Weihnachtsfriede im ÖAMTC mit neuem Präsidenten?

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Landeschefs einigten auf Kompromisskandidat, die Mitglieder-Vertreter stimmen am 4. Dezember ab
Andrea Hodoschek

Andrea Hodoschek

Knapp 2,6 Millionen Mitglieder, 4200 Mitarbeiter, 115 Stützpunkte - der ÖAMTC ist Österreichs größter Verein. Mehr als ein Jahr lang tobte ein erbitterter Machtkampf. Zwischen den zwei Fraktionen wurden die Gräben immer tiefer. Mehr Zentralismus oder mehr Föderalismus, das war die Frage.

Zuerst verabschiedete sich wie berichtet der erfolgreiche Direktor, Oliver Schmerold, nach 15 Jahren. Wer glaubte, sein Abgang würde die verfeindeten Lager im ehrenamtlichen Präsidium, dem quasi Aufsichtsrat, befrieden, hatte die Heftigkeit der Auseinandersetzungen unterschätzt.

Dass es mit dem wichtigsten Mobilitätsverein des Landes, einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor, so nicht mehr weitergehen konnte, war den sich bekriegenden Parteien irgendwann dann doch klar. Ein externer Mediator leistete Pannenhilfe und brachte die emotionalisierten Streithähne an den Verhandlungstisch. Die Landespräsidenten einigten sich schließlich vor Kurzem ohne Gegenstimme auf einen Kompromisskandidaten.

Jetzt könnte im ÖAMTC der Weihnachtsfriede einziehen. Auf der Delegiertenversammlung am 4. Dezember wird der Wiener Wirtschaftsanwalt Markus Ludvig als einziger Kandidat zur Präsidenten-Wahl antreten. Der seit 2022 amtierende Präsident, Günther Thumser, tritt mit Ende 2025 vorzeitig zurück. Seine Funktionsperiode wäre noch bis Mitte 2027 gelaufen.

PK INITIATIVE ZUR STÄRKUNG DER WIRTSCHAFTSBILDUNG: THUMSER

Noch-Päsident Günther Thumser tritt Ende 2025 vorzeitig zurück

Thumser war lange Chef von Henkel Österreich und CEE und leitet den Markenartikelverband. Die Delegierten vertreten die ÖAMTC-Mitglieder, sie sind mit der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft vergleichbar.

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Modernisierung

Die Stimmung habe sich deutlich gebessert, in dem Millionen-Verein herrsche große Zuversicht, berichten Delegierte dem KURIER. Ludvig werde zugetraut, als integrative Persönlichkeit das notwendige diplomatische Geschick zu haben, um den ÖAMTC zukunftsfit zu machen und die veralteten Statuten zu modernisieren, sowohl inhaltlich als auch die Governance.

Das Präsidium muss 2026 einen neuen operativen Direktor suchen. Schmerold-Nachfolger Ernst Kloboucnik, 63, geht Ende 2027 in Pension. Schmerold ist derzeit übrigens Präsident des Autoklub Slovakia.

Thumser hatte es nicht geschafft, die föderalistischen Landespräsidenten auf eine gemeinsame Linie einzuschwören, es gab sogar einen Abwahlantrag gegen ihn. Dem Manager wird vorgeworfen, den ÖAMTC zentralistisch wie einen Konzern zu führen.

Ludvig kennt den ÖAMTC und dessen Kunden gut. Er leistet einmal die Woche seit Jahren Rechtsberatung am Stützpunkt Baden. Fragt sich, ob er dieses Mandat zurücklegt. Ein Aufsichtsratsvorsitzender sollte tunlichst keine Geschäfte mit dem präsidierten Unternehmen machen.

Der ÖAMTC ist komplex strukturiert mit sieben Landesvereinen samt Präsidenten und operativen Direktoren. Die „Zentralisierer“ Wien, Burgenland und NÖ sind der größte und stellen (noch) den Präsidenten.

Porträt von Andrea Hodoschek, Autorin der Serie „Wirtschaft von Innen“.

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