Studie: Österreichs Immobilienmarkt verliert massiv an Attraktivität
Symbolbild
Zusammenfassung
- Attraktivität des österreichischen Immobilienmarkts sinkt deutlich, Konsolidierung statt Aufschwung erwartet.
- Wohnen bleibt beliebteste Assetklasse, während Büro- und Einzelhandelsimmobilien in Sekundärlagen unter Druck stehen.
- Insolvenzwelle hält an, Finanzierung bleibt schwierig, und ESG sowie KI gewinnen an Bedeutung als Preistreiber.
Der österreichische Immobilien-Investmentmarkt hat sich stabilisiert, ein neuer Aufschwung bleibt jedoch aus. Das zeigt das EY Trendbarometer Immobilien-Investmentmarkt 2026, für das über 110 Marktteilnehmer befragt wurden. Die Attraktivität des Standorts hat deutlich gelitten: Nur noch fünf Prozent der Investoren bewerten Österreich als "sehr attraktiv", ein Rückgang gegenüber 17 Prozent im Vorjahr. Bereits 41 Prozent stufen den Standort als "weniger attraktiv" ein.
Für das laufende Jahr zeichnet sich eine Phase der Konsolidierung ab. Die Mehrheit der Experten (60 Prozent) rechnet mit einem stagnierenden Investmentvolumen. Die Stimmung ist dabei deutlich vorsichtiger als zuletzt: Erwarteten im Vorjahr noch 37 Prozent einen Anstieg des Volumens, sind es für 2026 nur noch 12 Prozent. Fast ein Drittel (29 Prozent) geht sogar von einem Rückgang der Investitionen aus. Auch bei den Renditen wird mehrheitlich eine Seitwärtsbewegung über alle Assetklassen hinweg prognostiziert.
Wohnen bleibt stabil, Retail unter Druck
Bei den Nutzungsarten führen Wohnimmobilien weiterhin die Präferenzen der Investoren an, gefolgt von den Bereichen Gesundheit (Life Science) und Rechenzentren. Während sich die Preise in den meisten Segmenten stabilisieren, zeigt sich ein starkes Gefälle zwischen den Lagen.
Primärlagen gelten als wertstabil, während Sekundärlagen unter Druck stehen. Besonders im Büro- und Einzelhandelssegment rechnen viele Befragte abseits der Zentren mit Preisrückgängen. Bei Shoppingzentren in Sekundärlagen erwarten 64 Prozent der Experten sinkende Werte.
Insolvenzwelle rollt weiter
Die angespannte Situation in der Branche dürfte vorerst anhalten. 93 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die Insolvenzwelle in der Bau- und Immobilienwirtschaft 2026 fortsetzt. Ein Großteil sieht insbesondere Projektentwicklungen, die vor der Zinswende 2022 finanziert wurden, einem erhöhten Ausfallsrisiko ausgesetzt.
Auch die Finanzierung bleibt eine Hürde: Nahezu alle Teilnehmer (96 Prozent) erwarten weiterhin herausfordernde Bedingungen bei der Kreditvergabe durch Banken. Als Lösungen für Immobilien in Schieflage sehen die Experten vor allem den freihändigen Verkauf oder die Insolvenz mit anschließendem Asset-Verkauf.
KI und ESG als Preistreiber
Strukturelle Themen wie Nachhaltigkeit (ESG) und Digitalisierung gewinnen unterdessen an Relevanz für die Bewertung von Objekten. Ein Großteil der Experten erwartet, dass sich die Preiskluft zwischen ESG-konformen und nicht-konformen Liegenschaften weiter vergrößern wird. Auch Künstliche Intelligenz (KI) hält Einzug: Ein Fünftel der Unternehmen nutzt entsprechende Anwendungen bereits im operativen Alltag, vor allem zur Datenanalyse.
Kommentare