Wirtschaft
19.04.2018

VW-Abgasskandal: VKI-Sammelaktion in Österreich angelaufen

360.000 Fahrzeuge in Österreich betroffen. Anmeldung bis zum 20. Mai.

Die Sammelklage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) gegen Volkswagen steht. Bis 20. Mai können sich vom Abgasskandal betroffene Autokäufer auf verbraucherrecht.at anmelden. Der Organisationsbeitrag beträgt 120 bzw. 50 Euro. Als Prozessfinanzierer fungiert die deutsche Roland ProzessFinanz AG, die im Erfolgsfall zwischen 10 und 37,5 Prozent verdient und dafür das Kostenrisiko trägt.

"Es kann nicht sein, dass vorsätzliche Manipulationen in diesem Ausmaß ohne Folgen bleiben und österreichische KonsumentInnen auf ihrem Schaden sitzen bleiben", sagte VKI-Chefjurist Thomas Hirmke.

Es geht um Dieselmotoren des Typs EA 189 der Marken VW, Audi, Seat und Skoda, die der deutsche Autokonzern mit Hilfe einer unzulässigen Motorsteuerungssoftware manipuliert hat, um den Stickstoffausstoß bei Abgastests zu senken.

360.000 Kfz betroffen

In Österreich sind rund 360.000 Fahrzeuge betroffen. Der VKI geht von einer Wertminderung von 20 Prozent und von Folgeschäden durch das Softwareupdate aus, wie er am Donnerstag erklärte. Ausgeschlossen von der VKI-Aktion sind Leasingfahrzeuge mit aufrechtem Leasingvertrag und Firmenfahrzeuge.

Die Quote, die der Prozessfinanzier erhält, ist abhängig davon, in welchem Stadium der Streit beendet wird, beträgt aber mindestens 10 Prozent. Sollte es bis zum Höchstgericht in die dritte Instanz gehen, beträgt die Quote 37,5 Prozent. Für die Teilnehmer der VKI-Klage gibt es abseits des Organisationsbeitrags keine Kosten.

Weitere Sammelaktion eines privaten Vereins

Damit gibt es in Österreich nun zwei Sammelaktionen, die von VW Schadenersatz fordern. Vor einem Monat stellte der private Verein Cobin Claims mit dieselklage.at eine ähnliche Aktion vor. Heuer am 18. September verjähren die Ansprüche aus dem 2015 bekannt gewordenen Abgasmanipulationsskandal.

Eine "echte" Sammelklage, die der VKI seit Jahren fordert, gibt es in Österreich nicht. Für die Klagen gegen VW müssen die Konsumentenschützer in die juristische Trickkiste greifen: Die Verjährung wird über einen Privatbeteiligtenanschluss an das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft (WKStA) unterbrochen, gleichzeitig muss der Betroffene seine Ansprüche an den VKI abtreten, der dann als Kläger auftritt.

50 Euro Organisationsbeitrag

5.000 österreichische VW-Kunden haben sich bereits über den VKI als Privatbeteiligte den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Volkswagen angeschlossen. Für sie gilt der niedrigere Organisationsbeitrag von 50 Euro. Der VKI kooperiert bei den Musterklagen mit den zwei Anwaltskanzleien Poduschka und Brauneis Klauser Prändl.