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Wirtschaft
01/28/2021

Rekordumsatz mit Campingmobilen in Deutschland

Urlaub mit Wohnmobil oder Caravan steht in Zeiten der Pandemie hoch im Kurs.

WÀhrend Hotels leer stehen, Flugzeuge am Boden bleiben und Kreuzfahrten abgesagt werden, laufen die GeschÀfte der deutschen Wohnmobil- und Campingwagenbranche auch in der Coronapandemie prÀchtig.

Zwar produzierten die Hersteller 2020 mit knapp 116.000 Fahrzeugen 6,9 Prozent weniger Wohnmobile und Campingwagen als im Jahr zuvor. Das lag nach Angaben des Branchenverbands CIVD aber nicht an fehlenden KĂ€ufern.

Vor allem bei Reisemobilen sei die Nachfrage enorm, berichtete CIVD-PrĂ€sident Hermann Pfaff am Donnerstag in einer Online-Pressekonferenz. Der ProduktionsrĂŒckstand durch zeitweilige Werksschließungen und gestörte Lieferketten im FrĂŒhjahr 2020 habe "trotz Überstunden und Mehrarbeit nicht aufgeholt werden können". Die Folge: Die AuftragsbĂŒcher fĂŒr 2021 seien voll.

KrĂ€ftig gewachsen ist der Handel mit Gebrauchtfahrzeugen. Fast 165.000 Wohnmobile und Caravans hĂ€tten den Besitzer gewechselt. "Die extrem starke Nachfrage ĂŒbersteigt teilweise das Angebot", sagte Pfaff.

Dank der ZuwÀchse beim Handel mit Gebrauchtfahrzeugen und dem erhöhten Verkauf von Zubehör stieg der Gesamtumsatz der Branche 2020 um 6 Prozent auf den Rekordwert von 12,5 Milliarden Euro.

"Caravaningurlaub ist in Pandemiezeiten besonders sicher", sieht Pfaff als einen Grund dafĂŒr, dass immer mehr Menschen mit Bett, Bad und KĂŒche auf Reisen gehen. Daneben profitiere die Branche auch vom demografischen Wandel. "Die solvente und unternehmungsfreudige Zielgruppe 50 plus wĂ€chst kontinuierlich", sagte der Verbandschef.

Denn der Kauf eines Wohnmobils ist nicht ganz preiswert. Mitte vergangenen Jahres hatte der CIVD den durchschnittlichen Neupreis eines solchen Heims auf vier RĂ€dern mit mehr als 70.000 Euro ermittelt.

Auch bei den Vermietern von Wohnmobilen laufen die GeschĂ€fte gut. Nach einer Stornierungswelle im FrĂŒhjahrslockdown hĂ€tten die Reservierungen schnell wieder angezogen, berichtete der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Caravaning Handels-Verbands, Oliver Waidelich. "FĂŒr 2021 gehen wir von einer weiter wachsenden Nachfrage aus."

Vermieter hĂ€tten mehr Buchungen fĂŒr FrĂŒhjahr und Sommer vorliegen als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr.

Gut gefĂŒllt waren auch deshalb 2020 die CampingplĂ€tze in Deutschland. Im vergangenen Jahr habe die Zahl der Übernachtungen wohl nur um 4 Prozent abgenommen, hieß es beim Bundesverband der Campingwirtschaft.

Verglichen mit der gesamten Beherbergungsbranche seien die CampingplÀtze noch gut davongekommen. Bei den GÀsten aus Deutschland habe es sogar ein Plus von 4 Prozent gegeben.

Caravan-Verbandschef Pfaff befĂŒrchtet, dass fehlende StellplĂ€tze seine Branche ausbremsen könnten. Wenn die Zahl der Wohnmobile und Campingwagen weiter so stark steige, "drohen an Hotspots und in der Hochsaison EngpĂ€sse". Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Campingplatzverbandes, Christian GĂŒnther, versicherte aber: "In vielen Regionen sind die KapazitĂ€ten noch lĂ€ngst nicht ausgeschöpft." Vor allem außerhalb der Sommerferien und von Feiertagen gebe es viele freie PlĂ€tze. Außerdem kĂ€men neue Anlagen dazu.

Und noch ein Argument fĂŒhrt Pfaff fĂŒr den Urlaub mit dem Mobilheim ins Feld. "Caravaning weist eine bessere Klimabilanz auf als viele andere Urlaubsformen." An den Motoren der Wohnmobile dĂŒrfte das aber kaum liegen. "Wohnmobile wirken grĂŒn", sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Im Betrieb seien die Fahrzeuge aber "alles andere als grĂŒn". Der CO2-Ausstoß der im Dezember 2020 in Deutschland verkauften Wohnmobile habe im Durchschnitt 289 Gramm pro Kilometer betragen. Das sei mehr doppelt so hoch wie der Durchschnittsneuwagen, hat Dudenhöffer errechnet. Die Wohnmobilanbieter sollten deshalb schneller in die ElektromobilitĂ€t umsteigen, entweder mit Plug-in-Hybriden oder vollelektrischen Fahrzeugen, sagte er.

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