Alzheimer: Veränderungen beginnen oft schon ab Ende 50
Erste Veränderungen beginnen oft schon ab Ende 50.
Subtile biologische Veränderungen, die mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung stehen, könnten bereits im späten fünften Lebensjahrzehnt beginnen – lange bevor es zu Gedächtnisverlust oder anderen klinischen Symptomen kommt. Das legt eine neue Studie der Mayo Clinic nahe, die im Fachjournal Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association veröffentlicht wurde.
Die Forscher analysierten Daten von 2.082 Teilnehmern der langjährigen Mayo Clinic Study of Aging. Untersucht wurden unter anderem Blutbiomarker, Gehirnbildgebung und kognitive Leistungsfähigkeit. Ziel war es, jene Lebensphasen zu identifizieren, in denen sich Alzheimer-typische Veränderungen beschleunigen und damit mögliche Zeitfenster für Früherkennung und Prävention aufzuzeigen.
Die Alzheimer-Krankheit, die häufigste Form der Demenz, betrifft allein in den USA rund 6,9 Millionen Menschen über 65 Jahre. Charakteristisch sind krankhafte Veränderungen von Proteinen wie Amyloid und Tau, die sich oft viele Jahre vor den ersten Symptomen entwickeln. Eine Heilung gibt es bislang nicht.
„Diese bevölkerungsbasierte Studie liefert einen umfassenden Überblick über altersbedingte Muster verschiedener Alzheimer-Biomarker, die im Blut und mittels Bildgebung gemessen wurden, sowie über die Kognition“, sagt Mingzhao Hu, Assistenzprofessor am Department für Quantitative Gesundheitswissenschaften der Mayo Clinic und Erstautor der Studie. „Durch die Schätzung des Alters, in dem Veränderungen der Gesundheitsmarker deutlicher sichtbar werden, zeigen die Ergebnisse, dass viele dieser Veränderungen tendenziell zwischen Ende 50 und Anfang 70 auftreten.“
Zwei entscheidende Zeitfenster
Die Analyse zeigt: Bereits bei Menschen Ende 50 beginnt sich ein messbarer Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit zu beschleunigen. Anfang 60 folgt eine deutlich raschere Ablagerung von Amyloid im Gehirn – ein zentrales Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung. Im späten 60. bis frühen 70. Lebensjahr nehmen schließlich Biomarker für Tau-Pathologie und Neurodegeneration deutlich zu. Besonders mehrere Blutmarker wie Plasma-GFAP, NfL und p‑Tau zeigen zwischen 68 und 72 Jahren steilere Veränderungen, begleitet von zunehmender Hirnatrophie in Gedächtnisregionen.
Damit kristallisieren sich zwei markante Zeitfenster heraus: das frühe 60. Lebensjahr für kognitive Veränderungen und Amyloid-Ablagerungen sowie das späte 60. bis frühe 70. Lebensjahr für Blutmarker und Neurodegeneration.
Bedeutung für Früherkennung
„Da sich die Alzheimerforschung zunehmend auf Prävention und Früherkennung konzentriert, werden Blutbiomarker eine zentrale Rolle dabei spielen, die am besten geeigneten Patienten für diese Therapien zu identifizieren“, sagt Jonathan Graff-Radford, Leiter der Abteilung für Verhaltensneurologie an der Mayo Clinic und Hauptautor der Studie. „Zu wissen, wann sich diese Biomarker verändern und wann sie mit kognitiven Beeinträchtigungen in Zusammenhang stehen, hilft uns, die Altersgruppen zu bestimmen, in denen Vorsorgeuntersuchungen die größte Wirkung erzielen könnten.“
Die Forscher betonen, dass die Ergebnisse allgemeine Trends in der Bevölkerung widerspiegeln und keine individuellen Vorhersagen erlauben. Sie könnten jedoch helfen, Screening-Strategien zu verbessern und den Fokus stärker auf Prävention zu legen.
„Bei Bevölkerungsscreenings ist der Zeitpunkt entscheidend“, so Graff-Radford. „Man sollte nicht zu früh damit beginnen, bevor sich die Biomarker verändern, und diese Arbeit bietet einen Ansatz, um dieses Problem anzugehen.“
Die Studie ist Teil der sogenannten Precure-Initiative der Mayo Clinic. Ziel ist es, Instrumente zu entwickeln, mit denen krankheitsbedingte Veränderungen möglichst früh erkannt und behandelt werden können – noch bevor Symptome auftreten oder Therapien weniger wirksam sind.
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