OeNB: Banken sollen sich bei Gewinnausschüttung zurückhalten

OeNB: Banken sollen sich bei Gewinnausschüttung zurückhalten
Institute verzeichneten im Vorjahr trotz Zinswende Rekordgewinne. Notenbank mahnt zur Stärkung der Kapitalbasis.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) sieht die heimischen Banken in guter Verfassung, mahnt sie aber dazu, sich gegen mögliche Kreditausfälle zu wappnen. Wie aus dem 45. Financial Stability Report hervorgeht, ist die Quote der variabel verzinsten Krediten auch bei den privaten Haushalten, an die vor allem Wohnbaukredite vergeben werden, nach wie vor hoch. Rund 50 Prozent aller Hypotherkarkredite seien variabel verzinst.

 "Der scharfe Zinsanstieg des letzten Jahres führt dazu, dass es einen Rückgang bei den Bankkrediten gibt für Haushalte, aber auch bei den Unternehmen," sagte OeNB-Vize-Gouverneur Gottfried Haber am Mittwoch. Berücksichtigen müsse man dabei aber auch, dass es in den Jahren davor einen enormen Aufbau bei der Kreditvergabe gegeben habe.

Bei Unternehmen sei der Rückgang zudem weniger stark, da diese für Lager- und Betriebsmittelfinanzierungen nach wie vor Liquiditätsbedarf hätten. Das Ausfallsrisiko von Unternehmensrisiko habe sich angesichts der gestiegenen Kosten, der angespannten Finanzierungsbedingungen und des eingetrübten wirtschaftlichen Umfeldes, erhöht.

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Wohnabaukredite

Nach wie vor hoch ist die Quote der variabel verzinsten Kredite auch bei den privaten Haushalten, an die vor allem Wohnbaukredite vergeben werden. Rund 50 Prozent aller Hypotherkarkredite seien variabel verzinst. "Auch die Neukreditvergabe, die wir letztes Jahr und bis ins erste Quartal 2023 beobachten konnten, ist stark geprägt von variabel verzinsen Krediten", so sagte die Leiterin der Volkswirtschaftlichen Hauptabteilung, Birgit Niessner. Im Euroraum sei der Anteil deutlich geringer.

Das Zinsrisiko, dass die Haushalte damit aufnehmen, sei daher von großer Relevanz. Abgeschwächt werde die Lage aber dadurch, dass vor allem Haushalte in den höheren Einkommenssegmenten Kredite aufnehmen würden. Im Schnitt hätten 40 Prozent aller Haushalte einen Wohnkredit, im untersten Einkommens-Fünftel seien es jedoch nur 4 Prozent. "Wir sehen, dass Hypothekarkredite von Haushalten aufgenommen werden, die einen größeren finanziellen Spielraum haben."

Mehr Ausfälle

Im Hinblick auf die höhere Belastung für Kreditnehmer sei jedenfalls zu erwarten, dass die Zahl der Kreditausfälle künftig ansteigen wird. Aktuell sehe man einen solchen Anstieg aber noch nicht, sagte Haber. Auch wann genau die Quoten für notleidende Kredite (NPL) ansteigen werden, sei schwer vorherzusagen.

Für die Banken sind die gestiegenen Zinsen und das damit rückläufige Kreditwachstum bisher kein spürbares Problem. Viel eher haben die steigenden Zinsen die Profitabilität der Banken unterstützt. Denn das klassische Modell der Fristentransformation funktioniere nun wieder, so Haber, nachdem es in der Phase der Niedrig- und Negativzinsen nicht so war.

Rekordgewinne

Im Vorjahr haben die Banken im Zuge dessen sogar einen Rekordgewinn von 10,2 Mrd. Euro erzielt. Neben den Einnahmen, die zu einem Gutteil auch dem gut laufenden Geschäft Zentral-, Ost- und Südosteuropa (CESEE) zuzuschreiben waren, spielten hier jedoch auch Einmaleffekte wie Erlöse aus aufgegebenen Geschäftsbereichen eine Rolle. Haber geht daher davon aus, dass sich die Ergebnisentwicklung der Banken in den kommenden Jahren nicht so fortsetzen werde.

Die OeNB empfiehlt den Banken daher, sich bei der Gewinnausschüttung zurückzuhalten. Weiters mahnte die Nationalbank die Sicherstellung von nachhaltigen Vergabestandards bei Wohn- und Gewerbeimmobilienkrediten an.

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