen.
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