Brustkrebs: Diese Bakterien könnten Tumore begünstigen
Etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.
Jedes Jahr erhalten weltweit 2,1 Millionen Menschen die Diagnose Brustkrebs. Bestimmte Bakterien könnten bei der Entstehung bösartiger Tumore im Brustgewebe eine Rolle spielen, schreiben Forscherinnen und Forscher nun im Fachblatt Cancer Research.
Bakterien der Arten Bacteroides fragilis, Fusobacterium nucleatum und Escherichia coli könnten demnach DNA-Schäden fördern, Tumore wachsen lassen und Metastasen begünstigen. Vor allem ein Ungleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Bakterien in Darm und Brust könnte mit Brustkrebs in Zusammenhang stehen, heißt es.
"Mikroben können das Verhalten von Krebs direkt beeinflussen"
"Mikroben leben nicht nur in unserem Darm – und sie können das Verhalten von Krebs direkt beeinflussen", wird Dipali Sharma, Studienleiterin und Onkologin an der Johns Hopkins University in einer Aussendung zitiert. "Wir haben herausgefunden, dass eine Überfülle bestimmter pathogener Bakterien Entzündungen auslöst."
Konkret werde durch das mikrobielle Ungleichgewicht ein bestimmtes Enzym namens Spermine Oxidase, kurz SMOX, aktiviert, welches das Erbgut der Zellen schädigen, die Reparatur der Zellen dadurch überlasten und so das Wachstum von Tumoren begünstigen könne. Über die Blockade des besagten Enzyms konnte in Laborstudien die Bildung von Tumorzellen verringert werden.
Enzyme ermöglichen verschiedene biochemische Reaktionen in den Zellen. SMOX hat die Aufgabe, den körpereigenen Stoff Spermin abzubauen. Spermin gehört zu den sogenannten Polyaminen und ist wichtig für Wachstum und Funktion der Zellen. Wenn SMOX stark aktiviert wird, baut es Spermin vermehrt ab.
Enzym-Hemmung stoppte Tumorwachstum
Die Forschenden konzentrierten sich in ihrer Studie insbesondere auf den Darmkeim Bacteroides fragilis. Als Brustkrebszellen oder Brustgewebe von Mäusen dem Bakterium ausgesetzt wurden, stieg der SMOX-Spiegel sprunghaft an. In weiteren Experimenten zeigten Fusobacterium nucleatum und E. coli ähnliche Wirkungen.
Um zu testen, ob dieser bakterielle Einfluss gestoppt werden kann, blockierten die Forscherinnen und Forscher die SMOX-Aktivität in Brustkrebszellen. Infolgedessen gingen die DNA-Schäden zurück und das Tumorwachstum wurde selbst in Gegenwart pathogener Bakterien gestoppt.
Die Erkenntnisse würden nicht nur eine mögliche Basis für neue Behandlungsoptionen liefern. Anhand der individuellen SMOX-Aktivität und des Mikrobioms könnte man auch Frauen mit einem höheren Risiko für aggressiven Brustkrebs identifizieren. "Das Verständnis, wie Bakterien mit Krebszellen kommunizieren, eröffnet völlig neue Wege für Prävention und Behandlung", fasst Sharma zusammen.
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