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© Kurier/Gilbert Novy

Wirtschaft
06/30/2022

Sommersaison rettet das Wachstum

Heuer könnte ein Wachstum von bis zu vier Prozent möglich sein. Russische Gaslieferungen bleiben ein Risikofaktor und die Inflation bleibt auch 2023 hoch.

Die Experten im Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und im Institut für Höhere Studien (IHS) sind sich einig: Nach dem Erholungsjahr 2021 soll die Wirtschaft heuer in Österreich trotz Pandemie-Nachwirkungen und Ukraine-Krieg kräftig wachsen.

Das Wifo errechnet für dieses Jahr ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 4,3 Prozent und erhöht damit die Prognose vom März, die bei 3,9 Prozent lag. Das IHS geht heuer von einem BIP von 3,8 Prozent aus. Zum Vergleich: 2021 lag das Wachstum bei 4,8 Prozent. Grund für diese   optimistischen Wachstumsprognosen sind die ersten beiden Quartale 2022. Da hat das  Aus der Corona-Beschränkungen einen kräftigen Anschub gegeben, der aber ab dem 3. Quartal verloren gehen dürfte. 

 

Die Nachwirkungen der Corona-Krise, der Ukraine-Krieg, Inflation, unterbrochene Lieferketten und die Straffung der Geldpolitik durch die Zentralbanken verlangsamen den Aufschwung der Wirtschaft weltweit. Dennoch schätzt das Wifo die Lage für Österreichs Volkswirtschaft „nach wie vor günstig“ ein.

Industrie schwächelt, Tourismus treibt 

Der Tourismus, allen voran die  Hotellerie und die Gastronomie, stützen das Wachstum. Und sorgen für einen Beschäftigungsrekord in diesem Jahr. Belasten könnten den Tourismus jedoch neuerliche Corona-Schutzmaßnahmen bei steigenden Covid-Infektionszahlen. Die Industrie und das Bauwesen schwächen das Wachstum hingegen. Grund sind etwa hohe Baukosten, die mitunter dazu führen, dass geplante Projekte nicht oder nur langsam umgesetzt werden.
 

 

Für 2023 sind die Institute weniger optimistisch. Die Wirtschaft dürfte   nur 1,6 (Wifo) bzw. 1,4 Prozent (IHS) wachsen.

Hartnäckige Inflation

„Das dominierende Thema ist die Rekordinflation. Mit knapp 8 Prozent ist das die höchste Rate seit fast 47 Jahren. Eine Generation von Österreichern hat so etwas noch gar nie erlebt“, so Wifo-Chef Gabriel Felbermayr. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) steigt zaghaft, die Kreditzinsen für Häuslbauer wesentlich schneller.  

Das Wifo erwartet in diesem Jahr ein Ansteigen der Inflation auf 7,9 Prozent, 2021 lag diese bei 2,8 Prozent. Die bisher von der EZB angestrebten zwei Prozent  Inflation seien in den nächsten Jahren nicht zu erreichen. 2023 soll sich die Teuerungsrate auf 5,3 Prozent abschwächen.

„Wir müssen froh sein, wenn wir auf vier Prozent kommen“, so IHS-Chef Klaus Neusser. „Die Zentralbanken befinden sich in einer historisch schwierigen Lage“, so Felbermayr.  Man müsse der EZB aber zugestehen, dass sie sich schwer tue – bei einer Inflation von 5,8 Prozent in Frankreich und 21 Prozent in Estland. 

 

 

Privater Konsum stabil

Trotz der hohen Inflation ist der private Konsum nach Aufhebung der Corona-Maßnahmen durchaus ein Konjunkturmotor.   Dies gilt insbesondere für den Bereich Gastronomie und Beherbergung. Das IHS sieht mit einem Wachstum von 4,4 Prozent  in diesem Jahr den privaten Konsum als wesentlichen Wachstumstreiber.

Horrorszenarien unwahrscheinlich

Ein Gaslieferstopp, oder eine weitere drastische Senkung der Lieferungen, berücksichtigt diese Prognose nicht, aber solche Szenarien wurden berechnet.  In der schärfsten Form würde ein Ausbleiben von Gas zu einem Konjunktureinbruch führen – solche Entwicklungen seien für Wifo und IHS aber unwahrscheinlich.

Die Annahmen für die Berechnungen sind unbeständig. Geht man davon aus, dass es plötzlich 30 Prozent weniger Gas gibt, könnte das zu einem BIP-Einbruch von 3 Prozent und einem Beschäftigungsrückgang von 4 Prozent führen. Was genau passiert, hängt aber vor allem davon ab, wie viel Gas durch andere Energieträger ersetzt werden kann, so Neusser.

"Wenn man wirklich Horror haben will", so Felbermayr, dann müsse man die Zahlen für einzelne Regionen rechnen. Denn für Wien heiße ein Gaslieferausfall ganz etwas anderes als für die Industrieregionen, etwa im Zentralraum Oberösterreich oder in der Mur-Mürz-Furche. Die Probleme wären konzentriert in diesen Regionen. Das wäre dann politisch ungleich schwerer handzuhaben und ein großer Unterschied zur Corona-Krise.

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