Abnehm-Medikamente: Risiko für Babys in der Schwangerschaft
Abnehm-Medikamente können das Frühgeburtsrisiko in der Schwangerschaft erhöhen.
Eine unbeabsichtigte Einnahme von Liraglutid oder Semaglutid in den Wochen unmittelbar vor oder zu Beginn einer Schwangerschaft war in einer Auswertung dänischer Daten mit verschiedenen Schwangerschaftskomplikationen assoziiert. Diese Zusammenhänge ließen sich jedoch – mit Ausnahme eines erhöhten Frühgeburtsrisikos bei Frauen mit Typ‑2‑Diabetes – auf andere Risikofaktoren zurückführen.
GLP‑1‑Agonisten, auch bekannt als "Abnehm-Spritzen", dürfen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Grundlage dafür sind Tierstudien, bei denen unter diesen Wirkstoffen eine leicht erhöhte Rate von Abweichungen der normalen Entwicklung Ungeborener beobachtet wurde. Frauen im gebärfähigen Alter sollten daher eine Empfängnisverhütung anwenden, wenn ihnen GLP‑1‑Agonisten verordnet werden.
In der Versorgungspraxis wird dies offenbar nicht immer umgesetzt. Ein Forschungsteam um Henriette Svarre Nielsen von der Universität Kopenhagen identifizierte in den dänischen Daten 529 Schwangerschaften, bei denen Frauen in den 8 Wochen vor und nach der letzten Menstruation Liraglutid oder Semaglutid verschrieben bekommen hatten.
Nahezu alle Betroffenen waren übergewichtig oder adipös; 45 Prozent der Frauen unter Liraglutid und 47 Prozent unter Semaglutid litten an einem Typ‑2‑Diabetes. Dies entspricht den zugelassenen Indikationen, da GLP‑1‑Agonisten zur Behandlung von Adipositas und Typ‑2‑Diabetes eingesetzt werden.
Frühgeburtsrisiko erhöht
Sowohl Adipositas als auch Diabetes erhöhen jedoch unabhängig voneinander das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, was die Abgrenzung möglicher Arzneimittelwirkungen erschwert. Um Verzerrungen zu reduzieren, wurde ein statistisches Verfahren angewendet, bei dem exponierte Frauen mit nicht exponierten Frauen mit vergleichbaren Eigenschaften verglichen wurden. Da dabei nur in den Registern verfügbare Merkmale einbezogen werden konnten, bleibt ein Restrisiko für Fehlzuordnungen.
Vor dem statistischen Abgleich waren nahezu alle untersuchten Schwangerschaftsrisiken bei den exponierten Frauen erhöht. So traten Präeklampsien, eine ernste Schwangerschaftskomplikation, die sich durch Bluthochdruck und weitere Beschwerden äußert und Mutter und Kind gefährden kann, etwa dreimal häufiger auf, Schwangerschaftsdiabetes doppelt so häufig, und die Neugeborenen hatten bei der Geburt häufiger ein hohes Geburtsgewicht. Nach der statistischen Anpassung zeigte sich nur noch ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten. Bei Liraglutid war das Frühgeburtsrisiko um etwa 38 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe, bei Semaglutid um etwa 51 Prozent.
Eine weiterführende Analyse deutete darauf hin, dass dieses Risiko auf Frauen beschränkt sein könnte, bei denen GLP‑1‑Agonisten zur Blutzuckersenkung eingesetzt wurden. Bei Frauen ohne vorbestehender Diabetes, die die Medikamente zur Gewichtskontrolle einnahmen, zeigte sich hingegen kein Zusammenhang mit Frühgeburten.
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