Wirtschaft
10.04.2018

Warnstreiks in Deutschland: Auch Flüge nach Wien gestrichen

© Bild: AP/Michael Probst

Tausende Beschäftigte an Flughäfen, im Nahverkehr, in Kindergärten und anderen öffentlichen Betrieben legten die Arbeit nieder.

In ganz Deutschland haben am Dienstag massive Warnstreiks im öffentlichen Dienst begonnen. Tausende Beschäftigte an Flughäfen, im Nahverkehr, in Kindergärten und anderen öffentlichen Betrieben legten in der Früh die Arbeit nieder. Hunderte Flüge wurden in Frankfurt, München, Köln und Bremen gestrichen. Auch zwölf AUA-Flüge zwischen österreichischen Flughäfen und dem Drehkreuz Frankfurt fielen aus.

Die Gewerkschaft Verdi will damit kurz vor der dritten Tarifrunde für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst den Druck erhöhen. Die Gespräche stehen am 15. und 16. April in Potsdam an. Die Gewerkschaft fordert für bundesweit rund 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske verteidigte die Ausstände. "Mit der massiven Ausweitung der Streiks setzen wir in dieser Woche deutliche Signale an die Arbeitgeber", sagte Bsirske der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wir erwarten, dass sie in der dritten Verhandlungsrunde ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen und damit eine gute Lösung am Verhandlungstisch ermöglichen."

Wegen der Warnstreiks strich die Lufthansa für Dienstag rund 800 Flüge. 90.000 Passagiere sollen von den Ausfällen betroffen sein. Die Lufthansa-Tochter Austrian strich sechs Flüge zwischen Wien und Frankfurt (OS121, OS131, OS133 bzw. OS122, OS132, OS134) sowie Kurse zwischen dem deutschen Drehkreuz und Salzburg (OS261, OS262), Innsbruck (OS277, OS278) sowie Graz (OS251, OS252).

Ausstand am Frankfurter Flughafen

Am Airport Frankfurt legten Beschäftigte der Flugzeugabfertigung und Flughafenfeuerwehr in der Früh die Arbeit nieder. Außerdem sei die Flugsicherheitskontrolle betroffen, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. "Das ist auch das, wodurch wir die extremsten Einschränkungen erwarten." Am Flughafen München, Deutschlands zweitgrößtem Airport, strich die Lufthansa im Voraus insgesamt 240 Inlands- und Auslandsflüge, wie eine Lufthansa-Sprecherin am Montag bestätigte. In Köln wurden 70 Flüge gestrichen. In der Folge fielen auch an weiteren Flughäfen wie Berlin-Tegel und Leipzig/Halle Flüge aus.

Zehn Flüge von und nach Wien gestrichen

Zwischen Wien und Frankfurt sind insgesamt zehn Flüge gestrichen worden. Neben sechs AUA-Flügen (OS121, OS131, OS133 nach Frankfurt bzw. OS122, OS132, OS134 nach Wien) finden am Dienstag auch vier Lufthansa-Flüge nicht statt (LH1232, LH 1234 nach Wien und LH1233, LH1235 nach Frankfurt), sagte eine Sprecherin des Wiener Flughafens .

Ein Austrian-Flug aus Frankfurt ist um 9.19 Uhr in Wien gelandet. Am Nachmittag und Abend sollten mehrere Lufthansa- und Austrian-Flüge zwischen Wien und dem deutschen Drehkreuz stattfinden.

Bestreikt werden in Deutschland die Flughäfen Frankfurt, München, Köln und Bremen. Während es zwischen Wien und Bremen keine Flugverbindungen gibt, werden die Flüge zwischen Wien und München sowie zwischen Wien und Köln wie geplant durchgeführt, sagte die Sprecherin auf Anfrage.

Nahverkehr betroffen

Auch im Nahverkehr der Städte in Nordrhein-Westfalen wurden Verbindungen gestrichen. "Heute fahren keine Bahnen", warnten etwa die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) ihre Kunden per Laufband. Mehre Städte kündigten zudem an, dass Kindergärten geschlossen bleiben müssen. Daneben können etwa auch die Müllabfuhr, Sparkassen, Stadtverwaltungen, Krankenhäuser und auch der Schiffsverkehr von dem Warnstreik betroffen sein. Die Auswirkungen sind abhängig davon, wie viele Beschäftigte sich tatsächlich beteiligen.

Der kommunale Arbeitgeberverband VKA hatte den Gewerkschaften vorgeworfen, weniger die Arbeitgeberseite als die Bevölkerung unter Druck zu setzen. Der Arbeitgeberverband BDA warf den Gewerkschaften eine massive Schädigung der Volkswirtschaft vor.

Betroffene Lufthansa-Kunden sollen ihren Flug kostenfrei umbuchen oder im Inland auf die Bahn ausweichen können. An Flughäfen arbeiten auch nach Privatisierungen noch zahlreiche Beschäftigte der Kommunen. Bestreikt werden sollen unter anderem Sicherheitspersonal für Personenkontrollen und Bodenverkehrsdienste, etwa bei der Gepäckabfertigung und auf dem Rollfeld.

Die Ausstände an den Flughäfen sollen auf Dienstag beschränkt sein. Die Gewerkschaften Verdi und Beamtenbund dbb kündigten bis Freitag allerdings weitere Warnstreiks im gesamten öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen an. Betroffen sein sollen unter anderem Kitas, der Nahverkehr und die Müllabfuhr.