Petrom-Chefin Christina Verchere

© OMV Petrom

wirtschaft von innen
05/08/2021

Seele-Nachfolge: Eine Frau an der Spitze der OMV?

Petrom-Chefin auf Kandidaten-Liste, Gespräche in Abu Dhabi, internationale Manager sagen ab. OMV-Aufsichtsrat will Vertrag des Borealis-CEO sehen

von Andrea Hodoschek

Das Wettrennen um die Nachfolge von OMV-Chef Rainer Seele ist längst eröffnet. Noch ist das Ergebnis offen. Die Frage, wer der künftige Chef von Österreichs größtem börsenotierten Unternehmen wird, ist am Wochenende Thema von Sitzungen in Abu Dhabi. Dort treffen einander Vertreter der beiden Hauptaktionäre, der Mubadala und der Staatsholding ÖBAG.

Die österreichische Seite präferiert eine Nachbesetzung aus dem Konzern. Dieser Kandidat hätte den Vorteil, das Unternehmen bereits zu kennen und die Nachbestellung könnte rascher erfolgen. Wie man hört, gibt es bereits eine interne Liste. Und da zeichnet sich eine große Überraschung ab. Erstmals könnte eine Frau die Spitze des Gas-, Öl- und Chemiekonzerns OMV erklimmen. Eine Managerin mit internationaler Erfahrung, die in der Branche bestens bekannt ist.

Es handelt sich um Christina Verchere, 50, seit 2018 CEO der börsenotierten rumänischen Petrom. Die OMV hält am größten Öl- und Gaskonzern in Süd- und Südosteuropa 51 Prozent, 21 Prozent der rumänische Staat. Die ertragsstarke Petrom-Gruppe zählt knapp 11.000 Mitarbeiter. Verchere fuhr 2020 trotz Corona 1,29 Milliarden Euro Nettogewinn ein.

Jüngste der internen Spitzenkandidaten

Die gebürtige Schottin kommt von BP und war dort zuletzt Regional-Chefin für den asiatischen und pazifischen Raum. Ihr Nachteil ist, dass sie nicht deutsch spricht. Aber das ließe sich mit gutem Willen rasch erlernen.

Als die OMV 2005 die Petrom übernahm, war das Unternehmen kommunistisch geprägt, schwer defizitär und hatte 70.000 Mitarbeiter. Wäre die Sanierung nicht gelungen, wäre die damals erst 5500 Mitarbeiter große OMV an dem Brocken erstickt. Die Transformation der Petrom schaffte ausgerechnet jener OMV-Manager, der ebenfalls zu den Kandidaten für die Seele-Nachfolge zählt.

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Johann Pleininger, 59, einst als Lehrling bei der OMV begonnen und heute, 44 Jahre später, Vize-Generaldirektor. Durch gezielte und unvollständige Informationen aus einem Mitarbeiter-Meeting sollte Pleininger desavouiert werden. Er leitet den Upstream-Bereich, das klassische Öl- und Gasgeschäft. Dabei muss es nicht bleiben, Pleininger wird durchaus zugetraut, die OMV strategisch -fit aufzustellen. Er kennt den Konzern und könnte die Fronten, die Seele aufriss, wieder befrieden.

Gegenkandidat ist, der KURIER berichtete, der ehemalige Borealis-CEO Alfred Stern, 56. Die OMV will sich mit der Petrochemie breiter aufstellen, was für Stern spricht. Auch er gilt als anerkannter Top-Manager, hat aber keine Börsenerfahrung.

Auf der Liste stehen noch weitere interne Namen, es dürfte sich allerdings um Zählkandidaten handeln.

OMV-Aufsichtsratschef Mark Garrett wird an der Gerüchtebörse ebenfalls als möglicher CEO gehandelt. Doch wie zu hören ist, soll das für Garrett kein Thema sein.

Inzwischen sind Headhunter ausgeschwirrt, um auch externe Bewerber zu suchen. Wie ein Rundruf des KURIER ergab, dürften die Berater noch kein Jagdglück haben. Bereits einige internationale Manager sollen mit dem Hinweis auf die Intrigen bei der OMV dankend abgelehnt haben.

Einen festgelegten Zeitpunkt für die Hofübergabe gibt es nicht. Das hängt davon ab, wie rasch der neue CEO gefunden wird und wie flott Seele anschließend die Übergabe durchzieht.

Gangl-Vertrag

Der großzügige Vertrag von Thomas Gangl, Ex-OMV-Vorstand und mit April von Seele zum neuen Borealis-Chef gemacht, könnte noch ein Nachspiel haben. Die Konditionen für den Seele-Schützling widersprechen angeblich den in der OMV üblichen Standards.

Der OMV-Aufsichtsrat verlangte in der letzten Sitzung den Vertrag. Seele soll ein entsprechendes Schreiben erhalten haben. Gangl hat übrigens einen Anwalt engagiert, um sich sicherheitshalber auf die Strafanzeige der Neos zum milliardenschweren Borealis-Deal vorzubereiten.

 „Betriebsratskaiser“

Seit Noch-OMV-Chef Seele seine Nicht-Verlängerung angekündigt hat, brechen im Konzern offenbar die Schleusen. Der KURIER erhielt jetzt ein Schreiben, in dem Mitarbeiter in der Raffinerie über ihren Betriebsratschef Herbert Lindner klagen. Lindner wird als unumschränkt herrschender  „Betriebsratskaiser“ mit Naheverhältnis zu Seele  heftig kritisiert.

Lindner sei der Mann, „der sagt, wo’s langgeht“. Neue Lehrlinge bekämen schon in den ersten Tagen den Beitritt bei der Gewerkschaft Pro-Ge und der FSG (SPÖ) empfohlen, falls sie sich nicht den Zorn des Betriebsratschefs zuziehen wollten. Mit dem Hinweis, dass Lindner mitbestimme, wer bei internen Lohnerhöhungen wie viel bekomme.

Einigen jungen Mitarbeitern, die eine eigene Liste gründen wollten, sei „unmissverständlich“  klargemacht worden, dass sie nie wieder eine interne Lohnerhöhung bekämen und ihre Umstufung in eine höhere Lohngruppe verhindert werde. Worauf die Kandidatur zurückgezogen worden sei.
„Alles kompletter Blödsinn“ kontert Lindner gegenüber dem KURIER. Man werbe zwar bei den Neuen für die Gewerkschaft, aber in die sozialdemokratische Fraktion würden neue Mitarbeiter grundsätzlich erst nach Abschluss von Lehre und Behaltefrist aufgenommen.  

Bei außertourlichen Lohnerhöhungen habe der Betriebsrat in der OMV laut Betriebsvereinbarung lediglich eine beratende Funktion, erklärt Lindner. Es sei noch nie vorgekommen, dass er sich gegen eine Lohnerhöhung gestellt habe. Er habe kein Problem mit einer neuen Betriebsratsliste. Im Gegenteil, er ermuntere  die jungen Kollegen dazu.    

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