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Was eine zweite Sprache mit dem Gehirn macht

Wer mehrere Sprachen lernt, könnte sein Gehirn unterstützen. Eine neue Studie legt nahe: Je früher und besser eine weitere Sprache gelernt wurde, desto jünger wirken bestimmte Hirnnetzwerke.
Two students learning foreign language in adult education classroom

Zusammenfassung

  • Eine beim FENS Forum 2026 vorgestellte Studie deutet darauf hin, dass mehrsprachige Menschen im Vergleich zu ihrem tatsächlichen Alter ein jüngeres „Gehirnalter“ haben.
  • In der Untersuchung mit Personen aus dem Baskenland zeigte sich: Zwei Sprachen gingen im Schnitt mit rund sechs, drei mit sieben und vier mit etwa 13 Jahren jünger wirkenden Gehirnen einher.
  • Der Zusammenhang fiel stärker aus, wenn weitere Sprachen früh gelernt und gut beherrscht wurden, beweist aber keinen alleinigen Schutzeffekt von Mehrsprachigkeit.

Mehrsprachigkeit könnte dem Gehirn helfen, langsamer zu altern. Darauf deutet eine neue Studie hin, die beim FENS Forum 2026, dem Kongress der

Hand written Hello in different languages

Federation of European Neuroscience Societies, in Barcelona vorgestellt wurde. Demnach wirkten die Gehirne von Menschen, die mehr als eine Sprache sprechen, im Vergleich zu ihrem tatsächlichen Alter jünger.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Vernetzung im Gehirn, Nervenzellen kommunizieren nicht mehr ganz so effizient miteinander, sowohl die Gedächtnisleistung als auch die Denkgeschwindigkeit können nachlassen. 

Die Forschungsgruppe um Dr. Lucia Amoruso vom Basque Center on Cognition, Brain and Language in San Sebastián untersuchte nun, ob Mehrsprachigkeit mit solchen Alterungsprozessen zusammenhängen könnte.

Für die Analyse wurden Menschen aus dem Baskenland untersucht, die zwischen einer und vier Sprachen sprachen – darunter Spanisch, Baskisch, Französisch und Englisch.

Gehirn-Alterungsuhr

Zunächst entwickelten die Forschenden eine Art „Gehirn-Alterungsuhr“. Dafür nutzten sie Magnetoenzephalografie, ein Verfahren, das die Aktivität des Gehirns über winzige Magnetfelder misst. Mithilfe künstlicher Intelligenz wurde daraus abgeleitet, welche Hirnvernetzung für ein bestimmtes Alter typisch ist.

Anschließend verglich das Team bei einer weiteren Gruppe von 144 Personen das tatsächliche Alter mit dem berechneten „Gehirnalter“. 

Das Ergebnis: Menschen, die zwei Sprachen sprachen, hatten im Schnitt Gehirne, die rund sechs Jahre jünger wirkten als jene von einsprachigen Personen. Bei drei Sprachen lag der Unterschied bei etwa sieben Jahren, bei vier Sprachen sogar bei rund 13 Jahren.

Sprachkompetenz spielt auch eine Rolle

Entscheidend war dabei offenbar nicht nur, ob jemand zweisprachig war oder nicht. Auch die Sprachkompetenz spielte eine Rolle: Je besser eine weitere Sprache beherrscht wurde und je früher sie gelernt worden war, desto stärker zeigte sich der Zusammenhang mit einem jüngeren Gehirn.

„Menschen, die mehr Sprachen sprachen, hatten tendenziell Gehirne, die jünger aussahen, als es ihrem chronologischen Alter entsprach“, erklärte Studienleiterin Lucia Amoruso. Die mehrsprachige Erfahrung wirke offenbar abgestuft: Es gehe nicht nur um Zweisprachigkeit an sich, sondern auch um Tiefe und Dauer der Spracherfahrung.

Die Forschenden berücksichtigten Faktoren wie Alter, Geschlecht und Bildung. Dennoch beweist die Studie nicht, dass Mehrsprachigkeit allein das Gehirn jung hält, auch der Lebensstil, soziale Kontakte oder geistige Aktivitäten könnten eine Rolle spielen.

Die Erkenntnisse sind insofern aber interessant, als sie zu der Annahme passen, dass geistig fordernde Tätigkeiten das Gehirn im Alter unterstützen können. Wer eine Sprache lernt, trainiert seine Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, die Hörverarbeitung und die Fähigkeit, zwischen mehreren sprachlichen Systemen zu wechseln.

Künftig wollen die Forschenden untersuchen, ob sich ähnliche Effekte auch bei Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer zeigen. Außerdem interessiert sie, ob eng verwandte Sprachen das Gehirn besonders stark fordern, weil sie eine noch feinere Kontrolle zwischen ähnlichen Begriffen, Lauten und Grammatiksystemen verlangen.

Man muss jetzt nicht zwingend vier Sprachen sprechen, um sein Gehirn zu schützen, aber eine weitere Sprache zu lernen, könnte ein Baustein für gesundes Altern sein – neben so bekannten Faktoren wie Bewegung, Nichtrauchen, ausgewogener Ernährung und sozialer Teilhabe.

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