Damenjeans aus China zu Dumpingpreisen importiert

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Importkrimi
03/08/2017

Zollbetrug: Jeans um 91 Cent aus China

Billig-Textilien aus China überschwemmen den EU-Markt. Britischer Zoll verursachte durch "laxe Kontrollen" rund 5,2 Milliarden Euro Schaden.

von Kid Möchel

Seit Jahren machen mafiose Netzwerke mit dem Import von Textilien und Schuhe aus China in die Europäische Union (EU) das große Geld. Allein zwischen 2013 und 2016 wurde containerweise chinesische Billig-Bekleidung nach Großbritannien eingeführt, wobei aber den britischen Behörden zumindest 1,987 Milliarden Euro Zölle entgangen sein sollen. Denn: Der Wert der Waren wurde von den Importeuren enorm niedrig angesetzt. Das bestätigte die EU-Anti-Betrugsbehörde OLAF am Mittwoch.

Demnach soll "das Kilogramm Damenhosen" beim der Zollbehörde ihrer Majestät HMRC mit einem Scheinwert von 91 Cent deklariert worden sein, bei einem Baumwollpreis von 1,44 Euro pro Kilo. Auch T-Shirts für 50 Cents sollen massenweise über den Zollbalken gehievt worden sein. Das geht nicht zusammen. Außerdem beträgt der Einfuhrwert von Damenhosen im EU-Schnitt 26 Euro.

"Viele EU-Länder werden mit Schiffsladungen billiger China-Waren überschwemmt. Es gibt einige Länder mit großen Häfen, wo täglich 10.000 solcher Schiffscontainer hereinkommen. Die kann man nicht alle kontrollieren", sagt ein österreichischer Zoll-Experte zum KURIER. "Die Waren bleiben großteils ja gar nicht zum Beispiel in Großbritannien, sondern werden in andere EU-Länder weiter geliefert."

Das Steuerverfahren 42

Die Täter nutzen dabei das sogenannte Steuerverfahren 42 aus, bei dem im Einfuhrstaat nur der Zoll fällig wird. Die Einfuhrumsatzsteuer wird dabei erst im Endabnehmerland verrechnet, in dem die Waren auf dem Markt kommen.

100 Milliarden Euro

"Wenn es aber die vermeintliche Abnehmerfirma dann im EU-Bestimmungsland gar nicht gibt, dann kann man sich die Einfuhr-Umsatzsteuer in die Haare schmieren", sagt der Insider. So ist es auch kein Wunder, dass den EU-Staaten laut OLAF durch diese kriminellen China-Importe über Großbritannien in den Jahren 2013 und 2016 rund 3,2 Milliarden Euro Einfuhr-Umsatzsteuer entgangen sind. Detail am Rande: In der gesamten EU soll der Schaden durch die Dumpingimporte aus China etwa 100 Milliarden Euro betragen.

Rückforderung steht im Raum

Indes wirft die EU-Behörde OLAF Großbritannien vor, ihren Kontrollpflichten nicht nachzukommen. Sie empfiehlt der EU-Kommission, die entgangenen Zölle (1,987 Mrd. Euro) von den Briten einzufordern. Der britische Zoll HMRC weist hingegen die Vorwürfe zurück. Man habe alleine im Jahr 2016 durch Kontrollen und Betrugsbekämpfung rund 30,67 Milliarden Euro sichergestellt.

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