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Wirtschaft Wirtschaft von innen
04/20/2020

Eine Abrechnung: Wie es in der Casinos-Affäre weitergeht

Arbeitsrechtler Schima wehrt sich gegen „Persilschein“-Vorwurf. Wird Wolfgang Hesoun Aufsichtsratschef?

von Andrea Hodoschek

Noch überdeckt die Corona-Krise alle anderen Themen, doch in wenigen Wochen wird die Casinos-Affäre wieder in die öffentliche Aufmerksamkeit rücken. Am 4. Juni beginnt der vorläufig auf 42 Tage anberaumte Ibiza-Untersuchungsausschuss.

Auch wenn der erbitterte Krieg zwischen den Großaktionären der teilstaatlichen Glücksspielgruppe beendet ist und die tschechische Sazka Group mit der Staatsholding Öbag eine Syndikatsvereinbarung geschlossen hat, ist die jüngste Vergangenheit noch nicht abgeschlossen. Die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft haben sich zum Großverfahren ausgewachsen, doch strafrechtlich wird die Causa zusehends dünner.

Immer noch geht es um Vorwürfe, die Bestellung des (inzwischen längst abberufenen) FPÖ-nahen Managers Peter Sidlo zum Finanzchef der Casinos sei das Ergebnis eines möglichen Deals mit dem heimischen Gaming-Konzern und zwischenzeitlichen Casinos-Aktionärs Novomatic.

Der Casinos-Aufsichtsrat hatte die renommierte Arbeitsrechts-Kanzlei Schima, Mayer, Starlinger (SMS) gemeinsam mit KPMG mit der Prüfung beauftragt, ob die Bestellung von Sidlo „sorgfaltskonform“ erfolgt sei. Sazka reklamierte zusätzlich die Kanzlei Frotz hinein, diese sollte die Durchführung, nicht aber den Inhalt der Untersuchung prüfen. Zwischen den beiden Kanzleien flogen erwartungsgemäß bald die Fetzen.

Die mehr als 300.000 Euro teure Untersuchung entlastete schließlich den Aufsichtsrat. Robert Chvatal, Vize-Aufsichtsratschef und CEO der Sazka-Group, kritisierte das Ergebnis jedoch öffentlich als „Persilschein-Bericht“. Chvatal und der zweite Sazka-Vertreter hatten sich bei der Bestellung von Sidlo der Stimme enthalten, alle anderen Aufsichtsräte inklusive Betriebsräte zugestimmt.

Man habe „alles andere denn einen Persilscheinbericht erstattet, wie dies ein Aufsichtsratsmitglied in der Öffentlichkeit ohne irgendeinen Beleg behauptete“, schrieb Kanzlei-Chef Georg Schima am 21. Februar in einem empörten Brief an den gesamten Casinos-Aufsichtsrat und argumentiert mit der Reputation des Unternehmens und des Gremiums.

Was wurde geprüft?

Vielmehr hätten die Sazka-Vertreter versucht, den Umfang der Prüfung „erheblich einzuschränken“. SMS und KPMG hätten eben nicht prüfen sollen, ob sich der Aufsichtsrat bei der Bestellung von Sidlo insgesamt sorgfaltskonform verhalten habe. Sondern lediglich, ob das Aufsichtsratspräsidium (neben Chvatal der Raiffeisen-Manager Walter Rothensteiner und Ex-Novomatic-Chef Harald Neumann) verpflichtet gewesen wäre, dem gesamten Aufsichtsrat die Langfassung des Berichtes des Personalberaters Egon Zehnder zur Verfügung zu stellen.

Außerdem hätte ebenfalls nicht überprüft werden sollen, ob Sidlo in Zusammenhang mit den von der Staatsanwaltschaft behaupteten Absprachen Pflichtverletzungen vorzuwerfen seien, sondern nur, „ob es Hinweise auf Absprachen gegeben habe“. Die Sazka-Vertreter konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Die geforderte Reduzierung des Prüfauftrags hätte die Untersuchung „völlig entwertet“, da weder geklärt worden wäre, ob sich der Aufsichtsrat sorgfaltskonform verhalten habe , noch ob Sidlo eine Pflichtverletzung vorzuwerfen war.

Sidlo wurde von der Hauptversammlung abberufen und hat die Casinos wie berichtet auf 2,3 Millionen Euro geklagt.

Aufsichtsratschef gesucht

Die Neubestellung des Aufsichtsrates der Casinos-Gruppe ist derzeit aufgeschoben, die für Ende März anberaumte Hauptversammlung wurde Corona-bedingt abgesagt. Der Wunschkandidat der Sazka, Ex-Erste-Group-Chef Andreas Treichl, hat nach längerem Nachdenken abgesagt. Der Banker ist Chairman des Aufsichtsrates der Erste Stiftung. Deren philanthropische Ausrichtung verträgt sich allerdings kaum mit dem Vorsitz in einem Glücksspielunternehmen. Treichl hatte den Einstieg der Sazka bei den Casinos unterstützt, die Erste ist Marktführer in Tschechien und mit Sazka gut im Geschäft.

Treichl sieht die Zeichen für die Gruppe gut stehen

Österreich hat sich im Syndikatsvertrag das Nominierungsrecht für den Casinos-Aufsichtsratvorsitz und den CEO-Posten ausverhandelt. Seit Treichls Absage wird Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun als Favorit gehandelt. Dem erfahrenen und bestens vernetzten Top-Manager wird zugetraut, endlich Ruhe in das krisengebeutelte Unternehmen zu bringen. Der SPÖ-nahe Manager gilt auch als einer der Kandidaten für den neuen Präsidenten der Industriellenvereinigung. Hesoun hat einen guten Draht zu ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Sazka startete jetzt in Tschechien eine Corona-Masken-Kampagne, die es bis in den US-Sender CNN schaffte. Die Casinos griffen die Kampagne in Österreich mit wirtragenmaske.at auf. Neben praktischen Hinweisen solidarisieren sich etliche Promis aus Wirtschaft, Sport und Kultur mit dem Masken-Tragen.

 

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