Warum die Post doch nicht ins Lotto-Geschäft einsteigt

Schwesterliche Staatsbeteiligungen hätten einander konkurrenziert, Machtwort auf Eigentümerebene
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Das Match um die Zukunft der heimischen Lotterien wird immer spannender. Die Konzession für die Lotterien und dem damit verbundenen Online-Gaming läuft 2027 aus und muss demnächst vom Finanzministerium neu ausgeschrieben werden.
Ins Rennen um die Lizenz will auch Brightstar Lottery gehen, der weltweit größte Lotterienbetreiber. Im geplanten Österreich-Konsortium ist Brightstar nun allerdings ein maßgeblicher Player abhanden gekommen. Die Post, die schon seit langem  als Vertriebspartner  Lotto-Produkte  verkauft, wird nun doch nicht  Mitglied des Konsortiums.  
Ein Machtwort auf staatlicher Eigentümerebene dürfte die Ambitionen der mehrheitlich staatlichen, aber auch börsenotierten Post gestoppt  haben. 

"Wir beobachten die geplante Neuausschreibung der Lotterielizenz nun seit geraumer Zeit. Da sich die Novellierung des Glücksspielgesetzes und damit eine potenzielle Ausschreibung immer weiter nach hinten verschieben, fokussieren wir uns aktuell zu 100 Prozent auf die Umsetzung unserer Strategie LEAD 2030. Dazu gehört zuallererst unser Mobilfunkangebot YELLLOW, mit dem wir Anfang April starten, weitere Investitionen in unser österreichisches Paketgeschäft, das Vorantreiben unserer internationalen Wachstumspläne und der weitere Ausbau der bank99. Wir planen keine Teilnahme als Post oder als Gesellschafterin in einem Konsortium im Rahmen einer Ausschreibung", bestätigte ein Post-Sprecher gegenüber dem KURIER. 

 

Sowohl die Post als auch der  Lotterien-Eigentümer, die teilstaatliche Glücksspielgruppe  Casinos Austria AG   (Casag),  gehören zum Portfolio der Staatsholding ÖBAG. 
Es wäre das erste Mal in der Geschichte der ÖBAG, dass zwei ihrer Unternehmen mit Staatsbeteiligung einander konkurrenzieren. Die Staatsholding hält an der Post 52,8 Prozent und an der Casag ein Drittel. Dort ist der tschechische Glücksspielkonzern Allwyn (vormals Sazka) des Milliardärs Karel Komarek Mehrheitseigentümer. 
Die Lotterien sind die Cash- Cow der Casag-Gruppe, sie spielten 2024 (aktuellere Daten wurden bis dato nicht veröffentlicht) ein Betriebsergebnis von 157 Millionen ein. Das Gesamtergebnis des Konzerns sank dagegen auf 24 Millionen Euro.
Ohne die Lotterien ist die Casinos-Gruppe mit ihren 12 Inlandsstandorten und der Tochter Casinos Austria international nicht viel wert.  Für die Casag  ist der Erhalt der Lotterien-Konzession überlebenswichtig.  Im Syndikatsvertrag mit Allwyn  ist daher festgeschrieben, dass die Casag innerhalb der ÖBAG-Unternehmen  das alleinige Recht auf Glücksspiel hat.  Würde das quasi Schwesterunternehmen  Post auch ins Rennen  gehen, könnte Allwyn gegen die Staatsholding hohe Schadenersatzforderungen stellen, was bereits diskutiert wurde, wie zu hören ist, von der ÖBAG aber dementiert wurde.  
Andererseits hat die börsenotierte Post, deren traditionelles Geschäftsmodell  immer weiter schrumpft und die strategische Alternativen sucht, auch private Aktionäre. Fragt sich daher, ob die Staatsholding der Post einen Einstieg ins Glücksspielgeschäft so einfach verbieten könnte. 


Die Post startet ab April mit der Marke „Yellow“ auch  ins Mobilfunkgeschäft. Und konkurrenziert damit die ebenfalls teilstaatliche A1 Telekom Austria. Was man auf Staatsebene allerdings weniger bedrohlich sieht als das Match um die Lotterien. Es ist stark anzunehmen, dass neben Brightstar weitere internationale Anbieter ins Rennen gehen werden.  
 

Porträt von Andrea Hodoschek, Autorin der Serie „Wirtschaft von Innen“.

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