Abnehm-Medikamente: Wie rasch man nach dem Absetzen wieder zunimmt

Jeder zweite Studienteilnehmer setzte die Medikamente nach 12 Monaten ab.
Eine Frau sitzt am Boden neben einer Waage.

Wer Medikamente zur Gewichtsreduktion absetzt, nimmt in der Regel schnell wieder zu. Das zeigt eine Metaanalyse von 37 Studien. Demnach steigt nach Therapieende nicht nur das Körpergewicht wieder an, sondern auch die günstigen Effekte auf Blutzucker, Blutfette und Blutdruck gehen wieder verloren.
Im Mittel nahmen die Teilnehmenden nach Absetzen der medikamentösen Therapie – darunter die viel gepriesenen GLP-1-Rezeptoragonisten  – etwa 0,4 kg pro Monat zu. Hochgerechnet erreichten sie ihr Ausgangsgewicht nach rund 1,7 Jahren wieder. 

Stoffwechselmarker wie HbA1c, ein Langzeitwert für den Blutzucker, Nüchternglukose, Cholesterin, Triglyzeride sowie systolischer und diastolischer Blutdruck kehrten innerhalb von etwa 1,4 Jahren auf das Ausgangsniveau zurück. 

Wer Abnehm-Medikamente absetzte, nahm schneller wieder zu als Teilnehmende, die nur ein Ernährungs‑ und Bewegungsprogramm beendet hatten: Sie legten durchschnittlich 0,3 kg pro Monat wieder zu. Für die Analyse wertete das Team der University of Oxford Daten von insgesamt 9.341 Teilnehmenden aus. Die mittlere Behandlungsdauer betrug 39 Wochen, 32 Wochen nach Therapieende wurden die Teilnehmenden erneut untersucht. Die Studienautoren verweisen auf die hohe Relevanz der Ergebnisse angesichts der großen Nachfrage nach den neuen Wirkstoffen. 

Jeder Zweite setzt innerhalb von 12 Monaten ab

Repräsentative Daten aus Großbritannien zeigen zudem, dass einer von zehn Befragten bereits GLP-1-Rezeptoragonisten angewendet hat oder dies im kommenden Jahr plant. Gleichzeitig setzen bis zu 50 Prozent der Patienten die Medikamente innerhalb von zwölf Monaten wieder ab. Einschränkend betonen externe Experten, dass die Datenlage für neuere Wirkstoffe wie Semaglutid und Tirzepatid noch begrenzt sei und viele Langzeitaussagen auf Vermutungen beruhten, die über die tatsächlich vorliegenden Daten hinausgehen. „Langfristige Aussagen – etwa zur vollständigen Wiederzunahme bis auf das Ausgangsgewicht innerhalb von zwei Jahren – beruhen daher auf Schlussfolgerungen über die verfügbaren Daten hinaus“, heißt es.

Die Forschenden mahnen  zur Beobachtung: „Unsere Ergebnisse sprechen für Vorsicht bei der kurzfristigen Anwendung von Medikamenten zur Gewichtsregulation, unterstreichen den Bedarf an kosteneffektiven Strategien für eine langfristige Gewichtskontrolle und betonen die Bedeutung der Primärprävention.“ 

Nicht „perfekt“

GLP-1-Rezeptoragonisten seien keine „perfekte Lösung“. Patientinnen und Patienten müssten über Abbruchraten und Folgen eines Therapieendes aufgeklärt werden; Ernährung und Bewegung blieben die Basis der Adipositasbehandlung. 

Andere Fachleute weisen zugleich darauf hin, dass Medikamente für Menschen mit sehr hohem BMI unter heutigen Lebensbedingungen oft notwendig seien und mögliche langfristige Vorteile nur durch große Endpunktstudien geklärt werden könnten

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