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Asbest im Asphalt: Wie gefährlich ist das für die Gesundheit?

Asbest gilt seit Jahrzehnten als hochgefährlich. Nach neuen Funden in Wiener Straßen stellt sich erneut die Frage: Wann wird belasteter Asphalt zum Gesundheitsrisiko?
Gesundheitsgefahren durch Asbest

Zusammenfassung

  • Asbest ist medizinisch klar als krebserregend eingestuft, gefährlich wird es vor allem bei freigesetzten und eingeatmeten Fasern.
  • Asbest kann unter anderem Asbestose, Mesotheliom, Lungenkrebs sowie Kehlkopf- und Eierstockkrebs verursachen, wobei die Folgen oft erst nach Jahrzehnten auftreten.
  • Wie hoch das Risiko bei asbesthaltigem Asphalt ist, hängt von Faktoren wie Asbestform, Materialzustand, mechanischer Belastung und der tatsächlichen Faserbelastung der Luft ab.

Nach Greenpeace-Funden auf Straßen in Wien und Niederösterreich wird erneut über Asbest diskutiert. Die Umweltschutzorganisation berichtet von Laboranalysen aus der Rosenhügelstraße und der Stieglergasse, bei denen „nahezu reiner“ Amphibolasbest festgestellt worden sei. Auch Abschnitte in Wien-Liesing sowie an der Grenze zu Niederösterreich sollen betroffen sein; die Stadt Wien hat Untersuchungen angekündigt.

Aus medizinischer Sicht ist klar: Asbest ist ein gesicherter krebserregender Stoff. Entscheidend ist allerdings, ob Fasern freigesetzt und eingeatmet werden. Bei beschädigtem, brüchigem oder mechanisch belastetem Material ist das besonders riskant.

Warum Asbest so gefährlich ist

Asbest ist kein einzelner Stoff, sondern eine Gruppe natürlich vorkommender, faserförmiger Minerale. Die Fasern sind hitzebeständig, chemisch widerstandsfähig und extrem langlebig. Diese Eigenschaften machten Asbest früher als Baustoff attraktiv, aber für den Körper hochproblematisch. Eingeatmete Fasern können tief in die Lunge gelangen und dort über Jahre oder Jahrzehnte Entzündungen, Narbenbildung und Zellschäden auslösen. In Österreich ist die Verwendung und Herstellung von Asbest seit 1990 verboten, EU-weit seit 2005. 

Gesundheitsgefahren durch Asbest ­ 4 SLIDES

Gesundheitsgefahren durch Asbest

Welche Krankheiten Asbest auslösen kann – eine Übersicht 

Die Weltgesundheitsorganisation hält fest: Alle wichtigen Asbestformen sind krebserregend, gesichert sind folgende Zusammenhänge: 

Asbestose: Dabei kommt es zu einer Vernarbung des Lungengewebes. Die Folge können Atemnot, eingeschränkte Belastbarkeit und eine schlechtere Sauerstoffversorgung sein. Auch das Rippenfell kann sich verändern, etwa durch Pleuraplaques oder Verdickungen.

Mesotheliom: Das ist eine seltene, bösartige Krebserkrankung der dünnen Gewebeschichten, die unsere inneren Organe umhüllen. Am häufigsten ist das Brustfell betroffen, es gilt als besonders typische Spätfolge von Asbest. Die Krankheit kann Jahrzehnte nach dem Einatmen von Fasern auftreten und ist meist schwer behandelbar.

Lungenkrebs: Asbest erhöht das Risiko für Lungenkrebs. Besonders gefährlich ist die Kombination mit Rauchen. Eine Meta-Analyse in PLOS One zeigte: Asbestexponierte Nichtraucher hatten ein erhöhtes Risiko, Raucher ohne Asbestexposition ein deutlich höheres – bei Menschen mit beidem war das Risiko am stärksten erhöht.

Kehlkopf- und Eierstockkrebs: Auch dafür sieht die Internationale Krebsforschungsagentur IARC ausreichende Evidenz. Für weitere Krebsarten wie Magen-, Rachen- oder Darmkrebs wurden positive Zusammenhänge beobachtet, die Evidenz ist aber weniger stark als bei der Lunge, einem Mesotheliom, bei Kehlkopf und Eierstock. 

Die stärkste Grundlage liefern internationale Bewertungen von der WHO und der IARC. Asbest ist dort eindeutig als krebserregend für den Menschen eingestuft; das beruht nicht auf einzelnen Studien, sondern auf vielen Jahrzehnten epidemiologischer, arbeitsmedizinischer und toxikologischer Forschung.

Auch aktuelle Auswertungen zeigen die anhaltende Krankheitslast. Eine globale Analyse zu Mesotheliom kam für 2019 auf rund 26.800 Todesfälle weltweit; mehr als 90 Prozent dieser Todesfälle wurden beruflicher Asbestexposition zugeschrieben.

Die Arbeitsinspektion in Österreich betont, Asbest sei „kein Thema der Vergangenheit“: Alte Materialien können beim Abbruch, bei der Gebäudesanierung oder im Falle von mechanischer Bearbeitung weiterhin Fasern freisetzen. Die Latenzzeit für Krebserkrankungen beträgt oft mehrere Jahrzehnte.

Wie groß ist das Risiko durch Asbest im Asphalt?

Dass Asbest grundsätzlich gefährlich ist, ist wissenschaftlich gesichert, wie groß das Risiko an einer konkreten Straße ist, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab: Welche Asbestform liegt vor? Wie stark ist das Material gebunden? Wird es durch Verkehr, Abrieb, Bauarbeiten oder Witterung beschädigt? Wie viele Fasern gelangen tatsächlich in die Atemluft? Und wie lange sind Menschen dieser Luft ausgesetzt?

Besonders relevant ist der Hinweis auf Amphibolasbest, weil manche Amphibolformen länger in der Lunge verbleiben und für die Entwicklung eines Mesothelioms als besonders problematisch gelten. Aber auch Chrysotil und andere Asbestformen erhöhen das Krankheitsrisiko.

Nicht jeder kurze Aufenthalt an einer betroffenen Straße bedeutet automatisch eine Gesundheitsgefährdung, problematisch wird es vor allem dort, wo asbesthaltiges Material zerbröselt, bearbeitet, aufgewirbelt oder unsachgemäß entfernt wird. Deshalb sind Laboranalysen, Luftmessungen und fachgerechte Sanierungsentscheidungen wichtig.

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