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OMV-Chef Stern zum Abschied: „Die Insel Österreich gibt’s nicht“

Noch-CEO mit klaren Worten über wirtschafts- und energiepolitischen Unsinn.
Alfred Stern

„Zufrieden und stolz, auf das was wir erreicht haben“, zieht Alfred Stern, der mit Ende August den Konzern verlässt, nach fünf Jahren als OMV-Chef Bilanz. Die vier besten Finanzergebnisse in der Geschichte des Konzerns, zwei Milliarden Dividenden an die Staatsholding ÖBAG abgeliefert, erstmals seit 60 Jahren unabhängig von russischem Gas, Europas größtes Gasförderprojekt Neptun Deep im Schwarzen Meer aufgestellt, die Schaffung des Chemie-Giganten Borouge International. 

Zum Standort Österreich allerdings fällt Stern weniger  Positives ein. Er warnte bei seinem letzten Medienauftritt am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten  vor einer weiteren Verschlechterung der Rahmenbedingungen und vor wirtschaftlichem und energiepolitischem Unsinn. 

„Die Insel Österreich gibt’s nicht. Das ist eine naive Vorstellung, wie unsere Welt funktioniert“, sagte Stern zum Thema Energie-Abhängigkeit. Nostaglie sei keine Strategie, „dafür sind die Herausforderungen zu groß“. Zur von der Regierung verordneten Spritpreis-Bremse meinte der Noch-Chef von Österreichs größtem Industrie-Unternehmen, er werde bei Eingriffen in die freie Marktwirtschaft „immer nervös,  wegen unvorhergesehenen Nebenerscheinungen, die nachher große Schwierigkeiten machen“. 

„Massive Belastung“

Das Raffinerie-Geschäft sei vom Ergebnis her zyklisch. Das Abschöpfen von Margen nehme dem Unternehmen Substanz, die es für schwache Phasen benötige. Stern wies darauf hin, dass in Europa in den vergangenen zehn Jahren 25 Raffinerien geschlossen wurden. Die verordnete Reduktion der Margen um 5 Cent an der Tankstelle habe die OMV „massiv belastet“. Die Raffinierie-Margen würden bei 10 bis 20 Dollar je Barrel (156 Liter) liegen. Von einem Tankstellenpreis von 1,70 Euro je Liter gehen 90 Cent für Mehrwert-, Mineralölsteuer und CO2-Abgabe weg, rechnete Stern vor. Der Bau einer Raffinierei koste 10 bis 15 Milliarden Euro. 

2022 habe allein die OMV an Mehrwert- und Mineralölsteuer zwei Milliarden Euro bezahlt. Im Vorjahr inklusive der 500 Millionen CO2-Abgabe (auf die wiederum Mehrwertsteuer fällig ist) 2,6 Milliarden.

Der Investitionsstandort Europa werde durch die Beschäftigung mit Über-Gewinnsteuern und regulatorischen Maßnahmen immer unsicherer. 

Im internationalen Wettbewerbsranking gebe es für Österreich „nur noch einen Weg  – den nach unten“. Österreich halte am Status quo fest und habe Innovationskraft verloren. Stern lobte allerdings die Qualifikation der Mitarbeiter, „die Ausbildung unserer Arbeiter entspricht in anderen Ländern dem College-Niveau“. 

Kerosin-Versorgung gesichert

In ihren Raffinerien in Schwechat und Burghausen hat die OMV wegen des Iran-Krieges die Produktion von Diesel zugunsten von Kerosin gedrosselt, sagte Stern. Er sei zuversichtlich, weiterhin alle Airline-Kunden versorgen zu können. Die Preise für Flugbenzin sind seit der Sperre der Straße von Hormus stark gestiegen.   

Nach der OMV

Über seine Pläne nach seinem Abgang bei der OMV und ob er überhaupt weiter in Österreich bleiben werde, hüllt sich Stern noch in Schweigen. Er ist derzeit wie berichtet in zwei externen Aufsichtsräten. Beim Chemikonzern Bayer und im Board of Directors des US-Unternehmens Air Products and Chemicals. 
 

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