An information board for train departures of German railway Deutsche Bahn reads, "train is not running", at the main train station in Mainz August 12, 2013. German rail operator Deutsche Bahn cancelled most of its regional service in Mainz due to lack of personnel. The Mainz railway control centre is severely understaffed, out of 15 traffic controllers eight called in sick or are on vacation according to local media. REUTERS/Ralph Orlowski (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS EMPLOYMENT)

© Reuters/RALPH ORLOWSKI

Personalmangel
08/14/2013

Bahn-Chaos auch bald in Österreich

In Österreich könnten auch bald "Mainzer Zustände" herrschen, warnen Gewerkschaft und Fahrgastverband.

In Mainz fallen wegen Personalproblemen im Stellwerk derzeit etliche Züge aus, der Regionalverkehr läuft nur eingeschränkt, Fernverkehrszüge wie der ICE werden teils umgeleitet oder halten an anderen Bahnhöfen. Grund: Von den üblicherweise 15 Mitarbeitern des Stellwerk-Fahrdienstes in Mainz sind fünf derzeit krank und drei im Urlaub (mehr dazu...)

"Mainzer Zustände" könnten "bald auch in Österreich" herrschen, warnt die Gewerkschaft vida. Der Fahrgastverband probahn wies darauf hin, dass es in Österreich neben fehlender Fahrdienstleiter auch "einige Hundert Lokführer" zu wenig gebe und forderte die ÖBB auf, "ihre Personalpolitik zu evaluieren". Weiters kritisiert probahn, dass die Ausbildung zu Lokführern und auch Fahrdienstleitern auf wenige Monate verkürzt worden sei, was mit einer "Geringschätzung der Arbeit der Lokführer" verbunden sei.

Gerhard Tauchner, Sprecher der Plattform Lokfahrdienst, forderte im APA-Gespräch, die ÖBB müssten jährlich zwischen 30 und 50 Leute in die Lokführerausbildung aufnehmen - "aber seit 2011 gab es keine Neuaufnahmen mehr." Tauchner weiters: "Was die Bahnen in Österreich derzeit noch rettet, ist das System der Verbundproduktion von Personen- und Güterverkehr unter einem Firmendach. Damit kann das im Personenverkehr benötigte Personal durch den derzeit aufgrund der konjunkturellen Situation schwächelnden Güterverkehrs gerade noch aufgebracht werden. Sobald sich der Güterverkehr aber wieder erholt, können ähnliche Zustände wie in Deutschland nicht mehr ausgeschlossen werden.“

ÖBB: Sind gut aufgestellt

Von den ÖBB hieß es zur APA: "Probleme wie in Deutschland sind bei uns unwahrscheinlich." Man sei gut aufgestellt. Dass man bei den Bundesbahnen den Beruf des Lokführers nicht wertschätze, sei "Unsinn", so ÖBB-Sprecher Michael Braun. "Wir wissen wie wertvoll die tägliche Arbeit der Lokführer bei uns ist."

Zur vida-Forderung nach 30 bis 50 mehr Lokführern pro Jahr sagte Braun, die ÖBB planten sogar, "ab 2015 ungefähr 60 Lokführer pro Jahr zusätzlich aufzunehmen" - man schaue sich die Konjunktur dahingehend genau an, mittelfristig rechne man derzeit mit einem konjunkturbedingten Wiederanstieg des Güterverkehrs eben 2015. Derzeit gebe es rund 4.000 Lokführer. "Ein Lokführermangel liegt selbst bei ausgeprägter Fantasie nicht vor", so Braun.

Fahrdienstleiter arbeiten laut ÖBB-Angaben derzeit 2.300 in Österreich. "Die meisten Stellwerke sind mehrfach besetzt, wir sind nach menschlichem Ermessen gut aufgestellt", so Braun. Wo kleinere Stellwerke nur einfach besetzt seien, gebe es zur Abhilfe "ein Netzwerk aus Springern". Diese könnten dort einspringen, wo sie vorgesehen sind, allerdings nicht an jedem x-beliebigen Bahnhof - was derzeit in Deutschland in Mainz das Problem ist.

Das Berufsbild des Fahrdienstleiters befinde sich derzeit auch im Wandel - wegen der Umstellung auf gänzlich elektronisch gesteuerte Strecken; derzeit läuft ein Mischbetrieb. Bis 2030 soll das Kernnetz rein elektronisch funktionieren, derzeit wird die fünfte einer sogenannten Betriebsführungszentrale in Linz errichtet. Einerseits brauche man künftig wegen der Fernsteuerung weniger Fahrdienstleiter, anderseits wirke sich aber die 38,5-Stundenwoche bedarfssteigernd aus, erklärte Braun. Jedenfalls würden "bis zu 100 Fahrdienstleiter pro Jahr fertigausgebildet".

Bahn-Chaos als Vorgeschmack auf künftige Arbeitswelt

Das Bahn-Debakel von Mainz ist nach Ansicht des Leipziger Trendforschers Sven Gabor Janszky nur ein Vorgeschmack auf die vom Fachkräftemangel geprägte Arbeitswelt der Zukunft. Ähnliches Vorfälle werde man in den kommenden Jahren häufiger und in allen Branchen erleben könne, erklärte der Buchautor (Titel: 2025 - So arbeiten wir in der Zukunft) am Dienstag in einer Mitteilung. "Die Knappheit betrifft heute schon alle Bereiche, in denen Spezialisten gefragt sind. (...) Der Mangel tritt nicht zuvorderst bei den Höchstqualifizierten auf, sondern hauptsächlich in den mittleren Ausbildungsgraden wie bei den Facharbeitern."

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