Warren Buffett, Chef von Berkshire Hathaway, beim Bridge-Spielen im Mai 2018.

© REUTERS/Rick Wilking

Wirtschaft
02/24/2019

Warren Buffett weiß nicht, wohin mit dem vielen Geld

Luxusproblem für Berkshire Hathaway: 112 Milliarden Dollar auf der hohen Kante, aber keine sinnvollen Übernahmeziele in Sicht.

Es ist ein ungewohntes Bild für Starinvestor Warren Buffett. Sein Investmentvehikel Berkshire Hathaway rutschte Ende 2018 tief in die roten Zahlen. Am Ende stand sogar ein Minus von mehr als 25 Milliarden Dollar (22,3 Mrd Euro). Grund waren Kursverluste bei vielen wichtigen Beteiligungen wie Apple und Kraft Heinz.

Was dramatischer klingt als es ist: Der Verlust geht vor allem auf die von Buffett ungeliebten Bilanzregeln zurück. Die zwingen ihn, das Aktienportfolio jedes Quartalsende zum Stichtag zu bewerten. Ihm selbst ist hingegen der langfristige Wertzuwachs seiner Investitionen viel wichtiger.

FILE PHOTO: Berkshire Hathaway CEO Warren Buffett enjoys an ice cream treat from Dairy Queen in Omaha

"Elefanten-Deal" gesucht

Buffetts Problem ist ein ganz anderes, wie seinem Anlegern am Samstag im jährlichen Aktionärs-Brief mitteilte: Er weiß nicht, was er mit dem vielen Geld anfangen soll. Ende 2018 ist der Bestand an flüssigen Mitteln auf 112 Milliarden Dollar angewachsen. Und die erhoffte sinnvolle Riesenübernahme - ein "Zukauf von Elefanten-Größe" - ist nicht in Sicht.

Preise zu hoch

„Die Preise für Geschäfte, die langfristige Perspektiven versprechen, sind schwindelerregend hoch“, schrieb Buffett. Man müsse noch mehr Geld in an der Börse handelbare Aktien stecken. Ganz hat er die Hoffnung auf eine Riesenübernahme nicht aufgegeben. Das würde ihm und seinem Kompagnon Charlie Munger selbst im Alter von 88 Jahren und 95 Jahren  (Buffett: "ich bin der Jüngere") noch den Puls hochtreiben.

So rasch sei allerdings nicht damit zu rechnen. Die letzte größere Übernahme datiert übrigens aus dem Jahr 2014. Damals hatte Berkshire den Batteriehersteller Duracell von Procter & Gamble übernommen. Mit einem Volumen von weniger als fünf Milliarden Dollar gehört diese Akquisition allerdings nicht zu der ganz großen Kategorie, die Buffett jetzt sucht.

 

Letzter Großdeal Heinz Ketchup

Der letzte Mega-Deal liegt bereits fast sechs Jahre zurück, als Buffett zusammen mit dem brasilianischen Finanzinvestor 3G den Ketchuphersteller Heinz für rund 28 Milliarden Dollar übernommen hatte. Diese fusionierte er ein paar Jahre später mit dem Nahrungsmittelkonzern Kraft und hält seitdem knapp 27 Prozent am zusammengelegten Konzern, hat allerdings bisher wenig Freude daran. Der schwache Aktienkurs belastete das Ergebnis 2018 mit drei Milliarden Dollar.

Und weitere Milliarden könnten im ersten Quartal folgen, nachdem das Kraft-Heinz-Papier am Freitag nach der Bekanntgabe einer Milliardenabschreibung um mehr als 27 Prozent abstürzte. Der Börsenwert des Unternehmens verringerte sich damit alleine an einem Tag um knapp 15 Milliarden Dollar - rund vier Milliarden Dollar davon gehen auf das Buch von Berkshire Hathaway.

Nachfolgefrage ungeklärt

Die zweite wichtige Frage ist die seiner Nachfolge an der Spitze der 1955 gegründeten Gesellschaft. Auch hier brachte der Brief an die Anleger keine Neuigkeiten. Buffett ließ aber durchblicken, dass er von seinem Nachfolger erwartet, das Unternehmen in seiner jetzigen Form zusammenzuhalten und nicht aufzuspalten.

Berkshire Hathaway ist vor allem in der Rückversicherung und im Eisenbahngeschäft stark, aber auch in vielen anderen Bereichen tätig. In den Bereichen, die mehrheitlich dem Unternehmen gehören, lief das Geschäft im vergangenen Jahr gut. Der operative Gewinn der Gesellschaft, in dem das Ergebnis der vielen Mehrheitsbeteiligungen zusammengefasst ist, zog 2018 um fast drei Viertel auf knapp 25 Milliarden Dollar an.

Schwächstes Ergebnis seit 2001

Unter dem Strich verdiente Buffetts Investmentgesellschaft wegen der Kursverluste an den Börsen im vergangenen Jahr nur noch vier Milliarden Dollar nach fast 45 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. 2017 hatte allerdings auch die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump, die vor allem Vermögenden und Reichen zugute gekommen ist, das Ergebnis um 29 Milliarden Dollar nach oben getrieben.

Berkshire Hathaway ist an der Börse derzeit fast 500 Milliarden Dollar wert und damit in etwas so viel wie die fünf wertvollsten börsennotierten deutschen Unternehmen SAP, Linde, Allianz, Siemens und Volkswagen zusammen.

Teuerste Aktie der Welt

Legendär sind die sogenannten A-Aktien, deren Kurs über die Jahre in den sechsstelligen Bereich gestiegen ist und zuletzt 302.000 Dollar kostete. Buffett selbst hält noch fast 271.000 dieser Aktien, die somit die Grundlage für sein Vermögen sind, die ihn hinter Amazon-Chef Jeff Bezos und Microsoft-Gründer Bill Gates zum drittreichsten Mann der Welt macht.

Um mehr Anlegern den Einstieg bei der Holdinggesellschaft mit Sitz in Omaha, dem Geburtsort Buffetts, zu ermöglichen, wurden 1996 sogenannte B-Aktien eingeführt. Diese haben nicht so viel Stimmrechte beim Aktionärstreffen, kosteten aber zuletzt nur etwas mehr als 200 Dollar. Damit können auch Privatanleger in die von Buffett kontrollierte Gesellschaft investieren.

Wenn er zum jährlichen Aktionärstreffen einlädt, kommen zigtausende von Anlegern in die Provinz. Die Veranstaltung hat unter vielen Anlegern Kultcharakter - nicht zuletzt deshalb weil sich die Berkshire-Anteile meist besser als der Gesamtmarkt entwickeln.

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