Wie Bosch mit Sensorik die Medizintechnik verändern will
Intelligente Sensorik, wie sie in diversen Fahrassistenzsystemen im Auto bereits länger zum Einsatz kommt, erobert sukzessive den Alltag durch immer breitere Einsatzmöglichkeiten. Laut Experten könnte der globale Markt für Sensoren bis 2031 mehr als 440 Milliarden Dollar erreichen. Der deutsche Technologiekonzern Bosch ist einer der führenden Anbieter in diesem Segment und nutzt seine Eigenentwicklungen, um sie mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) etwa in Haushaltsgeräten, in der Heizungs- und Klimatechnik, in Robotern und zunehmend auch in der Medizintechnik anzuwenden.
„Die Medizintechnik passt gut zu uns“, sagte Bosch-Konzernchef Stefan Hartung anlässlich der Jahrespressekonferenz am Forschungscampus im deutschen Renningen, wo 2.100 Entwickler beschäftigt sind. Der zuletzt etwas ins Schlingern geratene Autozulieferer nutzte den Termin, um seine aktuellen Forschungsschwerpunkte zu präsentieren. Nur mit Innovation, so der Grundtenor, könne man gegen die zunehmende Tech-Konkurrenz aus China am Weltmarkt bestehen. Einer dieser Zukunftsbereiche ist die Medizintechnik, wo Bosch mithilfe von Quantensensorik an diversen diagnostisch-kardiologischen Lösungen forscht. Optische Lösungen – sogenannte Magnetkardiografie – kommen anstelle von EKG zum Einsatz. Der Vorteil: Der Patient muss nicht berührt werden.
Ein Beispiel, das bereits Marktreife erlangt hat, ist ein tragbares Hämoglobin-Messgerät, das Blutarmut frühzeitig erkennt, ohne dass dafür Blut benötigt wird. Das Gerät soll vor allem in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen.
Was noch wenig bekannt ist: Bosch ist auch in der Krebsdiagnostik aktiv, und zwar im Aufspüren von winzigen Tumoren im Blut. Ein Bereich, der großes Wachstum verspricht.
Automatisiertes Fahren
Auch das automatisierte Fahren, ein Kerngeschäft von Bosch, hängt maßgeblich von Kamera und Sensoren ab. Dabei erobert die Verknüpfung Mensch mit Maschine zunehmend den Innenraum des Autos. „Das Fahrzeug erkennt, wer am Steuer sitzt und ob noch weitere Passagiere an Bord sind – und stellt vom Außenspiegel über das Fahrverhalten bis hin zur optimierten Airbag-Auslösung im Unglücksfall alles ein“, erläutert Hartung. Wie viel „Bevormundung“ in ein Serienauto eingebaut werde, entscheide letztlich der Hersteller, heißt es auf Nachfrage.
Laut Mathias Pillin, Technikchef bei Bosch, konzentriere man sich in den nächsten Jahren vor allem auf drei Felder: Energieeffizienz, moderne Fahrzeugarchitektur durch eine Entkoppelung von Software und Hardware sowie künstlicher Intelligenz (KI) bei der Sensorik. „Wir setzen KI flächendeckend in allen unseren Produkten ein.“
Sensorik
Die Sensorik, so etwas wie die Sinneswahrnehmung, erfasst die physische
Umgebung und überträgt Informationen in die virtuelle Welt. Sensoren sorgen dafür, dass die richtigen Daten zur richtigen Zeit und in angemessener Qualität erhoben und durch Rechenleistung verarbeitet werden. In den Sensoren verbaute Recheneinheiten verarbeiten die Daten mithilfe von klassischen und KI-Algorithmen.
Wachstumsmarkt
Der Markt für Sensoren wird auf 440 Milliarden Dollar im Jahr 2031 geschätzt.
Während der Automotive-Bereich schwächelt, wächst das Heizungs- und Klimatisierungs-Geschäft. Grund dafür ist die Übernahme der Mitbewerber Johnson Controls und Hitachi, wodurch Bosch nun global aufgestellt ist, und die starke Nachfrage nach Wärmepumpen. Bosch will hier mit extrem leistungsstarken, sehr leisen Geräten sowie hybriden Modellen punkten. „Die Nachfrage war schon in den vergangenen Jahren hoch und hat durch den Irankrieg noch zugenommen“, sagt der zuständige Bereichsleiter Frank Meyer zum KURIER. Er rechnet auch in den nächsten Jahren mit starken Zuwächsen, allerdings brauche es auch weiter eine „Anschubfinanzierung“ durch den Staat in Form von Förderungen.
Rote Zahlen
Milliardenkosten für den Stellenabbau und die US-Zölle bescherten Bosch im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von 400 Mio. Euro. Der Umsatz konnte dank guter Geschäfte außerhalb Europas um 4,1 Prozent auf 91 Mrd. Euro gesteigert werden. Der Mitarbeiterstand sank durch den Abbau von rund 5.000 Beschäftigten vor allem in Deutschland auf 412.000. 2026 wird mit einem mageren Wachstum von höchstens 2 bis 5 Prozent gerechnet.
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