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Wirtschaft
07/21/2021

Pharmakonzern Novartis steigert Gewinn - Coronafolgen ebben ab

Gewinn im zweiten Quartal von 1,9 auf 2,9 Mrd. Dollar gestiegen - Weiter Herstellung des CureVac-Impfstoffs dieses Jahr geplant

 

Beim Schweizer Pharmakonzern Novartis ebben die Folgen der Coronapandemie ab. Im zweiten Quartal legte der Konzern bei Umsatz und Gewinn unerwartet deutlich zu und bekrĂ€ftigte seine Jahresziele. Nachdem Patienten zu Jahresbeginn mit Arztbesuchen und Eingriffen noch zurĂŒckhaltend waren und KrankenhĂ€user weniger bestellten, kehrt die Nachfrage in den meisten LĂ€ndern und Therapiegebieten von Novartis inzwischen wieder auf den Stand vor der Pandemie zurĂŒck.

"Wir gehen von einer weiteren Lockerung der Covid-19-Restriktionen in der zweiten JahreshĂ€lfte aus, die sich positiv auf die GeschĂ€ftsdynamik auswirken wird", kĂŒndigte der Konzern am Mittwoch an.

Finanzchef: Virusvarianten bleiben unberechenbar

An der Börse kam das gut an: Novartis-Aktien legten um zwei Prozent auf gut 85 Franken (78 Euro) zu und waren damit grĂ¶ĂŸter Gewinner im Schweizer Leitindex. Die Quartalsergebnisse hĂ€tten klar die Erwartungen ĂŒbertroffen, urteilten die Analysten des Investmenthaus Vontobel. "Dass das Unternehmen seine Prognose fĂŒr das Gesamtjahr nicht erhöht hat, deutet darauf hin, dass man noch nicht vollstĂ€ndig auf das Niveau vor der Pandemie zurĂŒckgekehrt ist und die Lage aufgrund der aufkommenden Virusvarianten etwas unberechenbar bleibt." Finanzchef Harry Kirsch sagte, das GeschĂ€ft befinde sich inzwischen durchschnittlich zu 80 bis 90 Prozent wieder auf dem Niveau vor Covid, allerdings mit starken Abweichungen je nach Therapiegebiet und Land.

FĂŒr 2021 erwartet Novartis-Chef Vas Narasimhan unter Ausschluss von Wechselkursschwankungen unverĂ€ndert einen Anstieg des Umsatzes um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag. Der um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsgewinn soll um einen mittleren einstelligen Prozentbetrag und damit stĂ€rker als der Umsatz wachsen. Im zweiten Quartal legte der bereinigte Betriebsgewinn zu konstanten Wechselkursen um 13 Prozent auf 4,35 Mrd. Dollar zu. Der Umsatz wuchs um 14 Prozent auf 12,96 Mrd. Dollar, wĂ€hrungsbereinigt stand ein Plus von 9 Prozent zu Buche.

Narasimhan: "Starkes zweites Quartal" 

"Novartis hat ein starkes zweites Quartal verzeichnet, das von der Dynamik unserer wichtigsten Wachstumsmarken geprÀgt war", sagte Narasimhan. Dazu zÀhlten vor allem das Herzmittel Entresto, die Gentherapie Zolgensma zur Behandlung von Muskelschwund sowie das Mittel Cosentyx gegen Schuppenflechte. Deutliche ZuwÀchse verzeichnete der Konzern aber auch bei Krebsarzneien. Auch das GeschÀft bei der Generika-Tochter Sandoz, bei der die Pandemie zuletzt besonders die Nachfrage bremste, beginnt sich zu stabilisieren.

Novartis erwartet, dass sich die Erholung vor allem in der Onkologie im zweiten Halbjahr weltweit fortsetzt. Noch immer beeintrĂ€chtigt die Pandemie nach EinschĂ€tzung von Finanzchef Kirsch aber die Diagnose von Krebspatienten, was Auswirkungen auf den Absatz mit Krebsarzneien hat, die im Krankenhaus verabreicht werden mĂŒssen.

Novartis geht weiter davon aus, den Covid-19-Impfstoff des deutschen Biotechunternehmens CureVac herzustellen. "Wir haben die Produktion wie geplant gestartet. Wir planen, dieses Jahr 50 Millionen Dosen auszuliefern", sagte Kirsch. Zur Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs oder der Wahrscheinlichkeit einer Zulassung könne sich Novartis nicht Ă€ußern.

Novartis könnte weiter ausbauen 

Novartis könnte weiter ausbauen Wenn es Bedarf fĂŒr zusĂ€tzliche ProduktionskapazitĂ€ten gebe, etwa von BioNTech/Pfizer oder anderen, könne Novartis diese weiter ausbauen. "Wir sind nicht auf den einen oder anderen beschrĂ€nkt." Novartis unterstĂŒtzt bereits BioNTech/Pfizer bei der Produktion ihres Impfstoffs. Das Vakzin von CureVac soll im Tiroler Werk Kundl von Novartis hergestellt werden. Der Impfstoff erzielte in der entscheidenden klinischen Studie nur eine Wirksamkeit von 48 Prozent. CureVac hofft trotz der enttĂ€uschenden Studienergebnisse aber weiter auf eine Verwendung durch die EuropĂ€ische Union.

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