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Wirtschaft
10/04/2021

"Wir glauben weiter an Immobilien und Aktien"

Der Vorstandschef der Liechtensteinischen Landesbank, Robert Löw, und sein Stellvertreter Harald Friedrich im Interview.

von Anita Kiefer, Wolfgang Unterhuber

Beim Geld ist das kleine Liechtenstein eine Großmacht. Seit 2008 ist die mehrheitlich im Besitz des Fürstentums stehende börsennotierte Liechtensteinische Landesbank (LLB) auch in Österreich im Privatkundensektor tätig. Und es läuft gut: Im Vorjahr habe man beim Volumen der verwalteten Kundengelder (sogenannte Assets under Management) die 26-Milliarden-Schallmauer durchbrochen, sagt Vorstandsvorsitzender Robert Löw. "Heuer sind wir allein im ersten Halbjahr auf 28 Milliarden Euro angewachsen." Bis Ende des Jahres rechnet er mit einem weiteren Anstieg.

Größer werden: Das ist das Ziel der Liechtensteiner für den österreichischen Markt. Tätig ist die Bank in drei Geschäftsfeldern: Vermögensverwaltung, Fondshüllen- und Depotbankgeschäft sowie Immobilien. In allen drei Segmenten habe man zwei bis drei mögliche Übernahmekandidaten im Auge, sagt der stellvertretende Vorstandschef Harald Friedrich. "Die sind potenziell interessant, es kann aber auch sein, dass da in den kommenden zehn Jahren nichts passiert."

Die Konsolidierung im Bankensektor für Privatkunden werde jedenfalls "noch lange" anhalten, sind sich die Banker sicher. Es brauche eine "kritische Größe" von rund fünf Milliarden Euro verwaltetem Vermögen, um eine Bank im Privatkundenbereich gewinnbringend führen zu können. Darunter sei es angesichts der Zinssituation, dem hohen Wettbewerbsdruck und den hohen Digitalisierungskosten, die in der Branche herrschen, schwierig.

Kundenstruktur

Wer ein zu veranlagendes Vermögen ab 500.000 Euro hat, ist bei der LLB hierzulande sozusagen im Rennen. Der Kundenstock der Liechtensteiner setzt sich aus vermögenden Privatkunden, Managerinnen und Managern sowie institutionellen Kunden wie Versicherungen, Pensionskassen, Banken, Kammern und kirchlichen Institutionen und Unternehmen zusammen. 220 Beschäftigte hat die Bank in Österreich.

Und wo stünde man als Anleger heute, wenn man diese 500.000 Euro im Jahr 2010 bei der LLB angelegt hätte? "Ungefähr beim Doppelten" sagt Löw. Dazu brauche es natürlich einen prosperierenden Kapitalmarkt und ein paar Sonderfaktoren, wie Löw betont. Einer davon war in der vergangenen Dekade die Niedrigzinspolitik der Notenbanken, vor allem der EZB. "Das hat Aktien, Anleihen und über weite Phasen ja auch Gold getrieben".

Empfehlungen

Und was empfehlen Löw und Friedrich? Die klassischen Anleihen sind für sie keine Option. In dem Segment seien derzeit nur Schwellenländer-Anleihen interessant. "Wir glauben weiterhin an Immobilien und Aktien." Auch Titel im heimischen ATX stehen auf der Empfehlungsliste der LLB-Manager – etwa Andritz.

"Global setzen wir auf Blue Chips", so Löw. Also Aktien von Branchenführern mit hoher Bonität, guten Wachstumsperspektiven und regelmäßigen Dividendenzahlungen. Dass aufgrund der hohen Inflation und Nullzinsen jetzt viele Menschen erstmals an den Börsen "mitspielen" möchten, können die LLB-Manager nachvollziehen. Aber ist es dafür angesichts der hohen Kurse nicht schon zu spät? "Die Analysten haben global die Gewinnsituation im zweiten Quartal zu niedrig eingeschätzt", so Friedrich und Löw.

Anlagetipps

Für das kommende Jahr rechnen sie jedenfalls bei den Blue Chips in den USA und Europa mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bzw. 15. Viele Titel haben da ihrer Ansicht nach noch Potenzial nach oben. Anfängern empfehlen die LLB-Chefs strategische Asset Allocation Fonds mit einer sehr breiten und ausgewogenen Auswahl an Titeln aus unterschiedlichen Ländern und Branchen. Denn 90 Prozent des Anlageerfolgs hängen laut Meinung der beiden Banker von der Asset Allocation ab. Also der Aufteilung (Diversifikation) eines Vermögens auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Immobilien, Währungen, Anleihen und Edelmetalle.

Sogenannte ETF (engl.: "Exchange Traded Fund"), also börsengehandelte Indexfonds, die die Wertentwicklung eines Index, wie etwa des Wiener ATX, abbilden, sehen Friedrich und Löw zweischneidig. "Da kaufen Sie eine Anlageklasse, in der Sie dann in guten, aber auch schlechten Zeiten sozusagen gefangen sind. Die Allokationsentscheidung muss man dann selbst treffen. Der Erfolg hängt aber maßgeblich vom richtigen Mix zum richtigen Zeitpunkt ab."

  • Liechtensteinische Landesbank

Die Hauptmärkte für die Liechtensteinische Landesbank LLB sind Liechtenstein selbst, die Schweiz und Österreich

  • Tätigkeitsfeld in Österreich

Nach Österreich kamen die Banker 2008. Zehn Jahre später, 2018, fusionierte die LLB in Österreich mit der Semper Constantia. Seither haben die Großindustriellen Hans Peter Haselsteiner und Erhard Grossnigg gemeinsam
6 Prozent Anteil an der Bank

  • Neue Übernahme 2021

Heuer wurde die nächste Übernahme der Liechtensteinischen Landesbank in Österreich bekannt gegeben – jene der Credite Suisse. "Wir haben eine Vereinbarung für die Übernahme der Private Banking Kunden – das sind rund eine Milliarde Euro Kundengelder – getroffen. Nahezu alle Kunden sind bereit, zur Landesbank mitzugehen", sagt Vorstandschef Löw. Überschneidungen mit dem bestehenden, eigenen Kundenstock gebe es nur wenige

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