© APA/AFP/JOHN MACDOUGALL

Wirtschaft
06/02/2021

Fusion zu Europas größtem Immokonzern nimmt Form an

Milliardendeal zwischen Vonovia und Deutsche Wohnen wirft Fragen auf. Das Kartellamt prüft, Tausende Mieter sind in Sorge.

von Anita Staudacher

Mehr als eine halbe Million Wohnungen in einer Hand: Die am Pfingstwochenende bekannt gewordenen Pläne für eine Mega-Fusion der beiden deutschen Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen zu Europas größtem Konzern für Wohnimmobilien wirbeln gehörig Staub auf. Während Aktionäre sich ob der Fusionseuphorie über steigende Kurse freuen, fürchten sich Tausende Mieter vor steigenden Preisen. Das Thema Mieten und bezahlbarer Wohnraum ist in den deutschen Metropolen, allen voran Berlin, ein Dauerstreit- und Wahlkampfthema.

Mit Spannung wird daher die Entscheidung des Bundeskartellamtes erwartet. Am Mittwoch wurde der geplante Zusammenschluss erneut zur Prüfung angemeldet. Die Wettbewerbshüter hatten bereits 2015 einen ersten Versuch Vonovias, den kleineren Konkurrenten zu schlucken, geprüft und ohne Auflagen freigegeben. Der Übernahmeversuch scheiterte aber am Widerstand der Aktionäre, denen der Kaufpreis von 14 Mrd. Euro zu niedrig war. Nun unternimmt Vonovia einen neuen, besser dotierten Anlauf, den auch Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen unterstützen.

18 Milliarden-Euro-Deal

Vonovia bietet für die Nummer zwei auf dem deutschen Wohnungsmarkt mehr als 18 Milliarden Euro. Je Aktie will das Unternehmen 52 Euro zahlen. Einschließlich der Dividende für das Jahr 2020 winken den Anteilseignern des vor allem in Berlin vertretenen Unternehmens 53,03 Euro. Zusammen kommen die beiden einzigen Immokonzerne im deutschen Leitindex DAX auf einen Börsenwert von rund 48 Milliarden Euro und auf mehr als 550.000 Wohnungen im Wert rund 80 Milliarden Euro.

Analysten gehen davon aus, dass das Kartellamt wohl erneut grünes Licht für die Elefantenhochzeit geben wird. Der Grund: Der weitaus größte Teil der Mietwohnungen in Deutschland gehört dem Staat, Gemeinden oder privaten Vermietern. Angesichts limitierter Übernahmemöglichkeiten am Heimmarkt kaufte Vonovia zuletzt vor allem in Skandinavien zu. In Österreich, das als Wachstumsmarkt gilt, haben die Deutschen bereits die Buwog und die Conwert gekauft.

Den Berliner Senat um SPD-Bürgermeister Michael Müller, der gegen Privatisierungen und steigende Mieten ankämpft, versucht Vonovia nun mit Zugeständnissen auf seine Seite zu ziehen. Der Konzern will 20.000 seiner rund 150.000 Berliner Wohnungen für einen Milliardenbetrag der Stadt zum Kauf anbieten. Der umstrittene Mietendeckel der rot-rot-grünen Koalition war erst kürzlich vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben worden.

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