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Wirtschaft
05/31/2021

"Wirtschaftliche Talsohle" wohl "durchschritten"

Auswirkungen des dritten Lockdowns: 5,5 Prozent BIP-Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Statistik Austria-Chef ortet kräftige Erholungszeichen der Wirtschaft.

von Anita Kiefer

Österreichs Wirtschaft ist zu Jahresbeginn geschrumpft. Gegenüber dem Vorquartal lag das Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum Jänner bis März real um 1,1 Prozent tiefer, saison- und arbeitstagbereinigt. Im Jahresabstand betrug der Rückgang 5,5 Prozent, gab die Statistik Austria am Montag bekannt.

Anfang 2021 sei das BIP nach starken Rückgängen der Wirtschaftsleistung in den Vorquartalen - Q2 2020: -13,0 Prozent, Q3 2020: -3,2 Prozent, Q4 2020: -5,6 Prozent, jeweils real zum Vorjahresquartal - um 5,5 Prozent gesunken. Erneut deutliche Rückgänge verbuchten mit real -25,9 Prozent zum Vorjahresquartal die Bereiche Handel, Verkehr, Gastronomie und Beherbergung, als Folge des dritten Lockdowns.

Die Statistik Austria gibt die Vergleiche der Wirtschaftsleistung jetzt mit dem Vorkrisenniveau im sogenannten "Austrian Recovery Barometer an". Bis März sei die Wirtschaftsleistung Österreichs demnach heuer bei nur 91,5 Prozent des Vorkrisenniveaus aus dem Jahr 2019 gelegen, erklärte Statistik-Chef Tobias Thomas: "Die wirtschaftliche Lage Österreichs war im ersten Quartal weiterhin angespannt." Das Austrian Recovery Barometer bildet vierteljährlich einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs in der abklingenden Corona-Pandemie. 

Erfreuliche Entwicklung bei Industrie und Bau

Bei der Beherbergung und Gastronomie lag das Austrian Recovery Barometer im ersten Quartal 2021 gegenüber dem ersten Quartal 2019 bei lediglich 17,6 Prozent. Das ist insofern besonders bitter, weil der Anteil der Gastronomie und Beherbergung am gesamten BIP in Österreich im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 bei 5,2 Prozent liegt. 

Erfreulich dagegen ist ein Blick auf die Konjunkturdaten bei Industrie und Bau. Hier liegt das Austrian Recovery Barometer gesamt für den April 2021 verglichen mit dem April 2019 bereits wieder bei 108,6 Prozent. "Das bedeutet, dass Industrie und Bau die Krise schon hinter sich haben", so Tobias Thomas. 

Stark betroffen von der Pandemie war auch der Außenhandel. Und auch hier gibt es eine Reihe von positiven Entwicklungen zu vermelden. Der Außenhandel ist bereits nahe dem Vorkrisenniveau. Bei den Importen liegt für Februar 2021 das Austrian Recovery Barometer bei 96,8 Prozent, bei den Exporten bei 97,0 Prozent. "Wir sehen, dass sowohl Importe als auch Exporte schon sehr gut an das Vorkrisenniveau angeschlossen haben", erklärt Ferdinand Leitner, Direktion Volkswirtschaft der Statistik Austria. Große Sprünge gibt es beim Export von Gütern im Jänner und Februar 2021 in asiatische Länder. 

Optimismus

"Es spricht vieles dafür, dass Österreich mit dem ersten Quartal die wirtschaftliche Talsohle durchschritten hat", sagt Tobias Thomas mit Blick auf den Pandemieverlauf und das Ende der Lockdowns. Bleibe die Pandemie eingedämmt, spreche vieles dafür, dass Österreich "mit Schwung" aus der Krise herauskommt. 

Eine Entspannung ist auch am Arbeitsmarkt zu erkennen. Die Beschäftigung ist bereits wieder annähernd auf Vorkrisenniveau (Austrian Recovery Barometer für April 2021: 99,6 Prozent gegenüber dem April 2019). Die Arbeitslosenquote geht zurück, auch wenn sie mit 8,6 Prozent noch um 1,3 Prozentpunkte über dem Aprilwert 2019 liegt.

Bei den Langzeitarbeitslosen allerdings hat sich die Situation vor allem in den vergangenen fünf Jahren stark verschärft. Während im Jahresdurchschnitt 2015 noch 12.500 Personen länger als ein Jahr arbeitslos waren, waren es im Jahresdurchschnitt 2020 61.900. "Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich verfünffacht", so Tobias Thomas - die Bekämpfung dieser Entwicklung werde eine der großen Aufgaben für die Arbeitsmarktpolitik sein.

Ohne Kurzarbeit, ist sich der Statistik-Austria-Chef sicher, hätten die Folgen der Pandemie für den Arbeitsmarkt jedenfalls "wesentlich kritischer" sein können. Denn: Die geleisteten Arbeitsstunden sind um 8,8 Prozent zurückgegangen, die Kurzarbeit zeigt Wirkung. 

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