Was Reparatur-Cafés erfolgreich macht
Zusammenfassung
- Reparatur-Cafés in Österreich verzeichnen wachsenden Zulauf, mit einem Anstieg der Besucherzahlen um 50 % auf 18.000 laut aktueller Studie.
- 95 Initiativen mit rund 1.900 Freiwilligen bieten Reparaturmöglichkeiten an über 227 Standorten, vor allem für ältere Menschen und Familien.
- Studienautorinnen fordern mehr politische und finanzielle Unterstützung sowie stärkere Vernetzung und Einbindung in Förderprogramme.
Reparatur-Cafés verzeichnen steigenden Zuspruch. Die Anzahl der Besucherinnen und Besucher der ehrenamtlichen Initiativen, bei denen gemeinsam unter fachkundiger Anleitung Haushaltsgeräte, Fahrräder oder Elektrogeräte repariert werden, ist in den vergangenen Jahren um die Hälfte gestiegen. Von 12.000 auf 18.000, wie eine aktuelle Studie von Arbeiterkammer, Umweltdachverband und Re-Use Austria ergab.
Rund 1.900 Freiwillige engagieren sich bei Repair Cafés. Die Ehrenamtlichkeit sei ein zentraler Erfolgsfaktor, sagte Studienautorin Maria Langsenlehner vom Umweltdachverband.
Fast 100 Initiativen österreichweit
95 Initiativen mit mehr als 860 Veranstaltungen an 227 Standorten wurden von der Studie erfasst. Am höchsten ist die Dichte in Salzburg und Tirol, am niedrigsten in Wien.
Die Mehrheit der Initiativen sei ohne formale Struktur oder als Verein organisiert. Auch Kommunen und kirchliche Einrichtungen fungieren als Träger der Repair Cafés, die oft in Bildungseinrichtungen, Gemeindesälen oder Veranstaltungs- und Kulturzentren stattfinden.
Für den Erfolg wichtig seien auch Service- und Koordinierungsstellen, die Nutzung bestehender Infrastrukturen und die rechtliche Absicherung, sagte Langsenlehner. Ein umfangreiches Verzeichnis solcher Repair Cafés findet sich unter repaircafes.at.
Von Älteren und Familien genutzt
Besucht werden die Reparatur-Cafés vorwiegend von der älteren Generation, aber auch Familien, sagte Langsenlehner. Wobei bei letzteren auch ökonomische Gründe eine Rolle spielen. Junge Menschen fehlen weitgehend. Deshalb sei es wichtig, das Thema auch an die Schulen zu bringen, sagte die Studienautorin.
Entstanden ist die Idee in Amsterdam. Dort fand 2009 auch das erste Repair Café statt. Steit 2013 gibt es solche Initiativen auch in Österreich. "Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und zeigen, dass Kreislaufwirtschaft funktioneren kann”, sagt Nina Birkner-Tröger von der Abteilung Konsumentenpolitik in der AK Wien.
Mehr politische Unterstützung gefordert
Birkner-Tröger mahnte mehr politische Unterstützung und die Verankerung von Strukturen sowohl auf Bundes- als auch Landesebene, die Initiativen untereinander vernetzen und über Veranstaltungen informieren. Wo es Koordinationsstellen gebe, laufen solche Repair Cafés stabil, wenn nicht, stoßen Freiwillige schneller an ihre Grenzen, sagte Studienautorin Langsenlehner.
Angeregt wurde auch mehr finanzielle Unterstützung für die Reparaturinitiativen. Durch die Aufnahme in Umwelt- und Klima-Förderprogramme würden auch Gemeinden mehr Anreize bekommen, solche Angebot flächendeckend bereitzustellen.
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