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Wirtschaft
09/27/2021

Vonovia: Deutschlands neuer Immo-Gigant unter der Lupe

Durch die Fusion mit Deutsche Wohnen sind eine halbe Million Wohnungen in einer Hand. Was die Fusion für Mieter, Markt, Anleger und für Österreich bedeutet

Im dritten Anlauf gelang die größte Übernahme am deutschen Immobilienmarkt. Gut eine Woche vor Ende der Annahmefrist am 4. Oktober sicherte sich Vonovia bereits am Montag die Mehrheit am Berliner Mitbewerber Deutsche Wohnen. Die Fusion ist damit endgültig durch. Doch was bedeutet sie? Der KURIER ging den wichtigsten Fragen nach.

Wie groß ist der neue Immobilienriese?Durch die Fusion entsteht der größte private Wohnimmobilienbesitzer Europas. Der Nummer eins Vonovia gehören in Deutschland rund 400.000 Wohnungen, Deutsche Wohnen besitzt als Nummer Zwei 150.000. Gemeinsam kommt Vonovia SE mit 16.000 Mitarbeitern auf eine Marktkapitalisierung von 45 Mrd. Euro. Der Wert der Immobilien beläuft sich auf rund 80 Mrd. Euro.

Welche Auswirkungen auf den Immobilienmarkt werden erwartet?

Vor allem in Berlin werden diese erwartet. Deutsche Wohnen hat dort 70 Prozent ihres Immobilienbestandes, erworben durch Privatisierungen öffentlicher Wohnungsbaugesellschaften. Für den Gesamtmarkt dürfte es laut Beobachtern weniger Auswirkungen geben, zumal es allein in Deutschland 20 Millionen Mietwohnungen gibt. Aus diesem Grund dürften die Kartellwächter die Fusion auch durchwinken. Der Ökonom Marcel Fratzscher sieht den Deal kritisch: „Eine Fusion ist problematisch, da es dadurch weniger Wettbewerb geben dürfte und die Marktmacht des neuen Konzerns noch stärker wird“, sagte er dem Handelsblatt.

Wer steht hinter Vonovia?

Vonovia ging 2015 aus dem Zusammenschluss der Deutschen Annington und der GAGFAH hervor. Hauptsitz ist Bochum. Der Konzern notiert an der Frankfurter Börse und befindet sich zu 76 Prozent im Streubesitz. Größte Einzelaktionäre sind die US-Fondsgesellschaft Blackrock mit ca. neun Prozent, die Norges Bank (sechs Prozent) und Fidelity (3,3 Prozent). Blackrock und die US-Bank J.P. Morgan Chase sind auch an Deutsche Wohnen beteiligt.

Was bedeutet die Fusion für die Mieter?

Diese fürchten vor allem höhere Mietpreise und schlechteres Service. In Berlin, wo der Mietendeckel für verfassungswidrig erklärt worden ist, werden ausstehende Gelder von den Mietern eingefordert. Der Volksentscheid zu den Enteignungen richtete sich auch gegen Deutsche Wohnen. Der fusionierte Konzern will daher 20.000 Wohnungen an die kommunalen Wohnungsgesellschaften der Stadt Berlin verkaufen, wovon 14.750 bereits an die öffentlichen Wohnungsgesellschaften Degewo, Howoge und Berlinovo gingen. Vonovia verspricht weiters, die Mieten bis 2026 um lediglich ein Prozent anzuheben. Zudem sollten Mieter bei Modernisierungen nur mit zwei Euro pro Quadratmeter beteiligt werden.

Welches Potenzial hat Vonovia an der Börse?

Analysten werten den Deal positiv und sehen großes Wachstumspotenzial. Unter Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch ist Vonovia schon in den vergangenen Jahren durch Zukäufe stark gewachsen. Diesen Kurs will er mit der Übernahme der Deutsche Wohnen fortsetzen. Auch Synergien werden geprüft. Die Aktien von Vonovia legten am Montag trotz Enteignungsvotum in Berlin um mehr als vier Prozent zu.

Wie groß ist Vonovia in Österreich?

Durch den Doppelschlag conwert und Buwog zählt Vonovia zu den größten Immobilienkonzernen in Österreich. 2017 übernahm Vonovia für 2,7 Mrd. Euro die börsenotierte conwert mit insgesamt 24.500 Wohnungen, davon rund 2.400 in Wien, der Rest in Deutschland (Leipzig, Berlin, Potsdam, Dresden).

Conwert verschwand von der Börse. 2018 ging um 5,2 Mrd. Euro die Buwog mit rund 50.000 Wohnungen, die Hälfte davon in Österreich, ins Portfolio der Deutschen über. Der Name Buwog blieb. Buwog-Chef Daniel Riedl stieg im Mai 2018 in den Vonovia-Vorstand auf und ist für das Development-Geschäft und für Österreich zuständig.

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