UNIQA-Chef Brandstetter: „Gesundheit ist die neue Altersvorsorge“
Die Debatten um Wahlärzte, Zweiklassenmedizin, Gastpatienten und immer höhere Ausgaben für Spitäler, Medikamente sowie Behandlungen bekommen auch die Versicherungen zu spüren. Allerdings aus ihrer Sicht im positiven Sinne. „Die Menschen geben Geld für eine Versicherung oder entsprechende Dienstleistungen aus“, sagt dazu Andreas Brandstetter, Vorstandsvorsitzender der Uniqa. „Gesundheit ist die neue Altersvorsorge.“
Die Uniqa ist in dem Bereich Marktführer in Österreich, wo bereits 40 Prozent über eine private Krankenversicherung verfügen. Die verrechneten Prämien legten konzernweit um 6,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu, 95 Prozent davon aus Österreich. Damit liegt der Zuwachs über jenem in der Sparte Lebensversicherung (5,1 Prozent).
Riesenbedarf
Brandstetter kann auf eine entsprechende Frage sichtlich wenig mit dem Begriff „Zweiklassenmedizin“ anfangen. Es gebe einen „Riesenbedarf“ an medizinischen Zusatzleistungen. Und budgetär stehe der Staat ohnehin mit dem Rücken zur Wand, spricht er sich für eine Entlastung mithilfe privater Ausgaben aus. Auch Telemedizin werde zur Entlastung des Systems nicht vor Österreich Halt machen.
Für Brandstetter ist Gesundheit nicht nur über neue Versicherungsverträge ein Wachstumsmarkt, sondern auch über entsprechende Dienstleistungen. 2020 ging die Tochter Mavie an den Start, die sich auf betrieblicher Ebene um entsprechende Gesundheitsvorsorge kümmert. Seit dem Vorjahr ist Mavie neben Österreich und Deutschland in sechs weiteren Märkten Ost- und Zentraleuropas (CEE) tätig. Es konnten im Vorjahr 1.000 neue Unternehmen als Kunden gewonnen werden. Der Umsatz von Mavie liegt laut Brandstetter bei 250 Millionen Euro.
In der Sparte Lebensversicherung wiederum verzeichnet Uniqa das größte Wachstum in den CEE-Märkten. In Österreich seien es im Vorjahr nur 1,8 Prozent gewesen. „Die Lebensversicherung wurde schon oft totgesagt“, gibt sich Brandstetter zuversichtlich. Dass um 30 Prozent mehr an Mitteln abfließen als neu hinzukommen, liegt laut Uniqa-Finanzvorstand Kurt Svoboda an der Hochphase bei Lebensversicherungen vor zehn bis 15 Jahren. „Das ist ein Effekt, der uns noch einige Jahre begleiten wird.“ Über Sparprodukte werde versucht, das Geld im Konzern zu halten.
Gut kapitalisiert
Apropos Geld: Ähnlich wie bei Mitbewerber Vienna Insurance Group (der KURIER berichtete in der gestrigen Ausgabe, Anm.) ist ausreichend Kapital vorhanden. Doch während die VIG sich laut eigener Aussage in einigen Gesprächen zu Übernahmen in CEE befindet, habe die Uniqa konkretes bzw. spruchreifes derzeit nicht im Auge, so Brandstetter. „Wir sind für alles offen, was sich in der Region tut.“ Nach dem Ausstieg aus den zu kleinen Märkten Albanien, Nordmazedonien und Kosovo bekräftigte Svoboda aber erneut, zu Osteuropa zu stehen und auch abseits von dieser Region zu Akquisitionsmöglichkeiten.
Insgesamt steigerte die Uniqa den Gewinn vor Steuern um 16,9 Prozent auf 516,4 Millionen Euro. Heuer sollen es 540 bis 570 Millionen Euro werden – vorbehaltlich außergewöhnlich hoher, negativer Belastungen durch Naturkatastrophen oder Kapitalmarktverwerfungen. Nach den guten Zahlen soll die Dividende von 0,60 auf 0,72 Euro je Aktie steigen. Mit einer Zielausschüttungsquote von 50 bis 60 Prozent auf Basis einer jährlich steigenden Dividende wollen wir unseren Aktionären eine attraktive Erfolgsbeteiligung bieten“, so Brandstetter.
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