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Bilanz
03/17/2021

RBI-Chef Strobl: „Krise kostet uns ein bis eineinhalb Jahre“

Bankchef rechnet mit einer Normalisierung der Wirtschaft ab Sommerbeginn

von Robert Kleedorfer

Für die Raiffeisen Bank International war wie für die meisten Unternehmen 2020 ein „ungewöhnliches und schwieriges Jahr“, wie es RBI-Boss Johann Strobl ausdrückt. „Das Ergebnis ist unter diesen Umständen gut.“ Die Kennziffern sind gegenüber den Anfang Februar publizierten vorläufigen Zahlen im Wesentlichen unverändert. Der Nettogewinn lag bei 804 Mio. Euro, das war in etwa ein Drittel weniger als im Jahr zuvor.

Strobl nennt dafür drei wesentliche Gründe: deutlich geringere Wirtschaftsaktivitäten wegen der Lockdowns, begleitet von Zinssenkungen in allen Märkten (zu spüren im Zinsergebnis) sowie Währungsabwertungen in für die RBI wichtigen Ländern. Infolge bleibe das Kreditwachstum im ersten Halbjahr noch verhalten, dann aber werde es eine Beschleunigung geben.

„Zu Beginn des dritten Quartals werden die Lockdown-Maßnahmen weitestgehend oder vollständig aufgehoben sein und wir werden wieder ein normales Leben führen können“, ist der Banker überzeugt. Daher hält er an den mittelfristigen Zielen der Bank fest (geringere Kosten, solides Eigenkapital). „Die Krise kostet uns ein bis eineinhalb Jahre, aber jetzt schauen wir nach vorne.“

Strobl rechnet aber mit einer raschen Erholung, denn es handle sich nicht um eine Wirtschaftskrise. Daher hält er auch an der Dividendenausschüttung von 0,48 Euro je Aktie fest. „Wir verfügen über eine gute Kapitalausstattung, die es uns erlaubt, unsere Anteilseigner am Erfolg zu beteiligen.“

Bezüglich Kredite geht Finanzvorstand Hannes Mösenbacher von einer leichten Erhöhung der Ausfallrate aus. Ende 2020 lagen die Risikovorsorgen bei 630 Millionen Euro. Davon waren 288 Millionen tatsächlich ausgefallen. Die höhere Neubildungsquote sei wegen der auslaufenden Moratorien und dem Ende der Staatshilfeprogramme zu erwarten.

Am Höhepunkt der Krise betrafen die Moratorien 10,7 Milliarden Euro an Krediten, nun seien es nur noch 2,8 Milliarden. Bisher blieben die Zahlungsausfälle nach Ende der Moratorien aber überschaubar (4,6 Prozent bei privaten Haushalten und 1,0 Prozent bei Firmenkunden).

Größter Wachstumsmarkt ist laut Strobl Tschechien, bis 2023 will er alleine aus organischem Wachstum auf 1,75 Millionen Kunden zulegen. Durch mögliche Zukäufe könnte sich diese Zahl bei der größten RBI-Tochter noch weiter steigern.

Problem in Polen

In Polen hingegen, wo sich die Bank bereits durch einen Verkauf zurückgezogen hat, ist die RBI aber noch immer in einen branchenweiten Rechtsstreit um Fremdwährungskredite verwickelt. Knapp 90 Mio. Euro wurden dafür zurückgestellt. Hier könnten Rückzahlungen von 160 Millionen Euro drohen, wenn die Gerichte zum Schluss kämen, alle Kunden seien unfair behandelt worden. Daran glaubt Strobl jedoch nicht. Und noch weniger daran, dass auch alle Wechselkursrisiken von der Bank zu tragen wären. Dann würden sich die Kosten auf 800 Millionen Euro erhöhen.

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