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Wirtschaft
08/17/2021

Pensionskassen wollen Zahl der Betriebspensions-Berechtigten verdoppeln

Bald sollen 2 Millionen Menschen Vertrag haben: Allen Zusatzpension ermöglichen, Regierungsprogramm rasch umsetzen.

Die österreichischen Pensionskassen wollen die Zahl der Betriebspensions-Berechtigten binnen fünf Jahren auf zwei Millionen Menschen verdoppeln. Erforderlich dafür wäre eine rasche Umsetzung des im türkis-grünen Regierungsprogramm von Anfang 2020 verankerten General-Pensionskassenvertrags, sagte Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky am Dienstag. Damit sollte dann auch eine steuerfreie Übertragung von Guthaben aus Abfertigungskassen ermöglicht werden.

In Gesprächen mit der Politik stoße man auf Verständnis, man spüre aber auch eine "große Schüchternheit", sagte Zakostelsky, der noch für heuer auf eine Umsetzung hofft: "Zeitlich sollte man das nicht zu stark schieben." Verzögert worden sei die Umsetzung durch Corona. Der Fiskalrat habe schon voriges Jahr Empfehlungen für eine Reform der Altersvorsorgesysteme abgegeben und diese heuer erneuert.

Demografische Entwicklung

Es sollten rasch betriebliche Zusatzpensionen für alle ermöglicht werden - mit einer steuerlichen Absetzbarkeit auch der Arbeitnehmerbeiträge und einem dem entsprechenden Prämienmodell für Geringverdiener. Schon bisher habe die demografische Entwicklung zu steigenden Kosten für das staatliche Pensionssystem geführt. "Die demografische Entwicklung steht vor einem Kipppunkt: Die Babyboomer gehen demnächst in Pension", dann werde sich das Verhältnis Aktive zu Pensionisten nochmals zulasten der Aktiven verändern, so Zakostelsky.

Erst vor kurzem wurde bei den Anspruchsberechtigten die Millionen-Grenze übersprungen: Ende Juni waren es 1,003.352 Menschen, ein Viertel der Beschäftigten. Von den 994.725 Anwartschafts- und Leistungsberechtigten Ende 2020 bezogen 119.024 bereits eine Leistung. Als Betriebspension wurden 2020 im Schnitt 446 Euro pro Monat ausbezahlt, 14 mal. In Summe betrugen diese Pensionsleistungen 748 Mio. Euro.

Wertschöpfung

Veranlagt sind bei den heimischen Pensionskassen aktuell gut 26 Mrd. Euro. Weil die Aktienmärkte heuer boomten, vor allem jener in Wien, erzielten die Kassen im ersten Halbjahr einen Veranlagungsertrag von 4,78 Prozent. Im ersten Quartal hat die Performance 1,85 Prozent betragen, und selbst im Coronajahr 2020 waren es plus 2,55 Prozent gewesen. In den letzten 10 Jahren erzielten die Pensionskassen jedes Jahr im Schnitt nach Kosten eine Wertsteigerung von 4,0 Prozent, abzüglich der Inflation seien es real plus 2,3 Prozent pro Jahr gewesen, so Zakostelsky.

Die Pensionskassen seien langfristige und nachhaltige Investoren und würden in Österreich 4 bis 5 Mrd. Euro jährlich an Wertschöpfung bewirken. Die Kassen würden die Rolle eines wesentlichen Anker-Investors auch für österreichische Unternehmen und den österreichischen Staat übernehmen, sagte Fachverbands-Geschäftsführer Stefan Pichler vor Journalisten. Der Anteil der Aktieninvestments der Kassen liege stets zwischen 25 und 35 Prozent und bei Anleihen zwischen 55 und 65 Prozent des Gesamtvermögens.

Kapitalgedeckte Altersvorsorge

Ein Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge würde das Angebot auf den Kapitalmärkten für Unternehmensfinanzierung ausweiten und zu höheren Investitionsvolumina führen, sagte Pichler zu einer neuen Studie des Economica-Instituts von Christian Helmenstein. Eine höhere Eigenkapitalausstattung der Firmen stärke deren Wachstumsdynamik und Widerstandskraft, sie bräuchten weniger Fremdfinanzierung. Und die kapitalgedeckte Altersvorsorge erhöhe die Kaufkraft im Ruhestand, es würden dann zusätzliche Konsumausgaben ausgelöst.

Binnen 30 Jahren hätten die Pensionskassen 13,6 Mrd. Euro Wertzuwachs für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erwirtschaftet. 23 Mrd. Euro seien in dem Zeitraum von den jeweiligen Dienstgebern einbezahlt worden, 11,4 Mrd. Euro mittlerweile aber schon an Auszahlungen getätigt worden. 11,6 Mrd. Euro verbleibendes Kapital plus 13,6 Mrd. Euro Wertzuwachs ergäben dann die 25,2 Mrd. Euro Gesamtkapital im Vorjahr.

Nachhaltige Veranlagung

Ende 2020 seien bei den heimischen Pensionskassen 81,7 Prozent der 25,2 Mrd. Euro nachhaltig veranlagt gewesen, gemäß den Standards der Principles for Responsible Investment der Vereinten Nationen (UNPRI), sagten Zakostelsky und Pichler. 2019 seien es erst 66 Prozent gewesen. Die Pensionskassen könnten noch mehr erreichen und umsetzen, würde die "Grüne Pension" auf Basis von der Einkommensteuer befreiter Eigenbeiträge eingeführt. Zudem würden Pensions- und Vorsorgekassen mit nachhaltigen Investments helfen, mögliche Strafzahlungen der Republik Österreich zu senken, die bei der Verfehlung der Klimaziele drohen.

Dazu wurde das Beispiel einer - nicht namentlich genannten - Pensionskasse erläutert, die den CO2-Ausstoß in ihrer Aktienveranlagung in den vergangenen vier Jahren fast halbiert habe, was der Einsparung von 375.000 t Treibhausgasen entspreche, so Pichler. Bestimmte Branchen etwa mit hohem Fossilanteil würden sehen, dass eine Finanzierung via Aktien immer schwieriger werde, "das ist ein Trend, der massiv ins Rollen kommt", so Zakostelsky. Natürlich müsse man dabei auf das Thema Greenwashing aufpassen, eine diesbezügliche EU-Verordnung solle noch heuer kommen.

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