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wirtschaft von innen
09/09/2020

OMV-Deutschland: Zoff an der Tankstelle

Netz in Deutschland soll bis Ende 2020 verkauft sein, aber Pächter proben den Aufstand

von Andrea Hodoschek

Für den teilstaatlichen Energiekonzern OMV läuft es derzeit in Deutschland nicht so rund. Um den Borealis-Deal finanziell zu stemmen, will die OMV neben ihrer Mehrheit am heimischen Gasnetz GCA (an den Verbund) auch das Tankstellennetz in Deutschland versilbern.

OMV-Chef Rainer Seele will den Verkauf der 287 Stationen, 195 davon mit angeschlossenen VIVA-Shops, bis Jahresende unter Dach und Fach bringen. Aus den mehr als 40 Interessenten sei bereits eine Shortlist erstellt worden, für die der Datenraum geöffnet ist, sagt OMV-Sprecher Andreas Rinofner.

In dieser heiklen Phase kommen Meldungen über verärgerte und frustrierte Pächter zur Unzeit. Geht es doch darum, einen möglichst hohen Kaufpreis zu erzielen. Das Unternehmen nennt keine Zahlen, in der Branche wird aber von einer Größenordnung von mehreren hundert Millionen Euro ausgegangen.

„Vor fünf Jahren war die Stimmung noch gut, ist aber inzwischen in den Keller gesunken“, beobachtet Herbert W. Rabl, Sprecher des deutschen Tankstellen-Interessenverbandes TIV.

Das miese Betriebsklima habe nicht nur damit zu tun, dass die OMV an der Pachtschraube drehte, sondern auch mit dem Umgangsstil des neuen Managements. Pächter berichten von einem „regelrechten Krieg zwischen Zentrale und Tankstellen“. Gemeint ist das Management in Deutschland.

Es solle ein System nach dem Vorbild von Lebensmittel-Diskontern entstehen, das aber nicht zur Marktpositionierung der OMV passe. Pächter sollen deswegen schon gekündigt haben.

Auch OMV-intern hänge der Haussegen in Deutschland schief, von Mobbing ist die Rede. Die Kontrollmechanismen der Konzernmutter in Wien dürften hier „gänzlich versagen“, befürchten Pächter. Rabl vermutet, „dass die Mannschaft in Burghausen nicht in aller Deutlichkeit nach Wien an den Vorstand kommuniziert, sondern Positiv-Färbung betreibt“.

Die Pächter und deren Mitarbeiter seien „das Aushängeschild der Marke. Sie müssen loyal hinter der Marke stehen“. Dieses Gefühl sei in der OMV-Familie jedoch abhandengekommen, berichtet Rabl. Die OMV könne vermutlich „keinen allzu hohen Preis für einen Laden ausrufen, der zwar nicht desolat ist, aber irritiert“.

Die Verstimmungen dürften sich tatsächlich noch nicht bis Wien durchgesprochen haben. „Wenn konkrete Probleme bzw. Sorgen an uns herangetragen werden, egal ob in Burghausen oder in Wien, werden wir diesen selbstverständlich nachgehen und sie gemeinsam mit dem Management in Deutschland und unseren Partnern zu lösen versuchen“, erklärt Rinofner dazu.

An der Gerüchtebörse kursieren zwei Interessenten als Favoriten. Der teilstaatliche russische Ölgigant Rosneft hatte im Handelsblatt angekündigt, sich künftig stärker in Deutschland engagieren zu wollen. Man werde regelmäßig gefragt, ob man auch Tankstellen kaufen wolle. Biete sich eine günstige Gelegenheit, werde man diese prüfen.

Chairman von Rosneft ist Deutschlands Ex-Kanzler und Seele-Freund Gerhard Schröder. Sein Stellvertreter ist Matthias Warnig, ehemaliger DDR-Spion und CEO des umstrittenen Pipeline-Projekts Nord Stream 2.

Ebenfalls als potenzieller Käufer gehandelt wird die polnische Mineralölgruppe PKN Orlen, die 2003 die Aral-Tankstellen im Norden Deutschlands übernahm. Die OMV erwarb damals die Aral-Stationen in Bayern und Baden-Württemberg.Die Tankstellen dienten dazu, die OMV-Raffinerie in Burghausen, Bayern, auszulasten. Inzwischen ist Burghausen auf Petrochemie ausgerichtet und die OMV braucht die Tankstellen nicht mehr. Seele baut die OMV gerade vom Öl- und Gasunternehmen zum Petrochemie-Konzern um. Dafür kaufte die OMV wie berichtet ihrem Mitgesellschafter Mubadala (Abu Dhabi) um 4,1 Milliarden Euro Anteile am gemeinsamen Chemiekonzern Borealis ab und stockt auf 75 Prozent auf.

Nord Stream 2

Sollte die Gaspipeline von Russland nach Deutschland unter der Ostsee tatsächlich nicht fertig gebaut werden, wäre dies für die OMV nicht angenehm, aber nicht dramatisch. Die Hälfte der 9,5 Milliarden teuren Pipeline wird von fünf westlichen Unternehmen finanziert, darunter OMV. Gazprom konnte die Finanzierung selbst nicht aufstellen, weshalb OMV & Co als Kreditgeber einsprangen. Der Beitrag

der OMV liegt bei rund 729 Millionen und ist ausfinanziert.

Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass für den Fall des Scheiterns der Pipeline im Finanzierungsvertrag Sicherheiten eingebaut seien. Die OMV will zu Nord Stream 2 derzeit überhaupt nicht Stellung nehmen, man beteiligte sich nicht an politischen Diskussionen.

Am Dienstag bremste die deutsche Kanzlerin Angela Merkel laut CDU/CSU-Fraktionskreisen die Debatte um einen Baustopp. Der Anschlag auf den Kreml-Kritiker Nawalny sei bestürzend, aber es gebe keine einheitliche Haltung auf EU-Ebene.

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