Beziehungsstress: Dieser Faktor beschleunigt das Altern
Zusammenfassung
- Belastende Beziehungen sind mit schnellerem biologischen Altern verbunden, besonders innerhalb der Familie.
- Chronischer Stress durch schwierige Menschen kann das Immunsystem schwächen und Krankheiten begünstigen.
- Gute Beziehungen schützen die Gesundheit, während dauerhaft belastende Beziehungen messbare negative Folgen haben können.
Belastende Beziehungen erzeugen Stress – das ist bekannt. Neu ist, dass sich solche Belastungen womöglich auch messbar im Körper zeigen. Forschende haben dafür Daten aus einer Studie im Fachjournal *Proceedings of the National Academy of Sciences* ausgewertet, dabei zeigt sich: Jede schwierige Person zählt.
Die Forschenden fragten, welche Personen im sozialen Umfeld als besonders belastend erlebt werden – zum Beispiel, weil sie Streit anzetteln, Druck machen oder ständig Probleme verursachen.
Ergebnis: Rund 30 Prozent der Befragten berichteten mindestens eine solche Person in ihrem Umfeld.
Außerdem analysierte das Team sogenannte biologische Marker – also Messwerte, die Hinweise darauf geben, wie weit Alterungsprozesse im Körper bereits fortgeschritten sind. Dabei zeigte sich ein statistischer Zusammenhang:
- Jede zusätzliche belastende Beziehung war mit etwa 1,5 Prozent schnellerem Altern verbunden.
- Das entspricht etwa neun Monaten zusätzlichem biologischen Alter.
Besonders deutlich war der Zusammenhang bei schwierigen Beziehungen innerhalb der Familie.
Wichtig ist jedoch: Die Studie beweist keine Ursache. Sie zeigt nur, dass belastende Beziehungen und schnelleres biologisches Altern gemeinsam auftreten.
Dauerstress als möglicher Auslöser
Eine mögliche Erklärung liefert die Stressforschung. Denn anhaltende Konflikte können den Körper in einen Zustand dauerhafter Alarmbereitschaft versetzen. Dadurch entsteht chronischer Stress.
Typische Folgen sind zum Beispiel:
- erhöhte Stresshormone
- Entzündungen im Körper
- Veränderungen im Immunsystem
Solche Prozesse gelten als Faktoren, die langfristig Krankheiten begünstigen – und deshalb auch Alterungsprozesse beschleunigen können.
Beziehungen wirken bis ins Immunsystem
Dass Beziehungen die körperliche Gesundheit beeinflussen, zeigen auch frühere Studien.
So fanden Forschende der Ohio State University: Konflikte in der Ehe können das Immunsystem schwächen. Nach einem Streit heilten Wunden bei Paaren in Untersuchungen langsamer als bei Paaren, die konstruktiver miteinander umgingen. Gleichzeitig waren höhere Stresshormonwerte messbar.
Auch eine Langzeitstudie der Universitäten Michigan und Nevada begleitete 373 Paare über 16 Jahre. Paare, die häufig Konflikte berichteten, schätzten ihren Gesundheitszustand im Durchschnitt schlechter ein als harmonischere Paare. Dabei zeigte sich außerdem: Männer reagierten körperlich stärker auf dauerhafte Beziehungsprobleme als Frauen.
Gute Beziehungen gehören zu den stärksten Schutzfaktoren für die Gesundheit.
Gute Beziehungen schützen
Gleichzeitig belegen viele Studien: Gute Beziehungen gehören zu den stärksten Schutzfaktoren für die Gesundheit.
Menschen mit stabilen sozialen Bindungen haben im Durchschnitt:
- ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- ein stärkeres Immunsystem
- eine höhere Lebenserwartung
Entscheidend ist also nicht nur, ob man Beziehungen hat, sondern vor allem, wie diese Beziehungen aussehen.
Die neue Studie ergänzt dieses Bild um einen wichtigen Punkt: Nicht nur Einsamkeit kann gesundheitliche Folgen haben, auch dauerhaft belastende Beziehungen könnten dem Körper zusetzen.
Es zeigt sich also: Für die Gesundheit ist nicht nur wichtig, mit wem man Zeit verbringt – sondern auch, wie gut einem diese Menschen tun.
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