Warum die Wirtschaftskammer jeden 4. Job streicht
Die Wirtschaftskammer streicht bis 2027 rund 200 Stellen in Wien.
Zusammenfassung
- Die Wirtschaftskammer baut bis 2027 rund 200 von 800 Stellen ab, um jährlich 100 Mio. Euro einzusparen.
- Der Stellenabbau solle sozialverträglich passieren und Ressourcen auf Kernaufgaben für Mitgliedsbetriebe konzentrieren.
- Die Reformen basieren auf externer Analyse und sollen Strukturen vereinfachen. Bis Ende 2027 sollen sie abgeschlossen sein.
Die Präsidentin der Wirtschaftskammer (WKÖ), Martha Schultz, hat am Dienstag vor dem WKÖ-Präsidium ihren Plan konkretisiert, wie sie die angekündigten Einsparungen von 100 Mio. Euro jährlich ab 2030 umsetzen will. So wird, wie ebenso bereits kolportiert, auch in der Bundeskammer gespart. Dort werden 200 von 800 Stellen bis Ende 2027 abgebaut, heißt es aus der Kammer. Der Jobabbau geschehe schrittweise und in Abstimmung mit dem Betriebsrat.
Der Abbau soll möglichst sozial verträglich ablaufen
Konkret geht es um ein Viertel der 800 Hausmitarbeiter (vollzeitäquivalent) der Bundeskammer in Wien-Wieden. Lehrlinge und Trainees sind nicht betroffen. Das gilt auch für Mitarbeiter von Töchtern und vor allem von den rechtlich selbstständigen Fachverbänden.
Die WKÖ will den Abbauplan ihren Angaben zufolge sozial verträglich gestalten und die Mitarbeiter in der Phase bestmöglich unterstützen. "Ziel ist es, Ressourcen konsequent auf jene Aufgaben zu konzentrieren, die unmittelbar zum Nutzen der Mitgliedsbetriebe beitragen und die Schlagkraft der Organisation stärken."
Präsidentin Martha Schultz räumt in der Wirtschaftskammer Österreich auf.
Schultz: Das Ziel sei eine "moderne, schlagkräftige Interessenvertretung"
Die bereits angekündigte Einsparung von 100 Mio. Euro jährlich für Unternehmen soll wie berichtet überwiegend bei der Kammerumlage 2 (KU2) geschehen. Die KU2 wird anhand der Zahl der Beschäftigten einer Firma berechnet. Den Freiheitlichen, Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen in der Kammer ging das nicht weit genug, auch wenn zum Teil von einem Schritt in die richtige Richtung die Rede war. Schultz selbst ist Chefin des ÖVP-Wirtschaftsbundes, der in der Kammer absolut regiert.
"Ziel ist eine moderne, schlagkräftige Interessenvertretung, die sich konsequent an den Anforderungen der Betriebe orientiert", so Schultz am Dienstag. "Wir bauen Doppelgleisigkeiten, Ineffizienzen und Unübersichtlichkeiten in der Organisation ab." Im Zuge der Neuaufstellung würden Strukturen vereinfacht, Leistungen gebündelt oder eingestellt bzw. woanders integriert.
Auch die Landeskammern setzen den Sparstift an
Zuletzt hat Schultz im Generalsekretariat der Unternehmerkammer zwei von drei Stellvertreterposten von Generalsekretär Jochen Danninger gestrichen. Die zwei Betroffenen bleiben aber mit anderen Tätigkeiten in der Kammer tätig. Eva-Maria Liebmann wechselt zur Wirtschaftskammer Steiermark. Thomas Spann übernimmt für die Phase der Neuaufstellung die Rolle des Leiters der Transformation der WKÖ. Zudem wird die Weiterbildungsplattform wise up geschlossen und teils ins WIFI integriert, erinnerte Schultz am Dienstag.
Spann soll die laufenden Reformmaßnahmen vorantreiben. Er soll als zentrale Schnittstelle zu den Reformanstrengungen der Landeskammern fungieren und gleichzeitig ein besonderes Augenmerk auf die Neuausrichtung der Kommunikationsaktivitäten der WKÖ legen. Auch die neun Landeskammern müssen bekanntlich sparen.
Neustrukturierung soll bis Ende 2027 umgesetzt werden
Schultz Pläne sind Teil der Analyse und daraus resultierenden Zielwerten von KPMG. Der Unternehmensberater wurde von der WKÖ selbst bestellt und begleitet diese seit Jahresbeginn und noch bis Ende 2027 in ihrem Reformprozess. Die Neuaufstellung basiere auf einer umfassenden Untersuchung der bestehenden Strukturen, Prozesse und Aufgaben sowie auf externen Vergleichswerten mit ähnlichen Organisationsstrukturen. Damit werde sichergestellt, dass die Reform auf einer fundierten und nachvollziehbaren Grundlage erfolge. Ziel sei, die Neustrukturierung bis Ende 2027 umzusetzen.
WKÖ wartet weiterhin auf Ergebnis der Rechnungshofprüfung
Auf das Ergebnis der Prüfung durch den Rechnungshof (RH) wird unterdessen weiterhin gewartet. "Wir sind schon weit fortgeschritten", sagte ein Sprecher dieser Tage auf APA-Anfrage.
Nach dem vorzeitigen Rückzug von ihrem Vorgänger Harald Mahrer vorigen Herbst und ihrer ursprünglich interimistischen und seit Jänner fixen Einsetzung als WKÖ-Präsidentin hatte Schultz rasch umfangreiche Reformen angekündigt. Diese wurden und werden auch von vielen Seiten und den Fraktionen im Wirtschaftsparlament gefordert.
Die weiteren Reformschritte der gesamten Wirtschaftskammerorganisationen sind dann Schwerpunkt beim Wirtschaftsparlament Ende Juni.
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