Wirtschaft 07.03.2013

Sprecher von Krisenbank sprang aus Fenster

FILE - In this Thursday, Oct. 18, 2012 file photo, people walk past a Monti dei Paschi di Siena bank in downtown Rome. Italian f… © Bild: AP/Gregorio Borgia

Gegen Monte dei Paschi laufen Ermittlungen zu Betrug, Verschwörung, Bestechung und Insiderhandel.

Der Pressesprecher der italienischen Krisenbank Monte Paschi ist tot aufgefunden worden. "Der Tod von David Rossi ist eine schreckliche Tragödie", teilte das toskanische Kreditinstitut am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite mit. Justizkreisen zufolge wird untersucht, ob der 1961 geborene Rossi Selbstmord begangen hat. Der Kommunikationsexperte, den Journalisten als sehr ernste und zurückhaltende Person beschrieben, war zwar in den jüngsten Untersuchungen zum Korruptions- und Betrugsverdacht bei der Bank nicht selbst Beschuldigter. Allerdings wird gegen seinen jahrelangen Förderer und Ex-Verwaltungsratschef Giuseppe Mussari ermittelt.

Andrea Greco von der Tageszeitung La Repubblica sagte, die jüngsten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen hätten Rossi mitgenommen und unter Druck gesetzt. Auch sein Haus wurde im Februar im Rahmen einer größeren Razzia untersucht. Die Ermittlungen drehen sich um die Hintergründe bei der Übernahme der Regionalbank Antonveneta im Jahr 2007 sowie Verluste aus komplexen Derivate-Geschäften.

Unter Fenster gefunden

Rossi wurde laut Zeugen vor der Zentrale der Bank in Siena, einer restaurierten Festung aus dem 14. Jahrhundert, unter einem offenen Fenster liegend und in eine Decke gehüllt aufgefunden. Mehrere italienische Nachrichtenagenturen meldeten, er habe sich das Leben genommen.

Rossi kam 2001 zur Stiftung des Kreditinstituts, die größter Aktionär der Bank ist. Er begann als Sprecher und Assistent von Mussari, damals Chairman der Stiftung. Als dieser Verwaltungsratschef der Bank wurde, wechselte auch Rossi als Sprecher mit. Zuletzt war er Chef der Kommunikationsabteilung. Mussari wird vorgeworfen, die Aufseher getäuscht, die Märkte manipuliert und falsche Angaben zur Antonveneta-Übernahme gemacht zu haben.

Umstrittene Derivate-Geschäfte

Die älteste Bank der Welt fordert Justizkreisen zufolge inzwischen 1,2 Mrd. Euro Schadenersatz von ehemaligen Top-Managern sowie der Deutschen Bank und dem japanischen Investmenthaus Nomura. Hintergrund sind die umstrittenen Derivate-Geschäfte, die dem Institut einen Verlust von 730 Mio. Euro eingebrockt haben. In einem Fall sollen zwei frühere Manager, darunter Mussari, sowie Nomura rund 700 Mio. Euro berappen. Wegen eines anderen Derivate-Deals sollen die Deutsche Bank und die beiden Ex-Führungskräfte von Monte Paschi mindestens 500 Mio. Euro zahlen.

Die Deutsche Bank, die rund um den Globus mit zahlreichen Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen hat, und Nomura wollten sich nicht dazu äußern.

Erstellt am 07.03.2013