Wachsende Zweifel an Nvidias KI-Dominanz

Trotz sehr guter Ergebnisse schwächelt der Chipriese an der Börse.
Nvidia headquarters ahead of earnings report release

Die Zahlen sind nach wie vor beeindruckend: Der anhaltend hohe Bedarf an Hochleistungsprozessoren für Künstliche Intelligenz (KI) hat dem US-Chiphersteller Nvidia erneut zu einem überraschend starken Quartalsergebnis verholfen. Der Umsatz stieg um 73 Prozent auf ein Rekordhoch von 68 Mrd. Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie verdoppelte sich auf 1,62 Dollar. Im Gesamtjahr 2025 stieg der Nettogewinn um 65 Prozent auf 120 Mrd. Dollar. Und dennoch verlor die Aktie Ende der Vorwoche rund 8 Prozent. Am Mittwoch hatte die Aktie noch auf einem Drei-Monats-Hoch geschlossen.

„Nvidia hat die Erwartungen erneut übertroffen, aber das Wettbewerbsumfeld verändert sich, da Unternehmen wie Meta zunehmend auf AMD setzen und große Cloud-Anbieter stärker in eigene Chips investieren“, sagt Jacob Bourne, Analyst bei eMarketer. „Dadurch richtet sich der Fokus auf die Themen, ob der Konzern seine Dominanz behaupten kann und Fragen zur Rendite von Unternehmensinvestitionen zunehmen.“

Richard Clode, Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors, ergänzt: „Die Debatte dreht sich weniger um die hervorragenden kurzfristigen Ergebnisse als vielmehr um die Nachhaltigkeit der KI-Investitionen angesichts der Bedenken hinsichtlich ihres Umfangs, ihrer Monetarisierung und des verschlechterten Cashflows.“

46-223141607

Marktstratege Stephen Innes vom Vermögensverwalter SPI Asset sagt, es reiche nicht mehr, die Erwartungen zu übertreffen. Der KI-Zyklus sei vielmehr bereits so weit fortgeschritten, dass sich die Anleger zunehmend fragten, wie lange es noch so rasant weitergehen werde.

Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank verwies auf die Zweischneidigkeit der Nvidia-Zahlen: „Längst sind Signale eines schnelleren KI-Ausbaus kein Grund mehr für Anleger, in Jubel-Arien zu verfallen.“ Zudem ließen Aussagen von Nvidias Finanzchefin Collette Kress zu einem langfristig möglicherweise stärkeren Druck durch chinesische Konkurrenten aufhorchen.

„Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst exponentiell“, versuchte Konzernchef Jensen Huang zu beruhigen. Mit der kommenden Prozessorgeneration werde der Konzern seine führende Marktposition ausbauen. Und Nvidia bleibt mit 4,6 Billionen Dollar das wertvollste Unternehmen der Welt.

Kommentare