Bauchspeicheldrüsenkrebs: Neues Medikament lässt hoffen
Der Wirkstoff Daraxonrasib könnte somit einen Gamechanger in der Behandlung des metastasierten Pankreaskarzinom darstellen. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht, berichtet die Wissenschaftsplattform Science Media Center.
Bisher schlechte Prognose
Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten Tumorerkrankungen des Magen‑Darm‑Trakts. In Österreich erhalten jedes Jahr rund 1.900 Personen die Diagnose. Das Risiko einer Erkrankung nimmt mit dem Alter zu. Da der Tumor lange Zeit keine oder nur unspezifische Symptome verursacht, wird er häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Entsprechend schlecht ist die Prognose: Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen leben fünf Jahre nach der Diagnose noch. In fortgeschrittenen, metastasierten Stadien ist die Therapie in der Regel palliativ – im Fokus stehen Lebensverlängerung und Lebensqualität.
Wirksam bei mehr Mutationsformen
Genau hier setzt die nun vorgestellte Studie an. Untersucht wurden 500 bereits vorbehandelte Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom. Sie erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder Daraxonrasib oder eine Chemotherapie. Rund 92 Prozent der Teilnehmenden wiesen die häufige RAS‑G12‑Mutation auf, die übrigen andere RAS‑Mutationen. Das sind genetische Veränderungen (Mutationen) in den sogenannten RAS‑Genen. Diese Gene spielen eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Zellwachstum, Zellteilung und Überleben. Mutationen führen dazu, dass das RAS‑Protein dauerhaft aktiv bleibt und unkontrolliertes Tumorwachstum fördert – ein Mechanismus, der bei etwa 90 Prozent der Pankreaskarzinome nachweisbar ist.
Daraxonrasib gehört zu einer neuen Klasse sogenannter RAS‑ON‑Inhibitoren. Anders als bisher verfügbare RAS‑Inhibitoren wirkt Daraxonrasib nicht nur bei einer einzelnen Mutationsform, sondern bei mehreren Varianten.
Gesamtlebenszeit verdoppelt
Die Ergebnisse der Studie sind deutlich: In der Gruppe mit RAS‑G12‑Mutation verdoppelte sich die mediane Gesamtüberlebenszeit unter Daraxonrasib auf 13,2 Monate, verglichen mit 6,6 Monaten unter Chemotherapie. Auch das progressionsfreie Überleben (keine Verschlechterung, Anm. ) verlängerte sich signifikant – von 3,5 auf 7,3 Monate. Ähnliche Effekte zeigten sich auch in der Gesamtauswertung aller Studienteilnehmenden.
Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen nahezu bei allen Behandelten auf. Allerdings waren schwere Nebenwirkungen unter Daraxonrasib seltener als unter Chemotherapie (61,8 versus 69,6 Prozent) und führten deutlich seltener zu einem Therapieabbruch (1,2 versus 11,2 Prozent).
Zulassung in USA
Die US‑amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat bereits einen Compassionate‑Use‑Zugang für Daraxonrasib ermöglicht, also eine Anwendung vor der regulären Zulassung in bestimmten Fällen. Der Hersteller plant nun Zulassungsanträge in den USA und weiteren Ländern. Da RAS‑Mutationen auch bei vielen anderen Tumorarten eine Schlüsselrolle spielen, dürfte der Wirkstoff künftig auch in weiteren klinischen Studien geprüft werden.
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