Angriffe und Aufrüstung: „Unternehmen müssen umdenken“
Zusammenfassung
- Österreichische Unternehmen sehen sich vermehrt Drohnenüberflügen, Cyberangriffen und Spionage ausgesetzt und müssen ihre Resilienz stärken.
- Das neue Resilienzgesetz verpflichtet bis zu 600 Firmen zu Risikoanalysen und Resilienzplänen, wobei es noch an Koordination und gesetzlichen Rahmen fehlt.
- Die geopolitische Lage eröffnet Chancen für heimische Firmen im Verteidigungssektor, erfordert aber rechtliche Anpassungen und neue Exportregelungen.
Verdächtige Drohnenflüge gibt es nicht nur über NATO-Stützpunkten, Flughäfen in Deutschland oder Norwegen oder über Chemiefabriken im EU-Ausland, sondern auch bei österreichischen Firmen. Rund ein Dutzend solcher Vorfälle werde etwa bei einem großen heimischen Energieunternehmen jeden Monat beobachtet. Der Versorger dürfte kein Einzelfall sein. Auch von staatlichen Stellen beauftragte Cyberangriffe und Betriebsspionage haben zugenommen, hieß es vor Kurzem aus dem Verfassungsschutz.
Die Auswirkungen der geopolitischen Verwerfungen haben Österreich längst erreicht. Heimische Unternehmen stellt das vor Herausforderungen. Sie müssen umdenken und resilienter werden, sagt PwC-Österreich-Chef Rudolf Krickl.
Lücken bei Drohnengesetzen
Das vor Kurzem in Kraft getretene „Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz“ (RKEG) verpflichtet bis zu 600 Firmen u. a. aus den Bereichen Energie, Verkehr, Finanzmarkt, digitaler Infrastruktur und Lebensmittel Risikoanalysen und Resilienzpläne für Sabotage- und Terrorakte zu entwerfen und verdächtige Vorfälle zu melden. Vielfach fehle es noch an Koordination und gesetzlichen Rahmenbedingungen, sagt Bernhard Müller, der bei PwC für Verteidigung und Sicherheit zuständig ist.
So gebe es etwa keine zentrale Stelle, die Drohnenüberflüge flächendeckend detektiere und auch andere Betreiber kritischer Infrastruktur von den Vorfällen in Kenntnis setze. In anderen Ländern sind solche Plattformen längst in Planung. Das liege auch daran, dass es dort - anders als in Österreich - bereits zu Unterbrechungen des Flugbetriebs oder Sabotageakten auf Infrastruktureinrichtungen gekommen sei, sagt Müller: „Die Politik nimmt das nicht ernst genug.“
Auch rechtlich abgesicherte Möglichkeiten, die Drohnen vom Himmel zu holen, gebe es nicht. Es brauche einen klaren gesetzlichen Rahmen, der Befugnisse und Pflichten bei der Drohnenabwehr festlege.
Chancen für Industrie
Die veränderte geopolitische Lage bietet heimischen Firmen auch Chancen. Europa müsse aufrüsten und verteidigungsfähig sein. In den nächsten Jahren werden dafür Milliarden frei gemacht. Österreich habe Zulieferbetriebe, die einen Beitrag zur Rüstungsproduktion leisten können, sagt Müller. Viele davon überlegen, in den Wachstumsmarkt einzusteigen. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Die Firmen müssen Zertifizierungen erlangen und Militärstandards einhalten. Die Stückzahlen seien nicht hoch: „Es ist ein Langfristgeschäft.“
Um heimischen Firmen den Einstieg in den Bereich zu erleichtern, seien Änderungen im Exportkontrollrecht und im Neutralitätsrecht notwendig. Unternehmensfreundlichere Regelungen regt Müller auch für Industriekooperationen oder wie es früher hieß „Gegengeschäften“ bei Rüstungskäufen an.
Das Potenzial ist groß. „Wenn mehr Firmen an der Wertschöpfung in dem Bereich teilhaben, kann das in Kombination mit der Energiewende die Reindustrialisierung Europas und Österreichs bewirken“, sagt PwC-Chef Krickl.
Kommentare