Wirtschaft
19.07.2018

„Trump ist nicht der Nabel der Welt“

EU-Kommissar Moscovici dämpft Erwartungen vor Junckers USA-Reise – Autobauer sind alarmiert.

Die USA dürfen sich keine Hoffnungen machen, dass die EU die Einfuhrzölle speziell auf amerikanische Waren – etwa Autos – senkt. Ohne Freihandelsabkommen sei das unmöglich, sagte EU-Kommissar Pierre Moscovici zur Augsburger Allgemeinen.

Diese Vergünstigungen müssten laut WTO für alle Länder gelten. „Autonome Zollsenkungen durch die EU wären ein Geschenk an Erzeugerländer wie China und Indien und ein Schlag ins Gesicht für Handelspartner wie Japan und Korea, mit denen wir ausgewogene Freihandelsabkommen ausgehandelt haben“, sagte der Franzose. „Trump ist nicht der Nabel der Welt und wir richten unser Handeln nicht alleine nach den USA aus, sondern tun, was für die EU wichtig und richtig ist.“

Die Lösung müsse die Modernisierung des Welthandelssystems sein. Am 25. Juli ist Kommissionschef Jean-Claude Juncker im Weißen Haus zu Gast.

Die EU bereitet eine neue Liste zu Vergeltungszöllen auf US-Waren vor, falls die USA Ernst machen und die Einfuhr europäischer Autos verteuern. Am Donnerstag fand dazu in Washington ein Hearing vor dem Handelsministerium statt. Industrievertreter liefen gegen die Zollpläne Sturm – Autobauer und Zulieferer wie VW, BMW, Bosch, aber auch Chinas Autoindustrie warnten, die Strafzölle würden amerikanische Arbeiter Jobs kosten. Auch die US-Getreidelobby ist besorgt: Sie fürchtet die Retourkutsche aus der EU und dem Rest der Welt.

Ab nach Schweden

Indes rüsten sich die Autobauer intern. Volvo wird den SUV XC60 für US-Kunden künftig nicht mehr in China produzieren, sondern in Schweden. Damit vermeidet man (vorerst) jene US-Strafzölle, die gegen China verhängt wurden. Volvo ist seit 2010 eine Tochter des chinesischen Geely-Konzerns.